Hörbuch-Rezensionen von Ulf C.
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24 Stunden
Direkt, brutal, genial
von Ulf C. aus Deutschland am 14.05.2013
Ein eiskalter Killer, intelligent, gerissen und völlig skrupellos, entführt gemeinsam mit zwei Komplizen die Tochter eines vermögenden Arztes. Das Verbrechen folgt einem exakten Zeitplan: 24 Stunden lang spult der Killer eine kalkuliert perfide Inszenierung ab. Erniedrigung durch mental und physisch brutal erzwungene sexuelle Handlungen, Zermürbung durch Psychoterror, Unterwerfung durch fortwährende Drohungen und Demonstrationen der Macht. Fünf Mal hat dieses Schema bereits zuverlässig gewirkt: Die Eltern (alles Ärzte) zahlten und schwiegen. Aus Angst, Scham und Feigheit. Doch diesmal kommen ein Skalpell, eine labile Stripperin und ein Medikament mit horribler Wirkung dazwischen.
Greg Illes erzählt mit der Unnachgiebigkeit einer Dampframme, ohne Rücksicht auf mögliche Befindlichkeiten seiner Leser/Zuhörer. Besonders Menschen mit Kindern (aber auch solche ohne) werden bei einigen Passagen – je nach Grad der individuellen Sensibilität – Beklemmungen bekommen, abschalten wollen, eigene, tief empfundene Ängste, Abscheu und Aggressionen wecken. Genau das will er. Illes zielt immer wieder auf den mentalen Plexus solaris und trifft zielgenau.
An dieser Stelle ein Tipp: Wer diese erzählerische Intensität mag, erlebt bei "Das Kind" von Sebastian Fitzek eine unglaubliche Steigerung.
Jeder, der die Verfilmung ("24 Stunden Angst", 2002) gesehen hat, und glaubt er wisse deshalb bereits alles, sollte sich das Hörbuch dennoch gönnen: Es ist viel intensiver, logischer und dreidimensionaler als der Film. Zudem hat Illes beim Drehbuch einige Veränderungen vorgenommen, die zwar der Film-Dramaturgie dienen, aber der intensiven Wirkung der ursprünglichen Buch-Fassung unterliegen.
Eine Autoren-These lautet: Nur wer selber über genügende kriminelle Energie verfügt, kann einen packenden, authentischen Krimi schreiben. Unter dieser Prämisse sollten wir uns angesichts dieses fünften von bisher 14 Büchern des Greg Illes freuen, dass er sich entschieden hat, Schriftsteller zu werden – und nicht...
1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Höllental
Er kann es besser...
von Ulf C. aus Deutschland am 23.04.2013
Die Geschichte beginnt dramatisch und weckt die Hoffnung auf einen Fortgang in derselben Geschwindigkeit. Doch leider wird diese Erwartung später nur noch passagenweise erfüllt. Nach dem Selbstmord in der Klamm stellt uns Winkelmann erstmal die Archetypen einer Clique vor: Den Reiche-Leute-Sohn, den Loser, die sportliche Schöne, den Labilen. Er versucht, ihre Beziehungen zueinander psychologisch zu durchleuchten und nimmt in Kauf, dass dabei die Dramatik zerrinnt. Schade, denn die seelische Infrastruktur der Clique ist vom Ende der Geschichte her betrachtet eigentlich weitgehend ohne Belang. Zwar deutet sich an, dass die Freunde ein dunkles Geheimnis hüten, doch das pusht die Spannung nur mäßig.
Erst im zweiten Teil der Geschichte nimmt Winkelmann wieder Fahrt auf. Hier erreicht er wirklich über längere Abschnitte Thriller-Niveau. Die Story schlägt überraschende Haken, unerwartete Hinter- und Abgründe tun sich auf – doch ab einem bestimmten Punkt wird der Fortgang dennoch vorhersehbar. Leider verbietet die Rücksicht auf Hörer, die das Buch noch nicht kennen, hier Details zu nennen. Nur so viel: Der Schluss ist überraschend schwach und für einen "Thriller" viel zu fade. Er kann es besser, das beweisen die vorangegangenen Szenen.
Und: Winkelmann versäumt es schlüssig zu erklären, warum der Täter zum Psychopaten mutierte. Er überlässt es dem Hörer/Leser, sich die Ursache aus Puzzleteilen selbst zusammen zu reimen. Ein aus meiner Sicht gravierender Fehler, denn die schlüssige Inszenierung dieser Entwicklung hätte die Geschichte um eine packende Facette bereichert.
Die schwerwiegendste Schwachstelle aber ist, das Winkelmann auch eines der wichtigsten Ereignisse der Geschichte nicht erklärt: Warum wehrt sich Laura Waider auf der Klamm-Brücke körperlich gegen den beinahe geglückten Rettungsversuch? Woher rührt die Angst vor Roman Jäger, dem Hauptdarsteller in "Höllental"?
Das Sprecher-Duo verdient unterschiedliche Bewertungen: Drei Sterne für Hölscher, denn er versäumt es, Handlungsabschnitte durch gut gesetzte Pausen zu trennen. Auch das schadet der Dramaturgie. Vier Sterne für Christian Stark, der den den Protagonisten des zweiten Handlungsstrangs verkörpert und dabei manches Text-Geschwurbel mit schauspielerischem Talent glättet.
In der Zusammenfassung des Buches hier bei Audible wird aus Roman Jäger übrigens Roman Schwarzenegger. Doch der sicher ungewollte Bezug zum Terminator, der aus den Alpen kam, macht "Höllental" auch nicht reif für Hollywood.
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Der Canyon
Müder Abklatsch
von Ulf C. aus Deutschland am 22.04.2013
Ein Trick, den Künstler ab und zu anwenden: Sie klauen bei sich selbst. So macht es auch Douglas Preston in "Canyon". Wer das fünf Jahre zuvor veröffentlichte Buch "Thunderhead" kennt, ein Gemeinschaftswerk mit seinem kongenialen Co-Autor Lincoln Child, wird es nach kurzer Zeit merken: Der Schauplätze (New Mexiko, American Museum of Natural History und ein Pueblo der Anasazi), die Handlung (Suche nach einer wissenschaftlichen Sensation), die handelnden Personen (u.a. eine junge Wissenschaftlerin) und sogar die lauernde Gefahr (wird hier natürlich nicht verraten) wirken wie ein Déjà-vu des Thunderhead-Plots. Eine Zeit lang war ich wirklich nicht sicher, ob ich dieses Buch schon einmal gehört hatte, so deutlich sind die Parallelen.
Wer "Tunderhead" nicht kennt wird vielleicht weniger enttäuscht sein als ich, aber als Einstieg in die Preston-Lektüre empfehle ich dieses Buch trotzdem nicht – denn es gibt wesentlich bessere von ihm.
Der Ex-Princeton-Dozent Preston tut das, was er am besten kann: Er verwandelt naturwissenschaftliche Abhandlungen in Thriller-Drehbücher. Alle Fakten und Hintergründe halten einer genauen Recherche stand. Doch ein wirklicher Thriller braucht mehr. In der Kooperation mit Child gelingen ihm raffiniert konstruierte, packende Geschichten, wie die grandiose "Pendergast"-Reihe beweist. Doch diese Story ist ein müder Abklatsch dessen, was beide bereits in ihren anderen Büchern verarbeitet haben. Selbst schwache Anklänge von "Relic", dem Bestseller mit dem Preston/Child 1994 ihre Karriere begannen, sind erkennbar.
Ich tröste mich damit, dass im Juni 2013 der neue "Pendergast"-Roman erscheint. Vielleicht hat der ja so viel schriftstellerische Energie gebunden, dass für "Canyon" nur noch der Griff in die Reste-Kiste blieb. Hoffentlich!
4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Schnelles Denken, langsames Denken
Dieses Buch verändert Ihr Weltbild
von Ulf C. aus Deutschland am 04.04.2013
Das die Lektüre eines Buches das eigene Weltbild nachhaltig verändert dürfte, vielleicht mit Ausnahme der Bibel, sehr, sehr selten vorkommen. Bei diesem Buch ist es mir passiert.
Kahnemann seziert mit ruhiger Hand Schicht um Schicht unserer Psyche und legt dabei Erstaunliches wie Erschreckendes frei. Unglaublich, wie auf wie viele Illusionen wir hereinfallen, wie viele Einflüsse unser Unterbewusstsein steuern, wie viele Fehlschlüsse wir im Brustton der Überzeugung als Wahrheiten verkaufen.
Kahnemann ist sich seiner Erkenntnisse und Forschungsergebnisse so sicher, dass er ohne zu zögern mutmaßliche Autoritäten unserer Welt all ihrer Bedeutsamkeit entkleidet. Dazu zählen Politik- wie Wirtschaftswissenschaftler, die mit Langzeitprognosen prahlen, die in Wahrheit keiner empirischen Überprüfung standhalten. Firmenbosse, die sich für die Größten halten, in Wahrheit aber blind für die enormen Risiken sind, denen sie ihre Unternehmen aussetzen. Und angebliche Aktien-Experten, die in ihren hochnäsigen Prognosen in Wahrheit so präzise sind wie Affen, die mit Dartpfeilen werfen (O-Ton Kahnemann). Hören Sie einen Mächtigen tönen, er könne sich absolut auf sein Bauchgefühl verlassen, beweist Ihnen Kahnemann, dass solche Behauptungen purer Blödsinn sind.
Kahnemann kommuniziert diese faszinierenden Inhalte in bildhafter Sprache, verständlich, immer wieder aufgelockert durch eingängige Beispiele oder Einladungen zu Selbstversuchen mit erstaunlichem Ausgang. Ein Musterbeispiel dafür, dass wissenschaftliche Literatur ohne Fremdwörter-Orgien auskommt ohne dabei auch nur einen Deut an Qualität zu verlieren.
Sprecher Jürgen Holdorf hat den Stoff im Griff, neigt aber zur Monotonie. Gruselig wird es immer dann, wenn er auf Begriffe oder Titel von Büchern bzw. Aufsätzen stößt, die aus Gründen der wissenschaftlichen Akkuratesse auch im Englischen Original genannt werden. So etwas darf die Regie – sofern es sie gab – eigentlich nicht durchgehen lassen.
Ich habe mir neben der Hörbuch-Fassung schon nach den ersten Stunden des Zuhörens sofort auch die Printversion gekauft. Denn wie Bibel, Duden und Grundgesetz muss dieses Buch künftig immer in Reichweite sein.
2 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Unter Verschluss
Literarischer Südstaaten-Krimi
von Ulf C. aus Deutschland am 17.03.2013
Greg Iles, Bestseller-Autor dieses Buches, ist Sohn eines Arztes, studierte an der University of Mississippi ("Ole Miss") und lebt in Natchez, einer Stadt im Südwesten dieses US-Bundestaates. Sein Held, Penn Cage, ist Sohn eines Arztes, Bestseller-Autor, studierte an der Ole Miss und erlebt sein Abenteuer in der Stadt seiner Kindheit und Jugend – Natchez.
Diese Parallelen sollte man kennen, bevor man sich der eingängigen Story dieses Buches nähert. Denn sie sagen viel über die Authentizität des Erzählten. Und noch etwas ist vor dem Genuss dieses (Hör-)Buches empfehlenswert: Wer die Südstaaten der USA nicht aus eigenem Erleben kennt, sollte sich zumindest in deren Geschichte einlesen. Denn nur so werden die Hintergründe und Nuancen der Story wirklich verständlich.
Die zahlreichen überraschenden Wendungen der Handlung auch nur anzudeuten wäre den Neu-Hörern gegenüber unfair. Nur so viel sei gesagt: Die Figur Penn Cage ist glaubwürdig, die Geschichte spannend und sehr unterhaltsam.
Cage, ein ehemals knallharter Staatsanwalt, der viele Gangster in die Todeszelle brachte, wird durch den frühen Krebstod seiner Frau fragil und nachdenklich. Mit seiner 4-jährigen Tochter sucht der inzwischen zum Bestseller-Autoren gewordene Jurist Trost und Unterstützung bei seinen Eltern in Natchez. In einem Zeitungsinterview wühlt er dabei unabsichtlich einen ungeklärten Mordfall aus dem Jahr 1968 wieder auf.
Zu jener Zeit war das "N-Wort" die gängige Bezeichnung der Weißen für die schwarzen Bürger der Stadt. Das Mordopfer war einer von ihnen. Wie gesagt: Wer an dieser Stelle wenig oder nichts über den inneren Zustand der USA in den 60er und 70er Jahren weiß, verpasst die Chance vollends zu verstehen, wie geschickt Iles seine Hörer/Leser anfangs auf eine völlig falsche Fährte lockt. Cage kommt zu der Überzeugung, dass dieser Mord auf das Konto eines Südstaaten-Adligen geht, der einst aus unerklärlichen Gründen versuchte, Cage's Vater zu ruinieren.
Iles erzählt ruhig, kontinuierlich ohne Zeitsprünge und in einfühlsamen Bildern. Was nicht heißt, dass keine Spannung aufkommt! Immer dann, wenn es scheinbar ruhig zugeht, tun sich plötzlich Abgründe auf, die der Handlung neue Dynamik verleihen. So entstand ein im besten Sinn literarischer Südstaaten-Krimi.
Erzähler Uve Teschner, der bereits mit 70 Hörbüchern bei Audible vertreten ist und schon bei Iles Bestseller "E.R.O.S" zeigte, was er kann, empfiehlt sich mit seinem Inszenierungs-Talent unbedingt für weitere 70 Einsätze.
Übrigens – auch hier eine interessante Parallele: Teschner spielt E-Gitarre und singt. Greg Iles war vor seiner Schriftsteller-Karriere Rockmusiker (E-Gitarre, Gesang) und spielt heute aus Spaß in einer Band prominenter Drehbuch- und Krimi-Autoren mit...
3 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Error
Laber-Linie statt Spannungsbogen
von Ulf C. aus Deutschland am 26.02.2013
Interessieren Sie sich für Online Multiplayer Games? Wissen Sie, was WoW ist? Nein? Dann schon an dieser Stelle die Empfehlung: Versuchen Sie es mit einem anderen Buch. Aber auch wenn Sie sich dafür interessieren warten Sie einen Moment...
Bei einem illegalen Adressen-Handel gerät ein Virus auf die Festplatte eines Gangsters der seine sämtlichen Daten blockiert. Dieser Böse spielt gern online ein Multiplayer-Phantasy Game. In der virtuellen Welt eben dieses Spiels treibt sich ein Troll herum, der mit Hilfe dieses Virus Kasse machen möchte. Dies führt in der Folge zu einer chaotischen Reihe von Ereignissen.
Neben Trolls und russischer Mafia kommen dann noch Dschihad-Terroristen, chinesische Hacker, waffenfanatische US-Fundamentalisten, ein zum Millionär gewordener Ex-Haschisch-Schmuggler, eine Agentin des britischen Geheimdienstes, die CIA, das FBI, das "Büro für Öffentliche Sicherheit" der Chinesen, ein ehemaliger russischer Elite-Soldat, ein Adoptivkind aus Eritrea und die Idaho State Police ins Spiel. Kein Wunder also, das Sprecher Detlef Bierstadt mehr als 45 Stunden (!!) braucht, um sich durch den Wort-Wurst zu kämpfen.
Was dieses Buch aber endgültig in die Ein-Stern-Kategorie plumpsen lässt ist der quälend langsame, von teils manierierter Sprache überquellende Erzählstil. Selbst die Action-Szenen spielen sich in Zeitlupe ab, eine Sprach-Pirouette folgt der nächsten. Es gibt keinen Spannungsbogen sondern eine Laber-Linie.
Drei Beispiele: Ein Guter hat zwei Böse im Visier seines Scharfschützen-Gewehrs. Er streckt den ersten Bösen nieder. In "einer von Scharfschützen kontrollierten Parallelwelt" wäre der zweite Böse einfach stehen geblieben und hätte sich auch erschießen lassen, mutmaßt der Autor. Doch in der realen Welt springe er natürlich sofort in Deckung. Aha. Bei einer Verfolgungsjagd mit Dschihadisten auf den Fersen beginnt einer der Guten ausgerechnet darüber nachzugrübeln, dass ein Körper besser Kohlehydrate als Fett verbrennt. Spannend! Und als sich der beste Gute Auge in Auge mit einem Berglöwen wiederfindet, sind es nicht Angst oder Fluchtinstinkt, die ihn umtreiben, sondern "die atavistische Scheu" davor, beobachtet zu werden. Wow! Schüsse "pfeifen durchs Unterholz" (der geübte Krimi-Leser weiß: Nicht Schüsse sondern die Kugeln pfeifen). Ein weißes, um den Körper geschlungenes Leinentuch mit aufgenähten Fächern in denen Stangen stecken, die mit Drähten verbunden sind, stellt sich doch tatsächlich als – na? – richtig: Sprenggürtel heraus. Überraschung!
Detlef Bierstadt, ein erfahrener Aktion-Erzähler, spart sich dann auch beinahe jede Inszenierung des Textes sondern liest und liest und liest und liest...
Der Titel des Buches "Error" enthält den entscheidenden Hinweis: Zu glauben, dieses Buch böte spannenden Stoff ist genau das – ein Error.
1 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Die Zwölf
Dunkle Wolke der Schwermut
von Ulf C. aus Deutschland am 22.01.2013
Sie Sie nur ein wenig depressiv? Dann müssen Sie dieses Buch hören – denn danach sind sie richtig deprimiert. Überall liegen Tote rum, die meisten ohne Kopf. Autowracks, Häuser-Ruinen, entvölkerte Städte. Und trifft man mal jemanden in diesem Chaos ist der bzw. die entweder verrückt, pädophil, Ultra-brutal, todkrank oder eine Mischung daraus. Überall stinkt es, der Strom ist ausgefallen, Wasser kommt aus nicht mehr aus dem Hahn – und wenn es mal was zu essen gibt (in diesem Fall Tomatensuppe) sagt er Gast "danke, ist lecker" – um sich dann zu übergeben.
Bevor diese dunkle Wolke der Schwermut sich aufzutürmen beginnt, spendiert uns der Autor eine kryptische Einleitung im Sprach-Stil des Lukas-Evangeliums. Allerdings ohne Jesus aus Nazareth sondern mit einem Mädchen namens Amy aus Iowa als Heilsbringerin. Irgendwie hat das alles mit Viren zu tun, die Menschen zu Vampiren werden lassen, die, wie wir erfahren, sehr gerne Kaninchen essen. Wenn sie nicht gerade unbescholtenen Bürgern die Kehle durchbeißen.
Vielleicht muss man den ersten Teil "Der Übergang" gelesen haben, um das alles zu verstehen. Der soll übrigens angeblich demnächst von Ridley Scott verfilmt werden. Immerhin war der Autor mal Dozent im Fach "Kreatives Schreiben" und lehrt jetzt Englisch an der Rice-University. Also liegt es wohl an mir, dass ich weder den tieferen Sinn seiner apokalyptischen Visionen noch deren Unterhaltungswert begreife.
Nach drei Stunden hatte ich genug. Die wirkten so ähnlich wie Tomatensuppe...
33 von 55 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Das Kind: Das ungekürzte Hörspiel
Hammerhart – aber genial!
von Ulf C. aus Deutschland am 21.01.2013
Ein todkranker zehnjähriger Junge sagt, er habe Menschen ermordet. Also sucht er sich einen Anwalt, einen der besten: Robert Stern. Der hält das alles für blanken Unsinn, denn alle Morde geschahen, bevor der Junge geboren wurde. Doch dann taucht eine Leiche nach der nächsten auf und zwar immer genau dort, wo der Junge den Anwalt hin lotst. Als ob das nicht schon reicht, wird Stern plötzlich von seinen eigenen Dämonen gejagt und schließlich in eine teuflische Falle gelockt.
Die Story ist düster, phantasievoll, hammerhart, ungeheuer spannend und voller Falltüren. Wer eigene Kinder hat, wird an der einen oder anderen Stelle erschrocken zusammenzucken, denn Fitzek und Steiner gehen bei dem, was der Junge durchmacht, bis hart an den Rand des Erträglichen. Aber es bleibt ein Krimi und gleitet nicht ins Horror-Genre ab. Die Autoren spielen sehr geschickt mit der Phantasie und den Ängsten ihrer Zuhörer: Wer hier und da etwas zu ahnen glaubt liegt garantiert falsch.
Dies ist das beste Thriller-Hörspiel, dem ich je begegnet bin. Eine geniale Story, sensibel und packend inszeniert. Gespielt von einem perfekten Ensemble. Untermalt mit einer aufwändigen Sound-Produktion. Es gibt wirklich keine Schwachstelle. Nein, diese Rezension ist nicht gekauft, ich bin nur wirklich begeistert. Seit Kindheit bin ich ein Hörspiel-Freak. Und dieses ist schlicht genial.
2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Die Hure Babylon
Unterhaltsame Bildungslektüre
von Ulf C. aus Deutschland am 30.12.2012
Es beginnt wie im Disney-Mittelalter: Südfrankreich anno 1147. Ein adliges Liebespaar schwelgt in Sinnesfreuden. Sie eine Vizefürstin, er ein Edelmann. Junge Leiber die zueinander drängen, befindet der Autor. Liebesszenen, das sei gleich gesagt, sind also nicht seine Stärke. Aber keine vorschnellen Schlüsse!
Draußen vor dem Schlafzimmer der jungen Leiber braut sich etwas zusammen. Zisterzienser-Abt Bernard von Clairvaux zieht durch die Lande und ruft zum zweiten Kreuzzug auf. Er ist ein begnadeter Propaganda-Redner, der geschickt mit den Höllen-Ängsten seiner Zuhörer spielt. Tausende fallen auf ihn herein.
Die Vizefürstin durchschaut das Machtspiel und die Sinnlosigkeit des Kreuzzugs. Um so niederschmetternder ist die Nachricht, dass ihr Edelmann ebenfalls gen Jerusalem ziehen will. Ihn treibt die Suche nach Vergebung einer vermeintlichen Sünde: Seine Vizefürstin ist – wenn auch nur aus politischen Gründen – verheiratet. Zwar ist der Gatte völlig desinteressiert und weit weg, doch vor dem Gesetz begeht der Edelmann Ehebruch. Clairvaux verspricht ihm und anderen: Wer mit uns zieht ist aller seiner Sünden ledig.
Der zweite Kreuzzug endet bekanntermaßen in einem blutigen Desaster für das Heer der Christenheit. Schuld sind Rivalitäten, Unfähigkeit und Selbstüberschätzung. Dazu der naive Glaube, Gott selbst mache die Kreuzritter tatsächlich unbesiegbar. Am Ende versinkt das Unternehmen im Chaos.
Schiewe hat sehr exakt recherchiert und erzählt seine Geschichte stringent entlang der tatsächlichen Ereignisse. Dabei verwebt er das Schicksal seiner Hauptfiguren phantasievoll mit den realen Geschehnissen. Diese Historientreue ist eine große Stärke des Buches. Wer möchte lernt wirklich etwas.
Seine Schwäche ist die passagenweise übertrieben auf Mittelalter getrimmte Sprache. Besonders zu Beginn weckt sie den Verdacht, es drohe eine mäßige Mittelalter-Schmonzette. Doch dieser Eindruck trügt. Erst am Ende des Buches wird klar, was Schiewe beabsichtigt: Er braucht den idyllischen Einstieg um den Kontrast zu den immer unheilvoller werdenden Zuständen im Heiligen Land deutlich herausarbeiten zu können. Spätestens ab dem zweiten Drittel ist keine Spur mehr von Schmonzette, auch wenn auch hier der Mittelalter-Sprech immer wieder störend durchschlägt.
Der Zorn der verlassenen Vizefürstin verraucht. Der Edelmann erkennt immer deutlicher, in welches Desaster er geraten ist, auf welche Lügen der Kirche er und die anderen hereingefallen sind. Sie will ihn zurück und er möchte nach Hause. Jedoch...
Unser Deutschlehrer hätte gesagt: Unterhaltsame Bildungslektüre.
9 von 10 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Mission erfüllt: Navy Seals im Einsatz: Wie wir Osama bin Laden aufspürten und zur Strecke brachten
Mission erfüllt: Navy Seals im Einsatz: Wie wir Osama bin Laden aufspürten und zur Strecke brachten
Mark Owen,
Kevin Maurer
Prädikat: Platt
von Ulf C. aus Deutschland am 30.12.2012
Ein Navy-SEAL, der an der Exekution Osama bin Ladens persönlich beteiligt war schreibt einen Tatsachenbericht? Uns muss doch klar sein: Kein Buchstabe, keine Zeile, kein Satz eines solchen Buches erscheint, ohne das NSA, CIA, FBI und wie sie alle heißen die Freigabe erteilt haben. Also stellt sich die Frage: Sind es wirklich Tatsachen – oder ist es Propaganda?
Damit der Stoff überhaupt für ein Buch taugt, wird er mit langatmigen Schilderungen irgendwelcher Ereignisse aus dem Leben des Elitesoldaten aufgeplustert. Ganze Passagen lesen sich wie das Ausbildungs-Handbuch der SEALs, gewürzt mit einem Potpourri aller möglichen Abkürzungen des US-Militär-Slangs. Immer wieder und immer lauter singen der Soldat und sein Ghostwriter das Loblied auf "die Besten Amerikas", die Männer, die sich "Brüder" nennen.
Was dann über den Einsatz in bin Ladens Wohnhaus berichtet wird, ist bereits weitgehend bekannt. Auch hier bietet das Buch keine Überraschungen oder gar Enthüllungen. Warum zum Beispiel stürzte einer der Blackhawks wirklich auf dem Grundstück ab?
Aber wie gesagt – Antworten darf man von diesem Buch nicht erwarten. Und wirkliche Einblicke in die Seele eines Elitesoldaten, der jahrelang ohne Unterlass die Feinde seines Landes aufs Korn nimmt, auch nicht. Das ahnte ich vorher. Warum ich es dennoch gekauft habe? Mich interessierte allein, wie ein Lehrstück taktischer Kommunikation verfasst wird. Aber auch hier wurde ich enttäuscht. Prädikat: Platt.
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