Hörbuch-Rezensionen von papercuts1

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1-10 von 24 Rezensionen

The Demonologist: A Novel

 Roadtrip mit Dämon und Milton

von papercuts1 aus Deutschland am 16.05.2013

Wo 'literarischer Horror-Thriller' draufsteht, ist ein mystischer Horror-Road-Trip mit literarischem Aufhänger drin. An Dan Brown's nachvollziehbare Schnitzeljagden kommt Andrew Pyper nicht heran. Da kann er noch so sehr die Rolle von John Milton's Paradise Lost für diese Geschichte betonen. Logik kann man ziemlich schnell vergessen, will man THE DEMONOLOGIST verstehen. Vieles bleibt großzügiger Interpretation und dem Zufall überlassen.

Will man aber etwas über Andrew Pyper's Version der Hölle lernen, über menschliche Angst und deren physische Erscheinung, dann ist man hier gut aufgehoben. Das Böse als körperliche Präsenz, als reale Besessenheit beschreibt Pyper mit hohem Gänsehautfaktor. Es geht düster zu, durch und durch.

Schade nur, dass es am Ende mit Pyper zu sehr durchgeht. Ein geerdeterer Schluss hätte der Geschichte gut getan.

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Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

 Ein kleines Juwel

von papercuts1 aus Deutschland am 11.05.2013

Ein autobiographischer Roman über zwei junge Männer, die unter Mao in einem Dorf am Ende der Welt von französischer Literatur das Überleben und Lieben lernen. Das ist chinesische Geschichte hautnah, reduziert auf einen kleinen Ort und wenige Menschen. Unter strenger Überwachung werden die beiden Helden von Balsac und seinen Kollegen geistig ernährt, in Gefahr gebracht und erleben eine literarisch entfachte, geheime Sturm- und Drangzeit.

Mit leichtfüßiger Süffisanz und hie und da gekonntem Ernst liest Böhlke so vor, wie ich das von früher kenne: Im Sommer, an einem Lagerfeuer, wo noch einer eine richtig gute Geschichte hervorholt, und man will am liebsten die ganze Nacht lauschen, um sie zu Ende zu hören.

Schön geschrieben, schön vorgetragen, ist dieses Hörbuch trotz eines nicht ganz ausgestalteten Endes nicht nur lehrreich, sondern vor allem wunderbar unterhaltsam. Ein Kleinod, und ich bin sehr froh, es entdeckt zu haben.

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Rheingold (Der Ring des Nibelungen 1): Kaminski ON AIR

 Spektakulär!

von papercuts1 aus Deutschland am 24.04.2013

Wagners 'Rheingold' in einer spektakulären Interpretation des One-Man-Ensembles Stefan Kaminski. Im Zusammenspiel mit zwei Musikern und allerlei Geräuschrequisiten inszeniert Kaminski ein Feuerwerk für die Ohren. Sein Wagner ist modern, ohne dem Original dabei untreu zu werden. Genauso dramatisch, bombastisch und die Sinne überwältigend wie eine Oper ist diese Performance. Durch die Reduzierung des Skripts auf das Wesentliche und die moderne Interpretation und Darstellung ist es auch ein Wagner für das 21. Jahrhundert.

Ich habe keine Ahnung, was eingefleischte Opernfans zu diesem Spektakel sagen. Als jemand, der zwar schon mal in der Oper war, aber bei weitem kein Fachmann ist, kann ich diesen Punkt nur rein subjektiv beurteilen. Jedermanns Sache ist diese 'Rheingold'-Version bestimmt nicht. So viel Tamtam mag manch einen in die Flucht schlagen. Puristen regen sich vermutlich auf. Ungeübte in Sachen Hörspiel könnten überfordert sein.

So viel aber ist sicher: Stefan Kaminski begeistert mich für etwas, an das ich mich bisher nicht rangewagt habe. Sein 'Rheingold' erzählt mir nicht nur eine absoluten Klassiker, sondern führt auch dazu, dass ich recherchiere und viel Neues lerne. Über das Nibelungenlied. Über Richard Wagner. Über die Glasharfe und das Nagelklavier. Über die Produktion eines Hörspiels.

Stefan Kaminski sehe ich jetzt sowieso in einem neuen Licht. Solche Virtuosität und hörbare, leidenschaftliche Verausgabung erlebt man nicht alle Tage. Was der Mann drauf hat, kommt in Hörbüchern nur ansatzweise zum Tragen. Hier kann er aus dem Vollen schöpfen - und tut das auch. Chapeau.

Man muss kein Wagner-Kenner sein, um sich das zuzutrauen. Im Gegenteil: Kaminski öffnet eine Tür für Neulinge in Sachen 'Ring der Nibelungen'. Es hilft, die Handlung mal kurz grob nachzuschlagen, bevor man das 'Rheingold' hört. Es hilft auch, wenn man etwas übrig hat für virtuose Hörspielartisten wie Stefan Kaminski und für eigenwillige Projekte.

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Das Mädchen, das den Himmel berührte

 Toller Sprecher, mittelmäßige Geschichte

von papercuts1 aus Deutschland am 11.04.2013

Fazit:

Ein netter historisch angehauchter Roman, den man ebenso problemlos runterhören wie auch wieder vergessen kann. DAS MÄDCHEN DAS DEN HIMMEL BERÜHRTE bemüht sich um Atmosphäre, Historie und eine schöne Geschichte. Die bekommt der Hörer (oder Leser) auch, allerdings ohne literarisch, psychologisch oder sonstwie herausgefordert zu werden. Sprachlich ist das Ganze nicht schlecht, aber auch keine große Kunst.

Di Fulvio’s Venedig-Roman wäre eine gute Vorlage für einen unterhaltsamen Fernseh-Mehrteiler und ein gefundenes Fressen für Kulissenbauer, Kostümbildner und Szenenausstatter. Die Geschichte ist bestimmt auch prima geeignet als unbelastende Urlaubslektüre. Und Sascha Rotermund könnte sie tatsächlich nicht besser lesen.

Mehr ist DAS MÄDCHEN DAS DEN HIMMEL BERÜHRTE dann aber auch nicht. Bis auf ein paar historische Fetzen verschwindet die Geschichte schnell aus dem Gedächtnis, ohne emotionale Spuren zu hinterlassen. Und ist mir persönlich damit zu wenig.

Zum Sprecher:

Sascha Rotermund wirft sich mit wehenden Fahnen in diese Hörbuchproduktion. Er hat genau die Wandlungsfähigkeit und die Energie, die ein solches historisches Abenteuer nebst Liebesgeschichte braucht. Dazu ganz einfach eine angenehme Stimme, der man sehr lange zuhören kann, ohne dass man sie leid wird. Er ist tatsächlich das Beste an diesem Hörbuch!

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Zorn: Vom Lieben und Sterben

 Erwartungen erfüllt! Auch Nr. 2 rockt.

von papercuts1 aus Deutschland am 20.03.2013

Fazit:

Erwartungen erfüllt. Nach ZORN - TOD UND REGEN liefert Ludwig mit ZORN - VOM LIEBEN UND STERBEN einen weiteren guten Fall für das Dreamteam Zorn & Schröder ab. Für Slapstick ist wieder ebenso gesorgt wie für Spannung. Der Fall an sich ist diesmal gegenüber den Eskapaden des skurillen Ermittlerteams ebenbürtig. Für ein ernstes Thema ist gesorgt, und das Ganze ist etwas stringenter geschrieben als im ersten, auch schon guten Band der jungen Reihe.

Das Beste: Ludwig nimmt eine seiner unterschätzten Hauptfiguren und fügt ihr eine neue, tiefere Ebene hinzu, die man so nicht erwartet. Eine echte Überraschung.

Zum Sprecher:

Ich und ein gekürztes Hörbuch? Wo ich doch so ein Fetischist ungekürzter Ausgaben bin? Da kann nur eins dahinter stecken: ein genialer Sprecher. Nachdem ich von David Nathan in ZORN - TOD UND REGEN schon so begeistert war, gab es keine Frage, dass auch im 2. Teil das Hörbuch, selbst wenn gekürzt, meine erste Wahl sein würde. (Auch wenn mich mal interessieren würde, was das Gekürze eigentlich soll. Hallo? Ich reiße doch aus Büchern nicht einfach Stücke raus?!)

Jedenfalls: Wo David Nathan draufsteht, ist auch David Nathan drin. Schlechte Tage scheint der nicht zu kennen, und auch keine erzählerischen Grenzen: Stephen King wuppt er genauso wie Johnny Depp und diesmal eben einen Thriller, in dem Komik ebenso vertont werden muss wie Brutalität, leises Grauen und Nachdenklichkeit. Zorn ist gewohnt lakonisch gelackt, Schröder bekommt diesmal neben dem munteren Grundtenor auch stimmlich unerwartete Zwischentöne. Ein Highlight ist dazu die lispelnde Reporterin, mit der Zorn es zu tun bekommt. Allein für sie hat sich die Hörbuchversion schon gelohnt!

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Moon Over Soho: Rivers of London, Book 2

 Skurril und grandios gelesen!

von papercuts1 aus Deutschland am 20.03.2013

Fazit:

Teil 2 der Serie um Peter Grant, Constable und Zauberlehrling, macht genau so weiter, wie Teil 1 aufgehört hat: Mit denkwürdigen Figuren, bizarren Kriminalfällen, Sprachwitz und furios-düsterer Magie. Ben Aaronovitch verbeugt sich vor einem urbanen, dennoch von der Vergangenheit durchtränkten London und benutzt die Stadt als Parcours für moderne Geisterjäger.

In MOON OVER SOHO lernen wir die Figuren aus Teil 1 besser kennen, was der Serie gut tut. Und auch wenn es stellenweise wieder zu verwirrend wird, zu viele Personen vorkommen und nicht alles immer ganz nachvollziehbar wirkt, tut das dem Spaß an der Sache keinen Abbruch. Dafür sorgen auch die vielen Harry Potter- und Herr der Ringe-Anspielungen, die sich durch die Geschichte ziehen.

In Sachen Spannung und Plot mit leichten Verbesserungen, ist die Hauptsache an MOON OVER SOHO neben den Charakteren immer noch die ganze Idee, der verrückte Genre-Mix. Für Leser/Hörer ohne Berührungsängste mit dem Skurrilen ein Riesenspaß mit herrlich dunklen Untertönen.

Zum Sprecher:

Wieder legt Kobna Holdbrook-Smith sich mit Verve ins Zeug und macht das Hörbuch in der englischen Version zum königlichen Vergnügen. Stimmenvielfalt ist ein Kinderspiel, Akkzente sitzen, und er behält den lakonischen Tonfall des Ich-Erzählers Peter Grant bei, den wir schon aus RIVERS OF LONDON kennen. Bei aller britischen Beherrschtheit des Constable zaubert Holdbrook-Smith aber auch ein paar Emotionen unter die coole Schale des Peter Grant.

Dieses britische Understatement schüttelt Holdbrook-Smith allerdings mühelos ab, wenn es um verführerische Vamps geht, erzürnte nigerianische Mütter und die hoheitsvollen Gottheiten der Themse, welche uns auch in Teil 2 wieder die Ehre erweisen. Das ist farbenfroh und pures Entertainment.

Richtig gut gefällt mir nach wie vor die elegant-mysteriöse Aura von Thomas Nighingale, die Holdbrook-Smith mit seinem tadellosen RP perfekt unterstreicht. Genauso würde England's letzter zertifizierter Zauberer sprechen. Kußhand!

So sehr ich suche, ich finde hier nichts, aber auch GAR NICHTS zu kritisieren. Eine großartige Sprecherleistung. Ein Sahneteilchen. Grandios!

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Me Before You

 Ganz anders als erwartet!

von papercuts1 aus Deutschland am 20.03.2013

Mein Fazit:

Was zunächst schwer nach einer aufgegossenen Mischung aus ZIEMLICH BESTE FREUNDE und MY FAIR LADY aussieht, mausert sich zu einem Roman rund um das Thema Euthanasie. Was macht das Leben lebenswert? Wer bestimmt das? Und wenn es nichts mehr wert zu sein scheint - ist Selbstmord dann gerechtfertigt?

Jojo Moyes wirft das Stärkste ins Feld, was man gegen die Lebensmüdigkeit einsetzen kann: die Liebe. Ein Paraplegiker, der keinen Sinn mehr im Weiterleben erkennen kann, bekommt es mit einer lebensfrohen, liebevollen jungen Frau zu tun. Dazu noch mit einer Frau, der er neue Welten zeigen kann. Das ändert alles. Oder nicht?

ME BEFORE YOU ist keine hohe Literatur. Aber es ist auch alles andere als ein seichter Liebesroman. Das sollte man wissen, bevor man sich in Lou's und Will's Geschichte hinein begibt. Zunächst nur knöcheltief in einem unterhaltsam dahin plätschernden Roman, steckt man später urplötzlich im tiefsten emotionalen und ethischen Sumpf, das Wasser bis zum Hals.

Mir hat das gefallen.

Zu den Sprechern:

ME BEFORE YOU wird von mehreren Sprechern gelesen. Allerdings werden 90% der Geschichte von Lou bestritten, und ihre Perspektive von derselben Sprecherin: Jo Hall. Da passt die Zuordnung von Stimme und Erzählweise: Hall klingt jung, unbedarft (manchmal arg unbedarft) und sympathisch. Sie hat Energie in der Stimme und kriegt später auch die Kurve zur Ernsthaftigkeit. Da hört man Lou's wachsende Angst und Verzweiflung genauso wie ihren unerschütterlichen Optimismus.

Wechselt die Geschichte (jeweils einmal innerhalb des Romans) zu Will's Mutter, dem Pfleger Nathan oder Lou's Schwester Trina, wechselt auch der Erzähler. Hier lässt sich nichts Negatives sagen. Sie machen alle einen guten Job, und vor allem Will's Mutter wird auf's i-Tüpfelchen von Anna Bentinck vertont. Tatsächlich empfand ich die Reife und subtile Zerbrechlichkeit in ihrer Stimme als sehr angenehm im Gegensatz zur doch manchmal etwas flippigen Lou.

Insgesamt keine großartige, aber eine gute Leistung. Kann man unbesorgt empfehlen.

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Whispers Under Ground: Rivers of London, Book 3

 Bisher schwächster Band der Reihe

von papercuts1 aus Deutschland am 09.03.2013

Mein Fazit:

Der bisher schwächste Band der Peter Grant-Reihe. Nicht so spannend, nicht so einfallsreich und auch nicht so herrlich durchgeknallt wie die Vorgänger. Gerettet wird das (Hör)buch durch Aaronovitch's stilistischen Charme, literarische Querverweise, tolle Dialoge und die starken Charaktere. Peter, Nightingale und vor allem Lesley sorgen dafür, das man der Serie trotz Schwächen die Treue hält. Und natürlich der wunderbare Sprecher, Kobna Holdbrook-Smith, mit seiner unglaublichen Wandlungsfähigkeit und ungebrochenem Schwung.

Zum Sprecher:

Ich werde den Teufel tun und mich über Kobna Holdbrook-Smith beschweren. Mit seiner Vielseitigkeit, was Stimmen, Stimmung und Akkzente angeht, macht er auch WHISPERS UNDERGROUND wieder zu einer einzigen Party für die Ohren. Allein schon für Lesley's Darstellung bekommt er dicke Extrapunkte: Den Spagat aus kieferorthopädisch bedingtem Genuschel und koketter Schlagfertigkeit muss man erst mal hinbekommen! Ich ziehe meinen Hut.Einen winzigen Kritikpunkt gibt es diesmal trotzdem. Die FBI-Agentin Reynolds statted Holdbrook-Smith mit einem wenig authentisch klingenden, zu breiten amerikanischen Akkzent aus, der nervt statt zu überzeugen. Es liegt vielleicht auch ein wenig an der grundsätzlich nervigen Figur, dass mir das so aufstößt, aber hier schießt mir der Sprecher dann doch über das Ziel hinaus.

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Das Haus des Todes

 Eiskalter Thriller, cool gelesen!

von papercuts1 aus Deutschland am 09.03.2013

Mein Fazit:

Ein weiterer Cleave-Kracher aus dem Sündenpfuhl Christchurch. DAS HAUS DES TODES bietet alles, was ein fesselnder Thriller braucht: Tempo, Spannung, tolle Figuren und ein bisschen was zum 'Knabbern'. Brutalität ist auch im Spiel und enorme psychologische Grausamkeit. Beides ist aber hier nicht sinnentleert. Tatsächlich schafft Cleave moralische und rechtliche Grauzonen. Das regt zum Nachdenken an, ohne dass die pure Thriller-Spannung darunter leiden muss.

Gelesen wird das Ganze von 'Mr. Cool' Martin Kessler, der es mit einem lässigen Schulterzucken schafft, emotionslose Kaltschnäuzigkeit, triefenden Zynismus und an die Nieren gehende Verzweiflung zu vereinen. Verdammt hart und verdammt gut.

4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.

A Partial History of Lost Causes: A Novel

 Chorea Huntington, Schach, Russland - mutiger Mix!

von papercuts1 aus Deutschland am 21.02.2013

Mein Fazit:

Ein eigentümlicher Roman über aussichtslose Kämpfe und wie man damit umgeht. Jennifer duBois versucht den Spagat zwischen einer tödlichen Erbkrankheit, zeitgenössischer russischer Geschichte und Schach - ein sehr mutiges Konzept, das aber nicht schlüssig aufgeht. Unbestritten ist duBois' Talent zum Schreiben. In ihrem Debut blitzt ganz viel Potential auf, auch wenn die Fäden noch nicht richtig zusammenlaufen. Die große Frage nach dem Sinn des Lebens wird gestellt und ausgiebig beleuchtet. Allzu viel an Antworten bekommt man jedoch nicht. Aber vielleicht ist das ja auch wiederum eine Art Antwort?

In jedem Fall ein Erstling, der aufhorchen lässt. Da kann noch mehr kommen!

Zu den Sprechern:

Hörbüchern, die aus zwei eindeutigen Perspektiven erzählt werden, tut es eigentlich immer gut, wenn diese beiden Perspektiven auch von zwei unterschiedlichen Sprechern übernommen werden. Das ist hier auch der Fall. Stephen Hoye darf Alexander's Sichtweise übernehmen. Er spricht ihn mit Nachdruck, sauber und in einem etwas eigentümlichen erzählerischen Singsang, von dem mich interessieren würde, ob das eine Eigenart oder bewusste Wahl für diese Geschichte war. Keine Frage - Hoye hat irgendwo in sich eine 'russische Seele'. Besonders sein Nikolai und Micha kommen überzeugend über Hoye's Lippen. Alexander selbst bleibt etwas vage im Ausdruck, allerdings passend zu seinem Charakter.

Im direkten Vergleich hat Kathe Mazur die Nase ganz leicht vorn. Das mag allerdings eher daran liegen, dass sie die stärkere, eindrucksvollere Figur der beiden spricht. Oder an der zornigen Melancholie, mit der Mazur Irina's Gedankengänge durchweg belegt. Man hört die Niedergeschlagenheit der Figur, und das ist auf Dauer nicht immer leicht zu ertragen. Andererseits lässt Mazur immer wieder einen Funken in Irina aufblitzen, einen wütenden Trotz, der diese junge Frau sehr überzeugend klingen lässt. Das passt.

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