Hörbuch-Rezensionen von Mirjam

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1-4 von 4 Rezensionen

1Q84 (Buch 1 & 2)

 Atmosphärisch und dicht

von Mirjam aus Leipzig, Deutschland am 21.03.2013

Murakami hat Zeit. Völlig entspannt beginnt er, eine - wie es auf den ersten Blick scheint - eher alltägliche, nicht besonders spannende Geschichte zu erzählen: Auf der Stadtautobahn steht ein Taxi im Stau. Eine junge Frau (Aomame), die aussteigt, und doch ist es eine Schlüsselstelle, die nicht nur Aomame fast unmerklich in die Welt von 1Q84 gleiten lässt, sondern auch den Hörer. Und die Murakami so bildreich erzählt, dass selbst nach stundenlangem Weiterhören die Szene vollständig in das Gedächtnis abgerufen werden kann.
"Die Dinge sind meist nicht, was sie zu sein scheinen."
Das sind die Worte des Taxifahrers. Und sie klingen nach. In Murakamis 1Q84 verschwimmen die Grenzen von Gut und Böse, es lässt sich darin nicht genau definieren, was denn nun tatsächlich "gut" ist und was "böse".
Eine junge Frau, die bei den Zeugen Jehovas aufgewachsen ist, und nun zur Serienkillerin wird. Ein junger Mann, der als Ghostwriter die Leser betrügt. Ein "Leader" einer (anderen) Sekte, der kleine Kinder missbraucht...

Murakami verdichtet seine Geschichte mit detaillierten Personenbeschreibungen und weckt Verständnis für deren Handlungsweise - selbst wenn das manchmal irritierend ist.
Der Höhepunkt liegt zweifelsohne in der Begegnung zwischen Aomame und dem Leader, eine Szene, die dichter und intensiver kaum beschrieben werden kann. Danach muss man erst mal abschalten und das Gehörte verdauen.

Wer sich einlassen kann in eine Welt voller Bilder und subtiler Gefühle, die "irgendwo dazwischen" mitschwingen, für den ist das Hörbuch ein Genuss.

Den Sprecher David Nathan... hab ich zum ersten Mal gehört. Jetzt bin ich ein Fan. Ein ebenso entspannter Sprecher, der die Zwischentöne von Murakami sensibel in Sprechpausen packen kann und sie dadurch hörbar macht.

Und jetzt.. auf zum 3. Teil der Trilogie.

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Ein plötzlicher Todesfall

 Psychologische Sozialstudie

von Mirjam aus Leipzig, Deutschland am 23.01.2013

Ich habe noch kein einziges Harry Potter Buch gelesen und bin daher vielleicht eher "unbelastet" an dieses Buch geraten. Es lag bei einer Freundin, und ich hatte die Gelegenheit, das erste Kapitel zu lesen. Und schon war ich gefangen, neugierig darauf, was wohl hinter diesem "plötzlichen Todesfall" so alles steckt.

In Rowlings beschaulichem, adrett aussehenden Pagford gibt es keine einzige glückliche Person. Alle sind sie gefangen in einer schmerzhaften, hoffnungslosen oder heuchlerischen Welt, die sie sich größtenteils selbst erschaffen haben.
Es sind die Jugendlichen, die die volle Wucht dieser teils offenen, teils unterschwellig vorhandenen Unbarmherzigkeit abbekommen und sich grausam dafür rächen.
Beim Hören des Buches schwankte ich oft zwischen Wut über die Gefühlskälte der Charaktere und Sympathie für den verbissenen Mut einzelner.
Und bei all dem entwickelt sich im Laufe der Geschichte eine "Antiheldin", Krystal Weedon, die zu Anfang vom Leser (oder Hörer) genauso sperrig wahrgenommen wird wie von der snobistischen Gesellschaft Pagfords. Und doch ist es dann Krystal gewesen, die mich gegen Ende des Buches sogar weinen ließ.

Bei diesem Buch hat jede einzelne Handlung eine fast unbarmherzige Konsequenz, die Rowling geschickt miteinander verwebt. Die psychologischen Abgründe der Menschen werden sehr scharf gezeichnet, und ihre Interaktionen wirken wie Messerklingen, die aufeinander treffen.

Das alles hört sich wahrscheinlich ganz anders an als die oft gelobte zauberhafte Welt des Harry Potter. Hier ist nichts zauberhaft, hier gibt es nur ganz wenig Hoffnung, und die Realität schmerzt. Von Rowling messerscharf beschrieben.

Christian Berkel... für mein Gehör und meine Wahrnehmung eine Entdeckung. Er differenziert die Stimme sehr geschickt und bringt die oftmals emotionsgeladenen Ausbrüche der Personen sehr glaubhaft rüber.

5 Sterne, unbedingt.

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Winter der Welt (Die Jahrhundert-Saga 2)

 Wunderbar!

von Mirjam aus Leipzig, Deutschland am 02.01.2013

Fast 36 Stunden hören sich ganz schön lang an... aber ich hatte nie Zweifel, es zu schaffen. Im Gegenteil, als es dann tatsächlich vorbei war, stellte sich dieses Gefühl ein, Abschied nehmen zu müssen von alten Freunden. Zu gerne wüsste man nun, wie es wohl weiter geht mit den inzwischen sehr lieb gewonnenen Charakteren.

Follett hat meiner Meinung nach sehr gut und fundiert recherchiert und macht Weltgeschichte spürbar, indem er die Schicksale von Familien auffächert und sehr persönlich erzählt.
Man sollte allerdings den 1. Teil (Sturz der Titanen) gelesen bzw. gehört haben, um die Feinheiten und die persönlichen Verzweigungen der Personen ganz verstehen zu können.

Philipp Schepmann... der bisher beste Sprecher, den ich gehört habe. Angenehmes Tempo, differenzierte Stimmlagen, ohne dabei kitschig zu klingen (wie das bei manchen männlichen Sprechern der Fall ist, die Frauenstimmen nachahmen) und perfekte Aussprache. Ich hoffe, er liest auch den 3. Teil vor!

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Unter Haien

 trivial, aber unterhaltsam

von Mirjam aus Leipzig, Deutschland am 02.10.2012

Der Anfang ist etwas lahm, aber nach dem 1. Drittel gewinnt der Roman an Spannung und wird inhaltlich immer schneller und kompakter. Das Ende ist etwas zu lang, und bei manchen einzelnen Geschichten hat man das Gefühl, als seien sie etwas zu dick aufgetragen. Eine Protagonistin, die sozusagen "alles" überlebt, eine etwas schwülstige Liebesgeschichte und eine klare Aufteilung in Gut und Böse. Keine Weltliteratur also. ABER: Unterhaltsam und klar geschrieben, der Schreibstil ist ohne Schnörkel, und treibt die Geschichte voran. Für Runden beim Jogging, die einen die Kilometer vergessen lassen, genau das Richtige.
UND: Oliver Siebeck macht selbst aus dem trivialsten Roman noch einen Hörgenuss! Sehr differenziert und ohne Eile, dafür mit Tiefgang, vorgelesen!

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