Bücher sind ähnlich wie eine unbekannte Schachtel mit Pralinen – man weiß nie, was man bekommt.
So oder so ähnlich würde es vermutlich Forrest Gump beschreiben, wenn man ihn fragte, wie er den Kauf von Büchern sieht. Und so ähnlich ergeht es mir manchmal auch, wenn ich überlege, mir neuen Lesestoff zu besorgen. Eine große Ausnahme stellt für mich hierbei unter anderem der Autor Ken Follett dar, dessen Werke mich bisher noch nie enttäuscht haben (auch wenn das nun vorgestellte Buch erst mein vierter Ken Follett Roman ist).
●●●●●●●●●● ALLGEMEINE INFORMATIONEN ●●●●●●●●●●
Titel: Eisfieber
Originaltitel: Whiteout
Autor: Ken Follett
Verlag: Gustav Lübbe Verlag
ISBN: 3-7857-2220-6
Format: Gebundene Ausgabe
Ausgabe: 2005
Genre: Roman
Seiten: 461
●●●●●●●●●● DER KAUF ●●●●●●●●●●
Ich hatte mir »Eisfieber« am 28. September 2020 als gebundene Ausgabe zugelegt.
●●●●●●●●●● DIE AUFMACHUNG ●●●●●●●●●●
Die mir vorliegende Aufgabe ist hübsch aufgemacht. Der Schutzumschlag hat ein sehr gut zur Story passendes Motiv, doch auch das Buch selbst hat einen mit dem Warnsymbol versehenen Einband. Die Seiten sind angenehm dick, die Schrift hat genau die richtige Größe, um bequem gelesen zu werden. Ein schmuckes Lesebändchen sowie einige hübsche Illustrationen runden den optischen Gesamteindruck harmonisch ab.
●●●●●●●●●● DER AUTOR ●●●●●●●●●●
Der 1949 in Cardiff, Wales, geborene Ken Follett zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Welt und hat sich mit Romanen wie »Die Nadel« (1978) und »Die Säulen der Erde« (1990) einen Namen gemacht. Im Jahr 2004 erschien schließlich sein Roman »Whiteout«, im darauffolgenden Jahr die deutsche Übersetzung mit dem Titel »Eisfieber«.
●●●●●●●●●● INHALTSANGABE ●●●●●●●●●●
Oxenford Medical ist ein schottisches Biotechnologieunternehmen, das sich mit der Erforschung eines Antivirus beschäftigt. Als eines Tages, während einer Sicherheitsüberprüfung, festgestellt wird, dass eine Probe des absolut tödlichen Madoba-2 Virus fehlt – einer absoluten Mutation des berüchtigten Ebola-Virus, jedoch mit einer 100% Sterblichkeitsrate –, steht die Sicherheitschefin Toni Gallo mächtig unter Druck. Kaum hat sie diesen Vorfall aufgeklärt, wird die Firma am Weihnachtsabend von einer vierköpfigen Bande überfallen, die just dieses tödliche Virus stiehlt und in einem Blizzard verschwindet, der gerade über Schottland zieht. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem es zudem noch zu familiären Verwicklungen kommt …
●●●●●●●●●● MEINE MEINUNG ZUM BUCH ●●●●●●●●●●
Es ist schon erstaunlich, wenn man das Buch liest und dabei über einen Satz stolpert, in dem behauptet wird, dass jedes Jahr ein neues Virus aus China nach Europa käme, das Pandemien auslösen könne. Heute, gerade einmal sechzehn Jahre später, läuft einem zu Corona-Zeiten ein Schauer über den Rücken … zu schnell hat man vergessen, dass bereits 2002/2003 eine erste Pandemie mit dem SARS-CoV weltweit mehr als siebenhundert Todesfälle gefordert hat.
In »Eisfieber« geht es ebenfalls um ein tödliches Virus, das die Menschheit bedroht – hier »Madoba-2« genannt. Der Grund für dessen Existenz in dem Labor ist dabei einzig und allein auf die Forschung eines wirksamen Impfstoffs zu begründen; es wird immer wieder betont, dass das fiktive Unternehmen Oxenford Medical keinerlei militärische Interessen vertrete, auch wenn die US-Regierung mit zu den Sponsoren zähle.
Der Roman ist prinzipiell in drei verschiedene Handlungsstränge unterteilt, die im Laufe der Zeit zusammengeführt werden:
• Toni Gallo, die Protagonistin
• Der Oxenford-Clan
• Die Räuber
Zunächst bekommt man nach und nach die Hauptfiguren vorgestellt und erfährt sehr schnell, was deren jeweilige Intentionen sind, wie sie zueinanderstehen und was sich aufgrund deren Vorgeschichte wohl abspielen könnte. Dabei wird schnell klar, dass es sich nicht bloß um einen Thriller um ein Virus handeln wird, sondern dass Ken Follett erneut Familiendramen mit eingebaut haben wird, wie er dies in den mir bekannten Werken bereits ebenfalls getan hat. Dadurch enthält die ganze Geschichte eine schöne Tiefe und Gefühl, was sie von vielen anderen Thrillern deutlich abhebt. Dies hat allerdings auch zur Folge, dass die Spannung nicht stetig auf einem hohen Level bleibt, sondern es kommen immer wieder Szenenwechsel, nach denen es dann zunächst gemächlicher weitergeht, um schließlich in einem gemeinsamen Finale zu enden.
Neben den akribisch recherchierten Procederes im Umgang mit tödlichen Viren, erhält man vor allem auch einen Einblick in eine schottische Familie der gehobenen Gesellschaftsschicht, an deren Spitze der Patriarch sitzt – der Firmeneigner von Oxenford Medical. Man erfährt einiges über deren Struktur, obwohl man dies wohl dennoch nicht als allgemeingültig betrachten sollte. »Eisfieber« ist immer noch ein Roman mit fiktiven Person und fiktiven Handlungen, auch wenn einem vieles vielleicht nur allzu menschlich und normal vorzukommen scheint.
Mir persönlich gefällt vor allem, dass Ken Follett bei all den Familiendramen und dem Raub des tödlichen Virus‘ zudem eine gehörige Portion Humor einbringen konnte. Bei nicht wenigen Szenen musste ich schon lachen, was neben all der Spannung auch sehr erfrischend ist.
Alles in allem hat Ken Follett mit »Eisfieber« einen nach meinem Dafürhalten sehr guten Roman herausgebracht, der sich vor allem deutlich von seinen sonst historisch eingebetteten Geschichten unterscheidet. Diesmal stehen eben keine Meilensteine der Weltgeschichte im Vordergrund, in die er gekonnt seine fiktiven Dramen eingebettet hat, sondern diesmal hat er sich erfolgreich mit einem Thema befasst, das uns heute – mehr denn je! – weltweit betrifft. Bleibt zu hoffen, dass all die Oxenford Medicals dort draußen auch nur halbwegs so erfolgreich sind wie das fiktive Familienunternehmen in Ken Folletts Roman.
●●●●●●●●●● MEIN FAZIT ●●●●●●●●●●
Ken Folletts Roman »Eisfieber« ist heute, in Zeiten von Corona, aktueller denn je und vereint Thriller und Familiendramen.











