Hörbuch-Rezensionen von M .Beck
Hier finden Sie alle Hörbuch-Rezensionen von M .Beck
Martyrium
Unverkennbar der Erstling eines Pathologen
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 21.11.2011
Jonathan Hayes ist es anscheinend gelungen, den Bezug zwischen den Leichen auf seinem Seziertisch und der Welt draussen vor der Pathologie nicht zu verlieren. Er schreibt sehr lebendig über die Toten und ihre Todesarten. Deren gibt es viele und Hayes packt eine ordentliche Portion davon in seinen Erstling hinein.
Obwohl er für meinen Begriff dabei die Geschichte oft aus den Augen verliert, gelingt es ihm doch immer wieder den Weg zurück zu finden. Bei Hayes Themen ist der Weg zwischen Splatter und Geschichte oft ein Drahtseilakt. Er kommt mir dabei wie ein Seiltänzer vor, der manchmal gefährlich wackelt, es aber letztendlich doch schafft, das Ende des Seils unbeschadet zu erreichen. Trotz der enormen Menge an Toten und Todesarten ist es eine Geschichte und keine Aneinanderreihung von Blutopfern.
Die Folgen des 11.9.2001 für die Überlebenden sind der Grund für die Lebensumstände des Pathologen Jenner. In der Folgezeit kommt es zu Spannungen zwischen ihm und dem smarten, aber völlig talentfreien Whitaker. Dies ist der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht. Der alte Konflikt zwischen dem Macher, der alles kann, ausser sich selber gut darstehen zu lassen und dem korrupten, aber sehr erfolgreichen Nichtskönner ist nicht neu. Trotzdem gelingt es dem Autor, damit einen interresanten Plot zu erzeugen. Hayes begeht nicht den Fehler, das Genre neu erfinden zu wollen. Er nimmt einfach seine berufliche Erfahrung als Pathologe und bettet diese in bewährte Strickmuster. Heraus kam ein beachtenswerter Erstling.
Torsten Michaelis rauchig, rollende Stimme kann die depressive Lebenssituation Jenners perfekt wiedergeben. Auch seiner Vortragsart ist es zu verdanken, dass das Hörbuch einen solchen Erfolg hat.
1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Herr aller Dinge
Klasse Sience Fiction in der Jetztzeit
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 21.11.2011
Andreas Eschbach schreibt in epischer Breite über eine kurze Zeit in der Kindheit von Hiroshi und Charlotte. In diesem ersten Teil erinnert mich sein Schreibstil (oder ist es die Lesart Sascha Rotermunds?) an die Hörbuchfassung von Kirsten Boies "Alhambra". So recht in Fahrt kommt das Buch nicht. Ich muss mich drauf einlassen, denn wirklich langweilig ist es auch nicht. Ich weiss nun aber, wie Hiroshi und Charlotte "ticken". Das ist wichtig für das Verständnis ihres späteren Handelns. Ihre Wege trennen sich; Schnitt!
Nun lässt Eschbach das weitere Leben der Beiden flashartig aufpoppen. Das hat mir an diesem Buch besonders gefallen. Immer wieder fehlen mehrere Jahre. Oft merke ich erst, wenn Menschen aus dem vorherigen Kapitel gestorben sind, dass es wieder einen Zeitsprung in der Geschichte gegeben hat. Diese Schreibart, die mich sonst oft stört, finde ich hier elemantar wichtig. Warum? Ich weiss es nicht.
Die Lebensgeschichte Charlottes und Hiroshis sind nicht nur der rote Faden, die Plattform auf der es rechts und links so richtig kracht, sie ist das Gerüst der Geschichte, das dem Ganzen Halt gibt.
Und Eschbach lässt es so richtig krachen: in Buenos Aires, in Moskau, in Japan, im russischen Nordpolarmeer, in den USA. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch die ganze Welt. Immer wieder treffen Charlotte und Hiroshi zusammen und trennen sich dann wieder.
Hiroshi ist mit seiner Idee, Arm und Reich abzuschaffen und die ganze Menschheit glücklich zu machen selbstverständlich positiv besetzt. Eschbach geling es nämlich, seine männliche Hauptfigur nicht als Spinner darzustellen, sondern als ernst zu nehmenden Charakter, weil er entdeckt, was den Unterschied zwischen Arm und Reich ausmacht. Es ist eben nicht das Geld.
Als Hiroshi jedoch das erste Mal fulminant scheitert, stellt der Autor offen die Frage: Darf Wissenschaft alles Machbare machen?
Aber nicht erst hier hagelt es Gesellschaftskritik. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist selbstverständlich Thema und auch die Reaktion von Hiroshi darauf, als er selber reich wird. Aber nie wird ein Zeigefinger gehoben oder in die Wunde gelegt. Eschbach beschreibt eher die Zustände und bietet über seine Protagonisten Lösungsmöglichkeiten an. Aber er lässt auch die verschiedenen Lebensstile und Entwürfe aufeinander prallen und beobachtet, was passiert.
Und das Ende? Nun: Eschbach ist nicht Rosamunde Pilcher.
Sascha Rotermund hat mir sehr gut gefallen. Er nimmt mich mit auf eine Reise durch Eschbachs Welt. Er zeigt sie mir, ohne sie zu interpretieren. Durch seinen Verzicht auf jedes Mimikrie habe ich die Gelegenheit, mir Eschbachs Welt selber zusammen zu stellen. Ich hatte zeitweilig das Gefühl, selber in der Geschichte, als Beobachter drin zu sein. Diese Fähigkeit aus Kindheitstagen ist mir beim Lesen völlig abhanden gekommen. Auch dafür gibts 5 Sterne. Für mich ist diese Hörbuch eines der Besten in meiner Sammlung. Ich kann es nur uneingeschränkt empfehlen.
2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Die rote Antilope
Mankell driftet ab in Klischees
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 09.09.2011
Im ersten Teil des Buches schreibt Mankell interessant, abwechslungsreich und spannend über die Reise des Jungen aus der Kalahari-Wüste nach Schweden. Im zweiten Teil driftet er aber zu sehr ins Klischeehafte ab. Die geistig Behinderten verstehen die armen Wilden ist eine Botschaft, die ich nicht brauche. Das ist zu abgeschmackt und nicht wirklich hilfreich im Verständnis der unterschiedlichen Kulturen.
Warum thematisiert Mankell überhaupt die Probleme von 1877? Das er ein großer Afrikakenner und Liebhaber ist, ist ja hinlänglich bekannt. Aber es gibt heute andere und dringendere Probleme als kleine Afrikaner, denen die große Welt gezeigt werden soll und die daran zu Grunde gehen, das sie niemanden verstehen und nicht verstanden werden.
Im Epilog wird angedeutet, dass es den Jungen tatsächlich gegeben hat, ebenso gehe ich davon aus, dass die Mädchenleiche in Schonen eine Tatsache ist. Die Verquickung der beiden zu einer Geschichte ist Mankell aber gründlich misslungen.
Edgar M. Böhlke ist für diese Geschichte der richtige Leser. Mit seiner ruhigen Art schafft er es, trotz der Schwächen des Buches bis zum Schluss zu fesseln.
0 von 0 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Drood
Simmons ist einer der ganz Großen
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 01.09.2011
Dan Simmons lässt Dickens Freund Wilkie Collins die Beziehung der Beiden zueinander erzählen. Simmons nimmt Collins Gischt des Auges zum Anlass, diesen vor Schmerzen opiumsüchtig werden zu lassen. Was daraus folgt ist ganz große Literatur. Allergrößten Respekt ringt mir Dan Simmons mit diesem Buch ab. Er beschreibt minuziös, wie das Rauschgift die Psyche eines Menschen verändert, wie Collins seine Umwelt umdeutet und immer ge- und verstörter wird. Aber auch, mit welcher Selbstverständlichkeit der Süchtige solche Figuren wie die grüne Frau als real und normal empfinden. Collins empfindet sogar eine körperliche Interaktion mit diesen Figuren. Er entwickelt einen starken Verfolgungswahn, an dem letzten Endes die Freundschaft zu Dickens zerbricht.
Wohlgemerkt: es handelt sich um einen fiktiven Roman, nur die Personen waren real. Während Dickens bekanntermaßen ein sozialkritischer Zeitgenosse war, der aus eigener Erfahrung wusste, wie es in der gesellschaftlichen Unterschicht zuging, wird Collins als überheblicher Stutzer seiner Zeit dargestellt. Bedienstete stehen für ihn auf der gleichen Stufe wie Möbel.
Am Ende bleibt nur eine Erkenntnis: Niemand braucht Feinde, der Wilkie Collins zum Freund hat.
Detlev Bierstedt braucht eine gewisse Zeit, bis er sich eingelesen hat. Dann aber sprüht er nur so vor Lesefreude und es macht unglaublichen Spaß, ihm zu zuhören, wie er das England des 19. Jahrhunderts vor meinem geistigen Auge mit Leben füllt.
Drood ist ein Hörbuch, an dem alles stimmt, die Geschichte und der Vorleser.
So macht audible Spaß.
0 von 0 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Die Anti-Stress-Box
Gut gemachte Entspannungsbox
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 25.08.2011
Hier kommt endlich mal eine Box, die mir mehr als gehauchte Sätze zu hinterlegter Sphärenmusik bietet. Durch das sehr gute Begleitheft, welches als PDF-Datei mit runtergeladen wird, habe die Möglichkeit, mir die Entspannungstechniken anzueignen, die zu mir passen. Das sich Frau Kirch anhört wie Angela Merkel irritiert Anfangs etwas. Aber spätestens, wenn ich die Entspannungstechniken beherrsche und das Hörbuch nicht mehr brauche ist auch das vorrüber.
1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Ruinen der alten Welt (Another World 4)
Das Niveau der ersten 3 Teile gehalten.
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 25.08.2011
Tiefer geht es aber auch nicht mehr runter. Die Story verwurstet, die Sprecher auf Schulniveau. Auch der 4. Teil ist Müll.
0 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Der Lange Weg (Another World 2)
Ein langer Weg führt schnell ins Abseits...
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 25.08.2011
und von dort hoffentlich genau so schnell ins Vergessen. Wenn das das Niveau des MindCrusher Studios ist, dann ist dort wohl der Name Programm. Die Story ist vermurkst und die Sprecher sind talentfrei.
1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Bruchlandung im Paradies (Another World 3)
Das ist gar nichts
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 25.08.2011
Das ist noch nicht mal was für Kinder, denn die sind durch Benjamin Blümchen Besseres gewohnt. Abgesehen von der groschenromanhaften Umsetzung des Plots ist die Leistung der Sprecher grottenschlecht.
0 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Das Ende aller Dinge (Another World 1)
Das war wohl nichts
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 25.08.2011
Abgesehen davon, das die Geschichte von einer Katastrophe zur nächsten eiert, ist die Leistung der Sprecher ungefähr auf dem Niveau der Medien AG einer 7. Klasse der Realschule.
Sorry Audible, aber das ist geschenkt noch zu teuer.
1 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Die Wiederkehr des Königs (Der Herr der Ringe 3)
Ein faszinierender Abschluss
von M .Beck aus Stolberg, Deutschland am 25.08.2011
Der dritte Teil des Herrn der Ringe hält, was die beiden ersten Teile versprechen. Detailverliebt schildert Tolkien den Gang Frodos und Sams durchs düstere Mordor, lässt die Gefährten um Gandalf den Sturm Saurons auf Minas Tirith zurück schlagen und gibt Golum zum Schluss die Rolle, die er seit Anfang der Geschichte für diesen gedacht hatte. Am Ende ist Aragorn natürlich König von Gondor. Und dann? Dann geht die Geschichte noch 3 Stunden weiter. Aber kein einziges Wort dieses langen Finales möchte ich missen. Ich erlebe den Rückweg der Gefährten mit; erfahre, was aus den einzelnen Figuren geworden ist die im Laufe des Weges auftauchten. Seien es Gute wie Bombadil, Baumbart, Butterblüm, oder Böse wie Lutz Farnhold, Saruman oder die Sackheimbeutlins. Eingebettet wird dieses Finale in die letzte Teufelei Sarumans, der aus Rache das Auenland verwüstet, aber von den 4 Hobbits in seine Schranken gewiesen wird.
Gerd Heidenreich zaubert wie schon im 2. Teil exakte Bilder in meinen Kopf. Er lässt mich die Welt Mittelerdes hautnah miterleben. Wunderbar, wie er die einzelnen Sprachen der verschiedenen Völker und deren Sprechweise hörbar macht. Auch ihm ist es zu verdanken, dass diese Hörbuchproduktion mich mehr anspricht, als die Filme Peter Jacksons.
9 von 11 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.










