Hörbuch-Rezensionen von hogenset

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1-10 von 90 Rezensionen

Verdächtige Geliebte

 "Zweikampf zweier Genies" - das dann doch nicht

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 08.02.2013

Zuviel versprochen.

Keigo Higashino wird nicht müde, immer wieder die Intelligenz seiner beiden Protagonisten, Ishigami und Yukawa zu betonen. Das ist auch nötig, denn wirkliche Brillanz fehlt beiden. Da überlegt der Lehrer, dass ein Kinobesuch als Alibi glaubhafter werde, wenn die Kinokarten zunächst nicht greifbar seien, sondern sich "zufällig" noch im Programmheft finden ließen. Dann hat der Physiker als Berater des Kommissars "eine Ahnung", und hält gerade dies für besonders verdächtig. So geht das die ganze Zeit. Erst erfahren wir, wie raffiniert der nette Nachbar die Spuren verwischt hat, dann argwöhnt der andere, dass die Spuren möglicherweise auf genau diese Weise raffiniert verwischt sein könnten. Keine weiteren Verdächtigen, keine Alternativen, keine echte Polizeiarbeit. Das ist ermüdend, nicht spannend.
Olaf Baden liest kongenial mit einlullendem Ton, der eigenes Mitdenken fast unmöglich macht.

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Winter der Welt (Die Jahrhundert-Saga 2)

 Betulich statt bewegend

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 03.10.2012

Mit "Die Nadel" hatte Ken Follett - wie lange ist es her? - einen ausgesprochen starken Roman vorgelegt, der die Vorlage für einen ausgezeichneten Spielfilm lieferte. Seither blieb ich ihm treu, obwohl die Bücher immer dicker und immer langweiliger wurden. Mit dem "Winter der Welt" nun ist für mich der Punkt erreicht, wo ich sagen möchte, danke, es reicht. Oder besser: danke, es reicht schon eine ganze Weile nicht mehr.

Die Figurenzeichnung war nie die Stärke Folletts, dafür konnte er sehr spannend märchenhaft simple Handlungen erspinnen und erzählen. Hier wie auch schon bei den stürzenden Titanen treten nun allerdings viele, viele, verwirrend viele handelnde Personen auf, gut und böse gerecht verteilt auf verschiedene Nationen, Geschlechter und Generationen. Die wirkliche Geschichte des 20. Jahrhunderts lässt sich nicht so geradlinig erzählen wie der Bau einer großen Kirche. Und so puzzelt Follett freundlich und betulich vor sich hin, er plätschert hier ein wenig und dort ein bißchen, aber ein Fluß kommt nicht zustande. Das mochte ich mir nach ein paar Stunden einfach nicht mehr anhören.

Philipp Schepmann wird mir als Sprecher der Narnia-Romane immer unvergesslich bleiben. Aber was bei den Kinderbüchern die große Stärke seines Vortrags war, der sehr verbindliche, dabei im guten Sinne naiv engagierte Sprechduktus und die hohe Emotionalität der wörtlichen Rede, entwickelt sich hier zum klaren Manko des Hörbuchs. Schepmann liest Folletts Roman wie eines der Narnia-Märchen vor und entlarvt so den "Winter der Zeit" als schlichtes, oberflächliches, gut gemeintes Werk. In irgendeiner Kritik zum Buch wurde Folletts Erzählweise als "onkelig" beschrieben. Das bringt es auf den Punkt:
Onkel Ken hat ein dickes Buch über den schlimmen 2. Weltkrieg geschrieben und Onkel Philipp liest es vor.

17 von 24 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.

Es

 Von bleibendem Wert

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 28.04.2011

Ganz ehrlich? Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieser Roman 25 Jahre, nachdem ich ihn zum ersten Male las, noch einmal so fesseln würde. Damals stand King mit seinen verstörenden Romanen ganz hoch in meiner Gunst, doch spätestens nach "Friedhof der Kuscheltiere" hatte ich genug - für alle Zeiten.
Aber so wie "Es" in Abständen von rund 27 Jahren Derry und seine Bewohner heimsucht, holte mich dieses wirkliche Horror-Meisterwerk wieder zurück in eine ausgesprochen angenehme, spannende, gruselige Nostalgie-Stimmung. Der Roman ist toll geschrieben, die Figuren muss man lieben.
Und David Nathan liest! Ich höre ihn immer gern, aber mit diesem Hörbuch liefert auch er ein Meisterwerk ab, so plastisch, so einfühlsam, und mit so viel warmem Humor.
Dieses Hörbuch ist ein großer Wurf, zu dem man Audible und allen Beteiligten nur gratulieren kann!

10 von 10 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.

Die Säulen der Erde

 Gut abgehangener Schinken im Stück

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 22.11.2010

Über den Roman ist wirklich nichts mehr zu sagen, was nicht schon gesagt worden wäre. Gibt es überhaupt jemanden, der das Buch nicht irgendwann einmal seit Erscheinen vor knapp 20 Jahren gelesen hätte?

Ich kann mich also auf die Hörbuchproduktion beschränken. Bei der Sprecherwahl setzte der Verlag nicht auf große Stimme oder namhafte Schauspielerpersönlichkeit, man entschied sich für einen weniger bekannten Synchronsprecher: Tobias Kluckert. Er macht seine Sache dann auch ganz ordentlich. Nach etwas zu angestrengtem Beginn entwickelt er in wenigen Kapiteln einen sympathisch unaufdringlichen Lesestil, der sich ganz in den Dienst der Geschichte stellt. Leider atmet er oft auch in gemächlicheren Passagen heftig und lautstark ein, was mich beim Zuhören manchmal aus der Konzentration wirft.

Mehr als 48 Stunden sind selbst für hartnäckige "Nur ungekürzt!"-Junkies wie mich eine echte Herausforderung. Aber eine lohnende! Diese außerordentlichen Eigenproduktionen sind es, die mich trotz aller Einschränkungen durch spezielles Dateiformat an meinem audible-Abo hartnäckig festhalten lassen.
Danke, audible!

57 von 59 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.

Perm

 Hier nur Leerpackung

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 28.07.2010

Dieses Hörbuch erweist sich als Mogelpackung. Die Geschichte ist pupsnaiv und hält nicht einmal ansatzweise die Versprechungen ein, die der Werbetext verspricht: Vor mehr als hundert Millionen Jahren bereits gab es eine Hohe Zivilisation winziger Nager auf der Erde! Zufällig wurde bei Bohrarbeiten ein originales Dokument entdeckt und nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht!
Dieses von den Entdeckern mit den großen Sagen der Menschheit auf eine Stufe gestellte Werk erweist sich beim Hören dann allerdings als plattes und extrem langweiliges Allerweltsabenteuer eines bislang vollig zurecht unbekannten (und vermutlich jugendlichen?) Autoren. Sprachlich und stilistisch erinnert es an "Die Hasenschule" und die Romane der Enid Blyton, inhaltlich entpuppt sich die Rahmenhandlung als bloße Koberei. Dass die Figuren winzige Nager seien, wird nicht weiter ausgeführt, es könnten auch Fische, Elfen, Playmobilfiguren oder Mehrwürmer sein. Die Viecher sind zwar komplett behaart, tragen aber menschliche Kleidung und benutzen "Hufnager" als Transporttiere. Ich könnte endlos weiternörgeln, das erspare ich aber Ihnen und mir.

Zum Sprecher: Er liest die Worte in der richtigen Reihenfolge und meist korrekt vor. Leider "betont" er ebenso engagiert wie gedankenlos. In seiner Leistung wird er dem schwachen Werk damit also durchaus gerecht.

Wer hier mehr als drei Punkte gegeben hat, möge sich doch bitte mal "Rumo" von Walter Moers downloaden und erfahren, wie sich ein gutes Fantasiehörbuch mit ähnlicher Story anhören kann.

7 von 10 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.

Ein Sommer, der bleibt: Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit

 Ein Hörbuch als Freund

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 22.10.2009

Wenn ich nach zehn Jahren "Lesen mit den Ohren" nur ein einziges Hörbuch aus meiner wahrlich umfangreichen Sammlung empfehlen dürfte - es wäre dieses! Und das, obwohl, nein weil es ein ganz untypisches Hörbuch ist.
"Ein Sommer, der bleibt" ist in des Wortes schönster Bedeutung sehr schlicht. Peter Kurzeck erzählt einfach nur Kindheitserinnerungen ins Mikrofon, frei und ohne Spickzettel. Aber wie er das macht, dieser leidenschaftliche Sammler von Sinneseindrücken, dieser "Merker", das lässt sich kaum beschreiben, das muss man ohrleben. Er weiß noch, und kann es beschreiben, wie sich der Erdboden unter den bloßen Füßen im Laufe eines Sommers wandelt, und der Hörer kann nur immer wieder staunend, lächelnd nicken: "Ja! Genau! Als Kind wußte ich das doch auch noch, warum hatte ich das vergessen?" Aber Kurzeck erinnert sich nicht einfach für uns alle (damit es "bleibt"), er erklärt uns auch, warum sich das Leben im Dorf heute so anders anfühlt als noch vor vierzig Jahren, er stellt Bezüge her von amerikanischen Vorabendserien zu Einkaufszentren, Schnellstraßen und Fußgängerbrücken über Hauptbahnhofsgleise. Das rührt das
Herz und kitzelt das Hirn. Dieses Hörbuch ist ein Freund, der bleibt.

8 von 8 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

 Große Meister am Werke

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 15.10.2009

Welche Freude dieses Hörbuch bereitet! Manns Schelmenroman hat mir beim ersten Lesen prächtig gefallen, auch als Verfilmung - aber noch nie so gut wie in dieser Lesung! Für mich völlig überraschend liest sich dieser mir bisher nur aus TV-Rollen bekannte Schauspieler mit dem einprägsamen Gesicht direkt in die erste Riege der großen Hörbuchsprecher. Sehr fein nuanciert, mit einer gepfefferten Prise Humor, läßt Aljinovic die Figuren des Romanes lebendig werden, und das mit einer unaufdringlichen Leichtigkeit, die man sonst nur von Eva Mattes kennt. Bravo!

22 von 22 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.

Das Buch des Vaters

 Ein Buch für den Vater

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 03.01.2009

Im Schweizer Dorf bekommt jeder Bewohner zwei Dinge: zur Geburt einen Sarg, zum 12. Geburtstag ein leeres Buch. Der Sarg wartet bis zum Tod vor der Haustür. In das Buch muss der Besitzer jeden Tag einen Bericht schreiben. Solange der Besitzer lebt, darf niemand das Buch lesen, aber danach gehört es allen Dörflern, um daraus zu lernen.

Aus diesem Dorf stammt auch Karl W. Widmer, und weil das Buch für ein ganzes Leben reichen muss, schreibt er mit millimeterkleiner Schrift über sein Leben, Lieben, Wirken und seine Krankheit. Längst schon wohnt er in der Stadt, ist ein bekannter Übersetzer und Lehrer. Dann stirbt er, und es geschieht etwas Ungeheures: die Mutter bringt das Buch schnellstens zum Müllwagen; das Weiße Buch ist für immer verloren! Also beginnt der Sohn, nach Gehörtem, Erlebtem und Erdachtem ein neues Weißes Vater-Buch zu schreiben...

Ich liebe dieses Hörbuch, weil sich in ihm Fiktion und Realität mischen und ständig aneinander reiben. Man wähnt sich in einer hübsch erdachten Familiengeschichte, da tauchen plötzlich bekannte Namen von Malern, Verlegern und Schriftstellern auf. Und bei Wikipedia findet sich die Bestätigung: ja, Urs Widmer beschreibt Tatsachen!
Als Theaterautoren (Top Dogs, Nepal) schätze ich Urs Widmer schon lange, nun hoffe ich, dass er auch die Geschichte seiner Mutter noch einliest.

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Small World

 Demenz als Schlüssel zur verschütteten Erinnerung?

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 30.12.2008

Leicht fällt es mir nicht, meine kritischen Bemerkungen über dieses Hörbuch zu formulieren. Denn es wurde mir als absolutes Lieblingshörbuch von einer sehr freundlichen Dame empfohlen, die wirklich Ahnung von der Materie hat.
Und dann begeistert mich alleine schon das Thema, die Demenz. Ich höre, lese und sehe mir alles an, was sich zu dieser Krankheit findet. ('An ihrer Seite' heißt ein lohnender aktueller Film mit Julie Christie, und die Dokumentation auf der zugehörigen DVD ist noch beeindruckender!)
Herr Suter schildert den Gedächtnisverlust seiner Hauptfigur sehr anschaulich. Das Buch bleibt auch sehr lange interessant, sogar spannend. Und Dietmar Mues vollbringt hier eine angenehm zurückhaltende und einfühlsame Sprechereistung.
Zwei Dinge stören mich dann allerdings doch etwas: Der Autor macht es sich mit der Beschreibung der übrigen Figuren zu einfach, sie bleiben blutarme Stereotype. Und vor allem verärgert das wirklich unglaubwürdige zuckersüße Happy-End. Konrad überlebt einen Anschlag mit tödlicher Insulindosis und wird schließlich in einem halblegalen Medikamentenversuch restlos geheilt; und alle Bösen bekommen, was sie verdienen. Schade. Daraus hätte man mehr machen können.

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Reise zwischen Nacht und Morgen

 Mit dem Zirkus nach Arabien

von hogenset aus Edewecht, Deutschland am 25.12.2008

Ich habe Rafik Schami über Hörbücher kennengelernt, wußte vorher nicht, dass er einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart ist. In der Tradition arabischer Märchenerzähler berichtet er in vielen kleinen Geschichten vom Migrantenleben in Deutschland und der heutigen, modernen Arabischen Welt.
Da steht eine Anekdote vom ausgebrochenen Löwen beim Friseur neben der Schilderung eines Attentates, und zwischen Liebesgeschichten landet der zuvor mit Ehren überhäufte sterbenskranke Freund des Zirkusdirektors unversehens im Gefängnis, wird gefoltert.
Rafik Schami gelingt ein wahres Kunststück. Indem er immer wieder die Unterschiede unserer Kulturen in komischen, tieftraurigen und ungeheuer spannenden Geschichten beschreibt, ganz unangestrengt und wie nebensächlich, baut er Verständnis-Brücken. Das ist ein schwieriges Unterfangen und erklärt vielleicht die große Produktivität des Autors.
In diesem Hörbuch reist ein ganzer Zirkus in die Arabische Welt, weil ein Zirkusdirektor den letzten Wunsch seines sterbenden Freundes erfüllen will. Die Monate bis zum Tod des Freundes sind erfüllt von Liebesabenteuern, köstlichen Zirkusanekdoten, einer Sammlung der besten Furzgeschichten, und natürlich, den Schwierigkeiten vom Leben in einer Welt der Armut, der Staatswillkür und des Terrors.

4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.

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