Hörbuch-Rezensionen von ohrsicht

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1-7 von 7 Rezensionen

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

 Zum Brüllen komisch und dazu noch geistreich

von ohrsicht aus Frankfurt, Deutschland am 01.12.2011

Ich lache sehr gern, bin aber, wie man an meinen anderen Rezensionen merken kann, nicht so billig zum Lachen zu bringen. Aber dieses Hörbuch hat bei mir mal wieder einen Lachoskar gekriegt. Ein Hundertjähriger steigt aus dem Fenster des Altenheims und verschwindet, weil er keine Lust hat, sich feiern zu lassen - noch dazu mit einer Rede des Bürgermeisters.
Der Hörer erfährt nun einerseits, auf welchen wundersamen Wegen der rebellische Großvater zu neuen, kaum bürgerlich zu nennenden Freunden kommt und sich wochenlang durch allerlei günstige Zufälle, aber auch listige Entscheidungen dem Auffinden durch die Polizei und einer von Blödheit gesegneten Gangsterbande entzieht, deren Koffer mit einer Millionenbeute in seine Hände gefallen ist.

In immer wieder dazwischen gestreuten Rückblicken bekommt man nach und nach ein Bild davon, welche Persönlichkeit sich hinter dem scheinbar hilflosen Greis verbirgt. Als epochal und persönlich frühreifer Bombenspezialist hatte er sein Elternhaus in die Luft gejagt und damit alles, was ihn in Schweden hielt. Einladungen, Entführungen, Abenteuerlust, wiederum günstige Zufälle und listige Entscheidungen führten ihn um den ganzen Globus herum und hatten ihm beispielsweise die Freundschaft von Harry S. Truman und Mao eingetragen und Stalin in derartige Wut versetzt, dass er einen tödlichen Schlaganfall erlitt. Auch noch andere bekannte Personen der Geschichte tauchen auf, das ganze 20. Jahrhundert spiegelt sich im Leben dieses ganz und gar nicht altersschwachen Greises, der auch mit 100 noch lange nicht ans Ableben denkt.

Gegenwärtige Entwicklung des Plots und die Lebensgeschichte nehmen oft überraschende Wendungen, so etwas liebe ich besonders. Komik entsteht in diesem Hörbuch hauptsächlich durch Understatement und Auslassungen, die die Fantasie des Hörers kitzeln.

Otto Sanders verwendet absichtlich eine greisenhafte Stimme und klappert ein bisschen mit den Zähnen dazu, so dass man das Gefühl hat, der Held erzähle seine Geschichte selber. Dabei ist sein Ton herrlich unterkühlt und passt ganz wunderbar zu dem lakonischen Stil des Autors.

Was ich schrecklich fand: Zwischen den Kapiteln macht Otto immer lange Pausen, und in der zweiten Hälfte guckte ich immer ganz besorgt auf die Anzeige meines MP3-Players, weil ich mich wie ein Kind vor dem Wort SCHLUSS fürchtete.
Das ist auch der einzige negative Punkt, den ich anzumerken hätte. Es hört tatsächlich irgendwann auf, und ich war richtig enttäuscht! :-)

Ich höre mir äußerst selten ein Hörbuch zweimal an - aber dieses ist fürs Ausnahmeregal von dieser Regel ein Topkandidat.

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20.000 Meilen unter dem Meer

20.000 Meilen unter dem Meer

Jules Verne

 Langatmige Story gut gelesen

von ohrsicht aus Frankfurt, Deutschland am 27.09.2011

Zugegeben, Verne belehrte gern seine Leser unter der Maske des Abenteuer-Erzählers, und die langatmigen geografischen , meeresbiologischen und historischen Vorträge, die er immer einer der Personen mehr oder weniger geschickt in den Mund zu legen weiߟ, können einen spannungshungrigen Leser schon sehr ermüden. Früher hätte ich dieses nur teilweise abenteuerliche Buch daher wahrscheinlich auch als Schnarchschmöker abgetan (habe ich wahrscheinlich auch), aber nun bin ich erstens seit ein paar Jahren Sporttaucherin und interessiere mich daher sehr für Meeresbiologie und zweitens gibt es also nun Hörbücher. Die langen retardierenden "Momente" (die bei Verne oft zu ganzen Kapiteln anschwellen) sind beim Zuhören weitaus weniger mühsam als beim Lesen. Wenn man zwischendrin mal für ein paar Minuten einnickt, was mir beim Zuhören im Sitzen oder Liegen gern passiert, hat man kaum etwas versäumt.
Aber ich bin teils sehr erstaunt, teils amüsiert, was man in der zweiten Hälfte des 19. Jh. schon übers Tauchen wusste oder noch nicht wusste. Und es ist immer wieder erstaunlich, welche technischen Fortschritte Verne vorausahnte!
Der Sprecher, der mir bisher völlig unbekannt war, gefällt mir gut. Er erzählt unaufdringlich und versucht den langatmigen Belehrungen so viel Leben wie nur möglich einzuhauchen.

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Die Grube und das Pendel

 Gut gemeint ist leider das Gegenteil von Kunst

von ohrsicht aus Frankfurt, Deutschland am 23.09.2011

Von einem Hörbuch oder Hörspiel erwarte ich grundsätzlich, dass es besser ist als ein Film, weil es die Fantasie in Bewegung versetzt, das Beste, was wir in unserer inneren Schatzkiste haben. Und natürlich soll es mir ein tieferes Verständnis bieten als das Lesen des Buchs.
Aber Mitarbeiter vorlesen lassen - was ist denn das für eine Schnapsidee? Ob Audible mir erlauben würde, ihre Jahresbilanz zu erstellen (was ich auch nicht kann)?
Mag sein, dass der Sprecher ein netter Mensch ist und aus dem Stegreif gut erzählen kann. Vorlesen ist ein Handwerk, und dafür reicht es nicht, fehlerfrei vorzulesen und fast akzentfrei hochdeutsch zu können. (Leider greift die Unsitte ja um sich, dass zahllose Berühmtheiten aus Fernsehen und Musikbusiness sich als Hörbuchvorleser versuchen, wobei man immer nur den Subtext hört "Guck mal, ich kann vorlesen!" und der Text am Hörer vorbeirauscht wie ein kalter grauer Fluss.) Ich kann einem solchen Sprecher, der jedes Komma mitspricht (was beim Erzählen kein Mensch tut) und überhaupt kein inneres Miterleben ahnen lässt, einfach nicht zuhören. Der Atem des Sprechers beeinflusst den Atem des Zuhörers, und der wird genau so wie meine Fantasie von dieser abgehackten unbeteiligten Sprechweise ständig blockiert. Ich vergesse am Ende eines längeren Satzes, wie der Anfang lautete, und jedes innere Bild verschwindet, kaum dass es erscheinen wollte. Handlung und tiefere Bedeutung rinnen mir dabei durch die Finger. Hätte man dem Amateur zum Geburtstag einen Gleitschirm geschenkt, hätte er fürs Fliegen erst mal einen Kurs gemacht. Wenigstens ein paar Stunden Sprechunterricht hätten dem Vorleser, der hier in Konkurrenz zu Profis antritt, auch gut getan. Nett sein und ein schönes Timbre haben - das reicht einfach nicht.
Aber vielen Dank für die Warnung. Wenn er einer der besten Sprecher unter den Audible-Mitarbeitern ist, werde ich mir die anderen gar nicht erst versuchsweise antun.

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Winterkartoffelknödel

 ganz nett, aber nicht nett genug um Teil 2 zu kaufen

von ohrsicht aus Frankfurt, Deutschland am 23.09.2011

Als bekennender Wolf Haas-Fan merkt man natürlich, wie die Autorin etwas unbeholfen versucht, seinen unnachahmlichen Stil zu kopieren. Die Geschichte ist ganz lustig, manchmal ein wenig platt, aber der sprechgewandte Tramitz macht seine Sache recht gut. Trotzdem reicht meine Begeisterung nicht, um noch mal 10 EUR für die nächste Folge hinzulegen.

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Silvio im Rosengarten

 Unerwartet schönes Hörerlebnis

von ohrsicht aus Frankfurt, Deutschland am 23.09.2011

Ich frage mich, wie dieser wunderbare Text zu diesem kitschigen Titel gekommen ist. Schade drum, denn er hält sicherlich viele anspruchsvollere Ohrschmökerer davon ab, sich wenigstens mal die Hörprobe anzuhören. Die Erzählung verläuft in ruhigen Bahnen und hält immer wieder überraschende Wendungen bereit. Die Sprecher sind die Crème de la Crème, auf deutsch erste Sahne der deutchen Sprecherriege und ziehen den Zuhörer völlig in den Bann des Geschehens. Christian Brückner könnte man stundenlang zuhören. Nie klingt es bei ihm nach Vorlesen, immer erzählt er. Das Gehirnkino läuft auf vollen Touren und die Geschichte beschäftigt auch danach noch eine Weile. Bei einem solchen Hörgenuss hat ein Buch eine viel bessere, weil sinnlichere Wirkung als das selber Lesen.

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Der goldne Topf

 Schlaftablette

von ohrsicht aus Frankfurt, Deutschland am 07.09.2011

Schön brav vorgelesen und keine Fehler gemacht, ei, ei, das ist wahre Kunst! Zuhören kann man nicht, weil eben einfach nur vorgelesen wird. Aber das ist vielleicht auch gar nicht beabsichtigt. Immerhin ist die Scheibe eine sehr effiziente und dazu noch biologisch voll abbaubare Schlaftablette ohne Risiken und Nebenwirkungen, und wenn man zungenbegabt ist, lernt man im Schlaf sogar noch Sächsisch dabei.
Selbst wenn man zwischendurch mal wieder kurz aufwacht und denkt "Wer quasselt denn da?" - das sind nur Momente. Man versinkt sofort wieder und erträumt sich gute Sprecher, die einen ins Land der Träume mitnehmen. Nur gut, dass E.T.A. Hoffmann sich diesen Missbrauch seiner Fantasie nicht anhören muss. Der ewige Schlaf würde ihm geraubt.

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Dom Juan
(Texte intégral)

 Zumutung

von ohrsicht aus Frankfurt, Deutschland am 04.08.2011

Billige Zweitverwertung einer vielleicht guten Theateraufführung mit der dazugehörigen Akustik (inklusive Husten im Publikum und verwirrenden Schrittgeräuschen auf der Bühne) bietet unseren von guten Hörspielen verwöhnten Ohren nicht gerade Futter für die Fantasie. Man kann die Sprecher kaum unterscheiden, außerdem folgt eine Theaterinszenierung ganz anderen Gesetzen als ein Hörspiel, wo alles nicht Sichtbare durch Einsatz spezieller Mittel sichtbar gemacht werden muss. Man sitzt eher wie ein Lauscher an der Wand als in der ersten Reihe.

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