Hörbuch-Rezensionen von Germana
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Nichts: Was im Leben wichtig ist
Ein gelungenes Gedankenexperiment
von Germana aus Wien, Österreich am 10.05.2013
Janne Teller zeichnet ein bewegendes Bild von Kindern, die zum ersten Mal mit dem Sinn und der Bedeutung des Lebens konfrontiert werden. Ihr Mitschüler Pierre erklärt ihnen immer wieder, dass nichts im Leben wichtig ist, und sie versuchen mit allen Mitteln, ihm das Gegenteil zu beweisen. Jeder muss etwas hergeben, das ihm wichtig ist. Es fängt ganz harmlos an mit einem Paar Schuhe, eskaliert jedoch zum Schluss hin dermaßen, dass die Polizei einschreiten muss.
Ich musste oft an "Herr der Fliegen" denken, weil auch in diesem Buch gruppendynamische Prozesse die Kinder in eine Art Wahn treiben, der sie immer furchtbarere Dinge tun lässt. Ähnlich vielleicht auch wie in Morton Rhue's "Welle". Selbst diejenigen, die im Innersten Bedenken hätten, würden es nicht wagen, diese zu äußern, um ja nicht als Feiglinge dazustehen.
Und letztendlich stellt sich dann die Frage, was nun tatsächlich von Bedeutung ist im Leben. Welchen Wert die Dinge haben, die die Kinder geopfert haben. Ob sie überhaupt einen Wert haben, den man bemessen kann, ob dieser auch erhalten bleibt, wenn man sie verkauft. Welchen Wert hat ein Paar grüne Ballerinas im Vergelich zu einem kleinen toten Bruder?
Ein gelungenes Gedankenexperiment würde ich sagen, geeignet für Jugendliche ab ca. 14.
Zum Hörbuch muss man noch sagen, dass Laura Maire zwar gut liest, aber dabei vergisst, dass die Ich-Erzählerin schon fast erwachsen ist und nur auf ihre Kindheit zurückblickt, d.h. weniger Kleinmädchenstimme hätte meinen Ohren ganz gut getan.
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Eine unbeliebte Frau
Langweilig und auch nicht sehr gut gelesen
von Germana aus Wien, Österreich am 20.03.2013
Mein erster Krimi von Nele Neuhaus und wohl auch mein letzter, wenn mich nicht doch das Serienfieber wieder überwältigt.
Viele Figuren, keine davon wirklich greifbar, allesamt klischeehaft gut oder böse, keine Überraschungen, viele Leerläufe... alles in allem eher langweilig als spannend, und auch sprachlich gibt es nichts her. Endlose Dialoge ohne Inhalt, und dazu noch eine Schickimicki-Szenerie nach der anderen, in die sich die beiden Polizisten nahtlos einfügen, weil sie ja auch beide aus besseren Kreisen stammen - wie das halt im echten Leben so ist...
Oliver von (!) Bodenstein ist als Hauptfigur an sich nicht unsympathisch, aber auch ihm fehlt es an Fleisch, an Ecken und Kanten.
Ich finde einfach nichts an deutschen Krimis, tut mir leid. Wie auch schon bei der so hochgelobten Charlotte Link vermisse ich hier jede Art von Rafinesse in Sprache und Handlung, da kommt einfach kein Gefühl auf, ausser vielleicht Ärger über das verschwendete Geld und die vertane Zeit.
Und leider gibt es bei uns auch zu wenig Frauen, die wirklich gut Hörbücher lesen können, Julia Nachtmann gehört jedenfalls auch nicht dazu. Alles zu mädchenhaft, zu gehaucht, da fehlt die Dramatik, die das Buch vielleicht noch etwas aufepeppt hätte. Also auch kein Extrapunkt für das Hörbuch.
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Flammenkinder
Dritter und bester Teil um Joona Linna
von Germana aus Wien, Österreich am 19.03.2013
"Flammenkinder" ist der dritte Teil der Serie rund um den eigenwilligen Ermittler Joona Linna. Es ist meiner Meinung nach das bestes Buch des Autoren-Ehepaars.
Die ersten beiden Teile der Serie waren spannend und reisserisch, dieser hier ist vor allem einfühlsam und bedrückend, stellenweise richtig traurig. Auf wilde Actionszenen wird zum Glück verzichtet, und auch wenn die Handlung einmal mehr eine Spur zu konstruiert wirkt, sind doch die Figuren so gezeichnet, dass man mit ihnen mitfühlt. Da merkt man jetzt, wie gut das Lars Kepler doch tatsächlich erzählen kann, und dass diese James-Bond-Einlagen nicht notwendig sind, wenn die Handlung stimmt.
Als Zuckerl erfahren wir am Schluss dann auch noch, warum Joona Linna immer so
traurig ist... mehr wird natürlich nicht verraten. Nur soviel: mir sind fast die Tränen gekommen, und das passiert mir sowieso eher selten, schon garnicht bei einem Thriller.
Simon Jäger liest, wie immer, ganz hervorragend, er gehört mitlerweile echt zu meinen Lieblingssprechern.
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Frevelopfer
Guter Krimi - auch ohne Erlendur!
von Germana aus Wien, Österreich am 19.03.2013
Für mich eines der besten Bücher der Serie, auch wenn Erlendur diesmal nicht ermittelt. Elinborg ist eine würdige Nachfolgerin, sie hat ein gutes Gespür für Zusammenhänge und vor allem auch für Stimmungen und Gefühle.
Es ist eine traurige Geschichte, die sicher genau so immer wieder passiert. Junge Frauen werden mit KO-Tropfen bewegungsunfähig gemacht und missbraucht. Und die Täter spazieren oft jahrelang unerkannt durch die Gegend, weil viele Opfer sich aus Scham garnicht getrauen, eine Anzeige zu machen.
Ein spannender Krimi mit realem und bewegendem Hintergrund, ein Highlight für alle Fans der Serie.
Mir fehlt ja Frank Glaubrecht, der die vorangegangenen Teile gelesen hat, aber Walter Kreye macht seine Sache auch recht gut.
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1Q84 (Buch 3)
Riesengroße Enttäuschung!
von Germana aus Wien, Österreich am 14.02.2013
Eines vorweg: ich war in meinem Leben noch nie SO sauer auf einen Autor. Ich meine, manche Bücher sind schlechter, als man es sich erwartet hätte, man bricht sie ab. Manche plätschern so dahin, man hält durch bis zum Schluss. Aber dieses hier ist eine Frechheit! Es hört sich bis zum Schluss genauso gut wie die ersten beiden Bände der Geschichte. Es ist spannend, die Figuren werden noch greifbarer, David Nathan liest so wunderbar. Und dann. AUS. Punkt. Die Protagonisten reiten in den Sonnenuntergang, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Unglaublich! Da hört man eine Geschichte 47 Stunden lang, eine Geschichte, die sich um eine geheimnisvolle Sekte dreht, die offensichtlich auf dem Zusammenspiel von Gut und Böse basiert, das von diesen Little People irgendwie gesteuert wird. Eine Parallelwelt mit zwei Monden, in der Unmögliches möglich ist, Mothers, Daughters, Receivers und Perceivers.... wir fragen uns die ganze Zeit, worauf will Murakami jetzt hinaus? Und kommen zur Erkenntnis, dass er es offensichtlich selbst nicht weiß. Dass er zwar eine geniale Idee hatte, aber leider nicht weiß, wie er sie auflösen und zu Ende bringen soll.
Natürlich würde ich allen sagen, denen Buch 1 und 2 gut gefallen hat, dass sie auch dieses lesen oder hören sollen, denn vielleicht ist für sie der Schluss ja befriedigend und stimmig, und ich hab ihn einfach nicht verstanden. Aber für mich selbst muss ich sagen, dass ich so frustriert war, dass ich den iPod am liebsten in eine Ecke geschleudert hätte. Schade! Wo ich doch so viele Stunden lang echt Freude mit dem Buch hatte! :-(
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1Q84 (Buch 1 & 2)
Spannend, faszinierend, großartig gelesen!
von Germana aus Wien, Österreich am 14.02.2013
30 Stunden Hörbuch - davor hatte ich ganz schön Respekt. Und dann sind sie vergangen, wie im Fluge. Das liegt natürlich auch an der spannenden Geschichte, aber vor allem trägt David Nathan mit seiner grandiosen Art zu lesen dazu bei, dass auch die etwas langatmigeren Exkurse in Themen, die eigentlich nichts oder nur wenig mit der Geschichte zu tun haben, unterhaltsam und nicht zur Qual werden.
Murakami ist ein großer Erzähler, auch wenn ich nicht mit allen seinen Werken wirklich "warm" geworden bin, schätze ich doch seine geradlienige Sprache und den unglaublichen Ideenreichtum. Dazu kommt, dass er es immer wieder schafft, Figuren zum Leben zu erwecken, die man regelrecht vor sich sieht.
Die Handlung von "1Q84" geht sehr langsam los, man fragt sich irgendwann schon, worauf das denn jetzt hinausläuft, aber mit der Zeit finden sich die Fäden, und man fiebert mit Aomame und Tengo auf das große Treffen hin, das doch bitte jetzt endlich irgendwann einmal kommen muss... oder doch nicht?
Dazu kommen interessante Randfiguren wie die geheimnisvolle, fast autistisch wirkende Fuakeri, der dynamische Redakteur Kumatsu und der "Wasserkopf" Ushikawa, der irgendwie gruselig wirkt und einem trotzdem gleichzeitig immer ein bisschen leid tut.
Was relativ harmlos beginnt, steigert sich sehr langsam zu einer fast unerträglichen Situation, nicht nur für die Protagonisten. Murakami lässt die Spannung ganz langsam anwachsen... und dann ist man plötzlich beim Ende des zweiten Teils. Und lädt sich natürlich sofort den dritten herunter. Fortsetzung folgt ;-)
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Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Forest Gump auf Schwedisch - gute Unterhaltung!
von Germana aus Wien, Österreich am 17.12.2012
Mit Allan Karlsson hat Jonas Jonasson eine Art schwedischen Forest Gump geschaffen, der mit seiner gutmütigen, oft naiven, aber nie dummen Art das Weltgeschehen nicht unwesentlich beeinflusst. Wenn man es genau betrachtet, trägt er bei zum Tod von Millionen von Menschen, und das wird ihm nur in manchen Fällen so richtig bewusst.
Somit lebt er relativ glücklich vor sich hin, bereist die ganze Welt, schließt interessante Freundschaften fürs Leben und erhält dafür sogar noch eine Rente vom schwedischen Staat, die ihm einen geruhsamen Lebensabend in einem netten Altersheim ermöglichen soll. Aber nicht mit Allan! Dem reicht's bald wieder, und an seinem hundertsten Geburtstag tritt er sein nächstes, wildes Abenteuer an, das ihn lebenslänglich hinter Gitter bringen soll.... oder auch nicht.
Sehr pointiert und mit vielen amüsanten Anspielungen erzählt uns Hr. Jonasson die Geschichte des letzten Jahrhunderts auf seine sehr spezielle Art und Weise und schafft mit Allan einen Protagonisten, den man einfach ins Herz schließen muss. Ein Roadmovie der besonderen Art führt eine bunte Truppe skurriler Figuren - inklusive einer ausgesprochen schwergewichtigen Mörderin - quer durch Schweden bis nach... Bali, wo die Geschichte ein durchaus passables Ende nimmt.
Unterhaltsam, amüsant, spannend - gute Unterhaltung auf hohem Niveau, ein absoluter Lese- und Hörtipp, wobei man sich an das leichte Nuscheln von Otto Sander erst gewöhnen muss, aber das passt schon so.
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Winter der Welt (Die Jahrhundert-Saga 2)
Stimmige Fortsetzung, gut gelesen!
von Germana aus Wien, Österreich am 17.12.2012
Follett beschreibt aus dem Blickwinkel junger Leute, den Nachkommen der Protagonisten aus "Sturz der Titanen", die Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges in Deutschland, die aufkeimenden Bewegungen in London, die Situation in Moskau und den USA. Hautnah erleben wir die Foltermethoden der Nazis, den Blitz in London, den Angriff auf Pearl Harbour und die Bombardierung Berlins.
Natürlich sind unter den Hauptfiguren hauptsächlich tapfere "Gute" und keine fanatischen Nazihenker, aber so manch einer lässt sich doch von den Parolen und Versprechungen verführen und erkennt erst zu spät, dass er zur Marionette eines totalitären Regimes gemacht wurde, das an Grauen alles bisher Dagewesene übertrifft. Ähnliches gilt für die überzeugten Kommunisten in Russland, wobei diese nach wie vor davon überzeugt sind, auf der guten Seite zu kämpfen, weil sie natürlich auch nur bedingt über Informationen darüber verfügen, was im eigenen Land vorgeht.
Alles in allem versucht Follet, ein relativ neutrales Bild dieser Zeit zu zeichnen, das gefällt mir an sich recht gut. Natürlich werden jede Menge Klischees bedient, das beherrscht Follet ja wunderbar, und auch an Liebesgeschichten fehlt es nicht, aber unterm Strich wurde ich auf angenehmem Niveau gut unterhalten, und das ist ja die Hauptsache.
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Frostnacht
Gute Fortsetzung, sehr berührend
von Germana aus Wien, Österreich am 17.12.2012
Teil 7 der Erlendur-Reihe hat mich besonders berührt. Es geht um den Mord an einem kleinen Buben, das Motiv ist und bleibt bis zum Schluss rätselhaft. Und ist letztendlich so bezeichnend für die Zeit, in der wir leben. Eine wirklich traurige (und auch spannende) Geschichte, die überall und jederzeit passieren könnte. Einmal mehr wunderbar gelesen von Frank Glaubrecht.
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Erinnerung an einen schmutzigen Engel
Gut erzählt, gut gelesen - ein schönes Hörerlebnis
von Germana aus Wien, Österreich am 17.12.2012
Bei diesem Buch handelt es sich um einen wirklich schönen historischen Roman, der auf ein paar belegbaren Tatsachen basiert, wie uns im Nachwort erklärt wird.
Mankell beschreibt wie immer (meiner Meinung nach auch in den Wallander-Krimis) sehr anschaulich Land und Leute, und seine Liebe zu Afrika und seinen Menschen blitzt immer wieder durch. Die bewegte Geschichte Mosambiks, dem Wohnsitz des Autors, ist bei uns ja nur bedingt bekannt, allerdings ist der Ort des Geschehens auch beliebig austauschbar. Rassismus, Hass und Angst waren und sind wohl die stärksten Druckmittel von Kolonialherren und Besetzern, daran hat sich bis heute nichts geändert.
Mit Hannah hat Mankell eine Figur geschaffen, die sich zwischen den Welten begwegt, wir begleiten sie über ein paar wenige Jahre ihres turbulenten Lebens hinweg, dann verlieren wir sie aus den Augen. Irgendwie interessant, wenn man nicht weiß, wie es mit einer Person weitergeht, aber trotzdem hat das Buch ein schlüssiges Ende.
Jürgen Holdorf, der mir bislang nichts gesagt hat, liest das Hörbuch sehr angenehm, somit kann man auch dieses wirklich empfehlen.
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