Hörbuch-Rezensionen von Buechereule2
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Unsterblich wie der Tod
Gelungenes Debüt - Alex Berg 1.0
von Buechereule2 aus Deutschland am 17.05.2013
„Unsterblich wie der Tod“ ist der erste Kriminalroman aus der Feder von Stefanie Baumm, bekannter unter ihrem Pseudonym Alex Berg. Und gleich vorweg: Dieses Buch ist kein politischer Thriller, wie die neueren Bücher, sondern eher ein Regionalkrimi, der in und um Kiel spielt.
Thematisch daher ganz anders als die bekannte Valerie Weymann Reihe, ist schon hier der Stil von Alex Berg bereits deutlich erkennbar und tritt mit jedem Band dieser Reihe umso deutlicher zutage. Die präzise Sprache, die treffenden Beschreibungen, die einfühlsame Darstellung des Innenlebens der Figuren und auch wie ein an sich ausgelutschtes Thema mit neuen Gesichtspunkten präsentiert wird. (Wobei ich hier nicht zuviel vorwegnehmen möchte.)
In diesem ersten Band der (bisher) dreiteiligen Reihe werden die Hauptfiguren und der Schauplatz eingeführt. Ein Serienmörder ist unterwegs, der 13-jährige Mädchen entführt tötet. Recht ungewöhnlicher Weise der Täter ist früh bekannt, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut, denn man fiebert mit den facettenreichen Hauptfiguren. Hier ist ganz klar der Weg das Ziel. Wieso handelte der Täter so, wie wird er (hoffentlich) überführt und was geht in den Ermittlern und anderen Figuren vor?
Stefanie Baumm lässt sich anfangs genug Zeit, um die Hauptfigur Julia Miller vorzustellen, die in einem kleinen Dorf lebt und vom Täter durch Telefonterror an den Rand des Wahnsinns getrieben wird, die Kommissare Armin Stahl und Birger Harms und auch die Anderen.
Wie auch in ihren späteren Büchern werden die Figuren nicht geschont, hier wird nichts weichgespült, sondern Leser bzw. Zuhörer müssen miterleben, wie zerrissen sowohl Hauptkommissar Erich Buchwald als auch Julia Miller und Morten Vanderberg sind – in Anbetracht der grausamen Morde und auch im Privatleben. Besonders gut gefallen hat mir, dass Alex Berg schon hier keine ausufernden Gewaltszenen schreibt, sondern das Grauen nur andeutet und den Rest der Phantasie der Leser bzw. Zuhörer überlässt.
Einziges Manko ist für mich persönlich, dass Kiel und Umgebung für meinen Geschmack ein wenig zu blass bleiben.
Über Detlef Bierstadt muss ich nicht viel sagen, er ist ein genialer Sprecher und verleiht wieder einmal den Haupt- und auch Nebenfiguren zusätzliche Tiefe, verstärkt die Stimmung in den passenden Momenten.
Fazit:
Das erste Buch von Alex Berg, bei dem schon ihr Talent deutlich sichtbar ist, Figuren lebendig zu zeichnen, die man am Ende ungern verlässt und moralische Konflikte so zu schildern, dass ich mich immer wieder frage, wie würde ich selbst in dieser Situation handeln. Genial gelesen von Detlef Bierstadt, dessen Stimme gut zu den Kommissaren und zur Atmosphäre passt. Für mich ist "Unsterblich wie der Tod" so eine Art Alex Berg 1.0 - anders und nicht weniger gut. Die beiden Folgebände haben mir noch ein wenig besser gefallen, ein schönes Wiedersehen mit den dann bereits bekannten Figuren.
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Winter der Welt (Die Jahrhundert-Saga 2)
Gelungene Fortsetzung
von Buechereule2 aus Deutschland am 30.09.2012
Fast zwei Jahre lang war die Wartezeit auf die Fortsetzung zu "Sturz der Titanen" und es hat sich gelohnt.
Die Handlung schließt 1933 fast nahtlos an die Ereignisse der Vorgängers an und wie schon im ersten Teil seiner so genannten "Jahrhundert-Saga" webt Follett auch in "Winter der Welt" ein dichtes Netz, verflicht die Schicksale der Figuren aus dem ersten Band und deren Nachkommen miteinander und mit historischen Ereignissen. War die Atmosphäre schon im ersten Teil meist nicht gerade heiter, wird es hier noch düsterer, egal ob in Großbritannien, Deutschland, den USA oder Russland. Die Figuren werden nicht geschont, einige Male musste ich schwer schlucken.
Die walisische Familie Williams taucht genauso wieder auf wie die adligen Fitzherberts, die aus dem russischen Arbeitermilieu stammenden Peschkows, die deutsch-österreichische Adelsfamilie von Ulrich und die amerikanische Familie Dewar.
Wieder werden durch die Augen der sehr unterschiedlichen Hauptfiguren die Lebensumstände jener Zeit in der Ober- und Unterschicht vermittelt, wobei das Rad der Fortuna für so manche Änderung gesorgt hat. Es tauchen etliche bekannte Figuren aus "Sturz der Titanen" auf und wieder fieberte ich mit ihnen, auch wenn bei Einigen das Schicksal mit heutigem Wissen vorgezeichnet schien. Durch die lange Zeitspanne, die der Roman umfasst, wird auch gezeigt, wie einige der Figuren ihre Ansichten im Lauf der Handlung verändern, welche Auswirkungen politische und persönliche Entscheidungen auf das Leben der Bevölkerung in den jeweiligen Ländern hatte.
Durch die Augen der so unterschiedlichen Hauptfiguren werden einige Zusammenhänge deutlicher als in der Schule im Geschichtsunterricht. Die zahllosen Gespräche und Diskussionen des Romans lassen die Handlung sowohl lebendiger als auch eindringlicher werden, Gefühle und persönliche Veränderungen deutlicher und außerdem wirkt die Erzählung weniger belehrend als es leicht hätte der Fall sein können.
Die Schauplätze wechseln und mit ihnen die Sicht auf die historischen Ereignisse, Nachfahren wechseln Kontinente und ermöglichen den Zuhörern bzw. Lesern so wiederum andere Einblicke. Interessant waren auch die Vergleiche der Kriegsführung im ersten und zweiten Weltkrieg, die Erklärungen der technischen Fortschritte und die Wahrnehmung dieser Veränderungen durch die Figuren. Die Situation in der UdSSR kam mir persönlich diesmal etwas zu kurz und auch die Gründe für den Aufstieg der NSDAP.
Philipp Schepmann liest auch diesmal mit stets passender Intonation, wirkt bei den tragischen Szenen betroffen und verleiht den Figuren eigene Stimmen, ohne jemals übertrieben oder aufgesetzt zu wirken. Chapeau für den gelungen Vortrag.
Fazit
In den gut 900 Seiten bzw. über 35 Stunden verbirgt sich eine Fülle interessanter Informationen, historischer Details und unglaublich umfassender Recherche. Gegen Ende ging es mir ein wenig zu schnell.So bleibt die Vorfreude auf das Wiedersehen im dritten Band namens "The Cold Peace" (Der kalte Frieden)
11 von 14 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Dunkle Gebete
Außergewöhnlicher Thriller und Serienauftakt
von Buechereule2 aus Deutschland am 01.07.2012
"Dunkle Gebete" ist der Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe um die außergewöhnliche Ermittlerin Lacey Flint.
Dieser erste Band beginnt damit, dass Lacey Flint ausgerechnet auf ihrem eigenen Auto eine schwer verletzte Frau findet, die kurz darauf in ihren Armen stirbt. So landet Lacey kopfüber in ihrem ersten Mordfall, denn die Frau starb an den Messerstichen, die ihr von einem Unbekannten zugefügt wurden. Als ob das nicht heftig genug wäre, wird der Fall auch noch zu einem persönlichen Albtraum, denn eine Journalistin erhält einen scheinbar mit Blut geschriebenen Brief, in dem Lacey persönlich erwähnt wird - für Lacey eindeutig Parallelen zum Vorgehen des Rippers... dem bekannten Mörder, der nie gefunden wurde.
So rasant wie "Dunkle Gebete" beginnt, geht es auch weiter. Sharon Bolton ist ein vielschichtiger und spannender Thriller gelungen, mit einer interessanten Hauptfigur, in deren Welt wenig so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Immer wieder überraschten mich neue Wendungen und Informationen über Laceys Vergangenheit, die keine typische oder gar idyllische Kindheit hatte.
Gemeinsam mit Lacey ermitteln zwei ihrer Kollegen, ihre Vorgesetzte, die sympathische aber komplizierte Dana Tulloch und der offen feindselige Mark Joesbury, dessen deutliches Interesse an Lacey und ihrem Leben bei mir schnell ein ungutes Gefühl weckten.
Die Mischung aus den aktuellen Ereignissen auf mehreren Handlungsebenen und den Verweisen in die Vergangenheit wenn es um Jack the Ripper geht, ist perfekt und machte die Handlung für mich besonders interessant, ohne irgendwie belehrend oder langatmig zu werden.
Manche Szenen sind nicht für empfindliche Gemüter geeignet, immerhin geht es hier um Jack the Ripper selbst und einen nicht minder unzimperlichen Nachahmer.
Dana Geissler ist die perfekte Wahl als Sprecherin für die spröde und komplizierte Lacey Flint und verleiht deren (oft sehr versteckten) Gefühlen stets die passende Tonlage. Hoffentlich wird sie auch den nächsten Band um Lacey Flint lesen, der auf Englisch bereits erschienen ist.
Fazit
Ein weitgehend ungewöhnlicher Thriller, der sich deutlich positiv aus der momentanen Masse von Büchern über Serienmörder abhebt. Nicht nur, weil es sich um einen Nachahmer von Jack the Ripper handelt und sehr geschickt Informationen über das Vorgehen dieses so bekannten Serienmörders und die damaligen Ermittlungen (und Möglichkeiten) eingeflochten werden. Insbesondere deshalb, weil die weibliche Hauptfigur Lacey Flint und ihr männlicher Kollege Mark Joesbury außergewöhnlich vielschichtig gezeichnet sind, einfühlsam beschrieben werden und viel Potenzial für die Folgebände bieten.
7 von 7 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Mildernde Umstände: Ein Fall für Rachel Knight
Bemühter Erstling
von Buechereule2 aus Deutschland am 01.07.2012
Gleich vorweg: Ich habe nach rund 2/3 aufgegeben, denn die Handlung und Hauptfigur konnten mich nicht fesseln oder wenigstens überzeugen, auch die letzten Stunden noch zu hören. Sandra Schwittau liest gut, deshalb gebe ich zwei Sterne.
Streckenweise ist Marcia Clarks Erstling durchaus nicht schlecht, einige Dialoge und Wendungen gelungen. Insgesamt jedoch scheint mir das Buch zu bemüht, auf der Welle brutaler Thriller mitzureiten. Einiges wirkte einfach unglaubwürdig, wie z.B. dass zwei Kollegen sich zwar sympathisch finden, aber jahrelang praktisch kein persönliches Wort miteinander wechseln oder Rachels Verzweiflung wegen der Trennung von ihrem Expartner - die von ihr selbst ausging. (Genauer möchte ich das hier nicht darstellen, um nicht zu viel zu verraten). An anderen Stellen hatte ich das Gefühl, dass die Autorin viel zu genau und deutlich auf Dinge hinweist, damit die Leser es auch auf JEDEN Fall verstehen. Manche Charaktereigenschaften der Hauptfigur sind widersprüchlich und unglaubwürdig, ihre äußerst negative Einstellung gegenüber Strafverteidigern nervig und ihre Doppelmoral nicht minder.
Schade, denn die Grundidee war nicht übel....
4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Die Stunde der Zeitreisenden (Hourglass 1)
Spannender Auftakt zu einer neuen Trilogie
von Buechereule2 aus Deutschland am 27.06.2012
Anfangs erinnerte mich "Hourglass" ein wenig an "The Sixth Sense", auch wenn die Hauptfigur hier schon 17 ist und es kein Horrorbuch ist. Denn auch Emerson verheimlicht ihrer Umwelt so gut wie möglich, dass sie Menschen aus vergangenen Zeiten sehen kann. Ihren nächsten Verwandten, weil diese sich dann wieder Sorgen um sie machen würden, den anderen damit sie nicht für verrückter gehalten wird, als es ihrer Meinung nach ohnehin schon der Fall ist.
Ihre Eltern sind gestorben und sie wächst bei ihrem Bruder und dessen Frau auf, fühlt sich dort zwar wohl, aber (altergemäß) oft weder wohl in ihrer eigenen Haut noch in der Umgebung anderer, möchte gern unabhängig und erwachsen sein, gleichzeitig aber Geborgenheit und Sicherheit spüren. So reagiert sie verständlicherweise kratzbürstig als ihr Bruder plötzlich mit Michael Weaver auftaucht, der Emerson helfen soll, mit ihrem "Problem" klarzukommen. Wie gut, dass ihr Bruder keine Ahnung von der geheimnisvollen Organisation hat, der Michael angehört...
"Hourglass" ist ein gelungener Roman um das Erwachsenwerden, den Umgang mit besonderen Fähigkeiten (in diesem Fall übernatürlich, könnte aber gut auch etwas anderes sein), die Liebe und Freundschaft. Myra McEntire schafft eine komplexe und fantasievolle Welt, Haupt- und Nebenfiguren mit Ecken und Kanten, verpackt im vielversprechenden ersten Teil einer Trilogie. Spannung und Romantik wechseln sich mit Situationskomik und besinnlichen Szenen ab, perfekt gemischt und einem rasanten Finale.
Anfangs fand ich den Handlungsstrang um die Organsation Hourglass und deren Regeln recht kompliziert, auf der anderen Seite handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie und die Regeln sind (bisher) in sich schlüssig. Gemeinsam mit Emerson lernte ich die Regeln kennen und beobachtete sie, wie sie ihre neuen Fähigkeiten ausprobiert und gleichzeitig immer wieder ein Stückchen erwachsener wird.
Nicht nur Emerson und Michael sind interessante Figuren, auf deren Entwicklung im gerade auf Englisch erschienen zweiten Band ich gespannt bin, sondern auch Emersons Bruder, dessen Frau, Emersons beste Freundin und der facettenreiche Kaleb.
Merete Brettschneiders Stimme passt ausgezeichnet zu der empfindsamen Emerson und ich hoffe, dass sie auch die anderen beiden Bände lesen wird.
Fazit
"Die Stunde der Zeitreisenden" ist der vielversprechende Auftakt zu einer neuen Trilogie, in deren Mittelpunkt die 17-jährige Merete steht. Eine junge Frau, die den Umgang mit ihrer Fähigkeit Geister sehen zu können noch lernen muss und gerade ihren Platz im Leben sucht. die 9,5 Stunden werden genial gelesen von Merete Brettschneider und vergingen viel zu schnell.
6 von 6 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Schuld währt ewig
Fesselnder Krimi - Vierter und bester Teil der Rei
von Buechereule2 aus Deutschland am 16.04.2012
Die ersten drei Bände um Kommissar Dühnfort hatte ich gelesen, umso größer war die Freude über einen vierten Band, der auch noch als ungekürztes Hörbuch erscheint.
Die gut 12 Stunden werden von dem mir bisher unbekannten Pascal Breuer einfühlsam gesprochen, der seine Stimme die unterschiedlichsten Stimmungen und Situationen anpasst.
Das Hauptthema in diesem Buch ist Schuld, bzw. vermeintliche Schuld in den Augen anderer und wird vielschichtig behandelt. Wie fühlen sich Eltern, deren Kind in einem Unfall starb? Und wie geht es denen, die das Kind in diesem Unfall töteten? Trägt jemand eine Schuld, auch wenn gerichtlich entschieden wurde, dass es ein Unfall war, der vermeintliche Täter freigesprochen wurde? Nicht nur die junge Susanne, eine Bogenbauerin, trägt eine solche Schuld als große Last mit sich herum, sondern auch andere Figuren in diesem Buch mit dem raffinierten Titel "Schuld währt ewig". Auf der anderen Seite ist da anscheinend jemand, der eine andere Meinung als die Gerichte hat und Selbstjustiz betreibt....
Ich war nicht nur gespannt auf den neuen Fall, der sehr komplex und emotional behaftet ist, sondern auch darauf, wie es in Dühnforts Privatleben weitergeht. Grinsen Der Kriminalfall ist überzeugend und spannend geschildert, scheibchenweise erfahren die Leser bzw. Zuhörer mehr über die Hintergründe, werden in die Irre geführt und fiebern mit den Hauptfiguren, sowohl auf der Opferseite als auch bei den Ermittlern. Diesmal dauerte es sehr lange, bis ich wusste, wer hinter den Taten steckt, so gut waren die falschen Fährten gelegt. Auch Dühnforts Privatleben sowie das seiner Kollegen bietet einige überraschende Wendungen, sowie sehr glaubwürdige und teilweise sehr erfreuliche Weiterentwicklungen. (und nein, mehr werde ich dazu hier nicht verraten)
Inge Löhnig versteht es, Bilder von Figuren und Schauplätzen vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen und die Hauptfiguren so lebendig werden zu lassen, als säßen sie hier neben mir und ich würde sie schon lange kennen. Vor allem die Selbstreflektion von Dühnfort, sowie die Dialoge mit Gina und Alois wirkten auch mich sehr authentisch und sowohl Dühnforts als auch Alois' Einsichten überraschend deutlich. Das Wiedersehen mit Dühnfort und den anderen war nur leider viel zu kurz.
Fazit
"Schuld währt ewig" - tut sie das? Und wer entscheidet über Schuld? Mit diesem hochsensiblen und komplexen Thema werden die Hörer dieses fesselnden Hörbuch konfrontiert, in dem Inge Löhnig meiner Meinung nach den bisher besten Band um Kommissar Dühnfort verfasst hat. Pascal Breuer spricht den Text mit perfekter Intonation, ließ die Emotionen der Figuren fast greifbar werden. Ich bin gespannt auf den fünften Band um Dühnfort und seine Kollegen....
5 von 5 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Starters
Fesselnde und überzeugende Dystopie
von Buechereule2 aus Deutschland am 02.04.2012
Nicht noch eine weitere Dystopie... doch, und eine recht ungewöhnliche noch dazu. Denn hier geht es weniger um "wie überlebe ich nach der Katastrophe", sondern um: Was wäre, wenn Andere meinen Körper beherrschen könnten, bzw. ich mental den Körper einer anderen (jüngeren) Person übernehmen könnte.
Die beiden Waisen Callie und ihr jüngerer Bruder Tyler leben in einem leerstehenden Haus in den USA. Seit den sogenannten "Sporenkriegen" dürfen US-Bürger nicht mehr ausreisen, weil andere Länder Angst vor den Sporen haben. Impfstoff wurde nur an alle unter 20 und über 60 ausgegeben, der Rest der Bevölkerung fiel den Sporen zum Opfer. Die Gesellschaft ist in zwei Gruppen unterteilt: Starters, jene unter 20 und Enders, die meist vermögend sind und die politische Macht besitzen. Nur Kinder, deren Großeltern noch leben, können ein einigermaßen normales Leben führen, andere landen wehr- und machtlos in Waisenhäusern oder überleben auf der Straße, versuchen irgendwie Geld zu verdienen. Die 16-jährige Callie hört von einer Firma namens "Prime Destinations" und deren Body Bank, deren Geschäftsidee sehr fragwürdig scheint, aber sie braucht dringend Geld....
Die ersten Stunden waren wie im Flug gehört, das Schicksal von Callie und ihrem Bruder ist fesselnd erzählt, die Welt um sie überzeugend dargestellt.
Callie ist mit der Fürsorge für ihren kranken Bruder überfordert, ohne schützende Großeltern und ohne Geld für Medikamente befürchtet sie seinen baldigen Tod, will aber um keinen Preis in eines der berüchtigten Waisenhäuser. So entscheidet sie sich, ihren Körper an Enders zu vermieten. Der Mietvorgang verläuft nicht wie geplant. Die Enders sind teilweise ganz anders als Callie es erwartet hatte und genau diese Feststellung und Callies Umgang damit macht dieses Roman so faszinierend, denn sie wächst und verändert sich, muss ihre alten Prinzipien in Frage stellen, auch die neuen mehr als einmal und gleichzeitig versuchen, irgendwie am Leben zu bleiben.
Wie hätte man selbst in Callies Situation gehandelt und wie würde man selbst als Enders handeln? Die Versuchung, einen jungen Körper zu "besitzen" - aber um einen sehr hohen Preis... Lissa Price versteht es, beide Seiten aus verschiedenen Winkeln zu beleuchten, die Leser um das Schicksal von Callie und einiger anderer Figuren mitfiebern zu lassen, nicht nur durch zahlreiche geschickte Wendungen, sondern auch wegen der Charakterentwicklung von Callie und einigen Anderen, vor allem Madison (über die ich hier nichts verraten möchte).
Annina Braunmiller liest sehr überzeugend und ihre Stimme passt sehr gut zu Callie, deren wechselnde Emotionen äußerst einfühlsam vermittelt werden.
Fazit
Ich kann mich nur wiederholen: Genial gemacht... sogar der megafiese Cliffhanger, der in den letzten 20 Minuten (!!!) aufgebaut wird. Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil, der für Ende Dezember angekündigt und den es hoffentlich wieder als ungekürztes Hörbuch gibt, gelesen von der überzeugenden Annina Braunmiller.
2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Der Anschlag
Was wäre wenn... dies kein Horror-Roman ist
von Buechereule2 aus Deutschland am 24.01.2012
... und gleichzeitig ein Meisterwerk?
Stephen Kings neuster Roman basiert auf einem interessanten Gedankenspiel: Was wäre, wenn jemand zurück in der Zeit reisen könnte und die Ermordung von Präsident Kennedy verhindern würde?
Die Kritiken aus den USA klangen verlockend und weil mich auch die Zeit interessiert, war ich sehr gespannt auf das ungekürzte Hörbuch.
Stephen King schickt seine Hauptfigur Jake Epping aus dem Jahr 2011 auf eine Zeitreise ins Jahr 1958, um die Ermordung von Präsident Kennedy zu verhindern.Wie bei anderen Zeitreiseromanen stellt sich schnell die Frage, wie man selbst in der Situation von Jake handeln würde. Dieser bekommt völlig überraschend die Möglichkeit, immer die selbe Stelle und Uhrzeit im September 1958 zu reisen und dort beliebig lange zu verbleiben, während hier nur zwei Minuten vergehen.
Der 35-jährige Jake hofft, so die Zukunft zu verbessern. Unglaublich schnell war ich in der Handlung versunken, so lebendig und fesselnd beschreibt Stephen King das Leben von Jake in jener Zeit. Faszinierend, wie die Unterschiede geschildert werden, die einem Zeitreisenden natürlich immer wieder auffallen und nicht nur die zahlreichen kleinen Details wie z.B. Benzin- und Getränkepreise, damalige Musikstars und etliches Andere, sondern auch das andere Gefüge der amerikanischen Gesellschaft und ein Leben ohne Handys unter Internet.
Geschickt wird das Schicksal der fiktiven und historischen Figuren verflochten, nicht nur Lee Harvey Oswald selbst, sondern auch seine Freunde, Bekannten und Familie. Zu Beginn des zweiten Drittels verliert die Handlung an Fahrt, für meine Geschmack fällt der Teil über Jakes Leben in jener für seine Mission noch nicht wichtigen Zeit allzu ausführlich aus. Die Figuren sind allesamt sehr lebendig gezeichnet, jede mit einem eigenen und überzeugenden Schicksal, egal ob real oder fiktiv. Relativ großen Raum nimmt die einfühlsam geschilderte Liebesgeschichte zwischen Jake und Sadie ein, einer Bibliothekarin aus jener Zeit. Erst im letzten Drittel wird es wieder deutlich spannender und jener Teil fiel ganz anders aus als ich es erwartet hätte, bis him zum völlig überraschenden Ende.
Von Anfang bis Ende finden sich zahlreiche Anspielungen auf andere Werke von Stephen King, von den Schauplätzen bis hin zu den Figuren, sowie auf literarische Werke anderer Schriftsteller und an wenigen Stellen blitzen auch Selbstironie und bissiger Humor durch.
David Nathan liest wieder gewohnt perfekt sowohl die männlichen als auch die weiblichen Figuren, versteht es, spannende als auch emotionalere Szenen hervorragend zu intonieren.
Fazit
Jake Epping reist aus dem Jahr 2011 zurück nach 1958 um den Mord an John F. Kennedy zu verhindern und zusammen mit ihm erlebte ich eine verschwundene Welt, lebte in dieser weitgehend fremden Zeit, fieberte mit ihm um das Schicksal von Kennedy und Lee Harvey Oswald. Eine geniale Umsetzung einer interessanten Idee, das erste Werk von King, das ich eher der Belletristik zuordnen würde.
157 von 162 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Der Weg der Könige (Die Sturmlicht-Chroniken 1)
Fantastisch - im wahrsten Sinne des Wortes
von Buechereule2 aus Deutschland am 02.01.2012
"Der Weg der Könige" hebt sich wohltuend aus der Menge der neuen Fantasyromane ab. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich ist dieses Buch ein gelungener Einstieg in eine neue Serie, die voraussichtlich zehn Bände umfassen soll und deren weitere Teile ich mit Sicherheit auch hören werde.
Nicht nur die Welt, in der die Sturmlicht-Chroniken spielen ist komplex, sondern auch die Darstellung der drei Hauptfiguren. Die beiden Männer Kaladin und Dalinar kommen aus völlig unterschiedlichen Bevölkerungsschichten und haben auch sehr unterschiedliche Motive und Ziele, genau wie die junge Adlige Shallan, die einiges verbirgt. Im Mittelpunkt steht das Schicksal der zwei Krieger, die beide auf ihre Weise um ihr Überleben kämpfen. Brandon Sanderson nimmt sich viel Zeit in diesem ersten Band um die Hauptfiguren, ihr vorheriges Leben und ihre Welt vorzustellen. Anfangen bei der Flora und Fauna, über die spezielle Form der Magie bis hin zur Geschichte des Landes und dessen besonderes, fast eigenwilliges Klima, zeichnet Sanderson eine außergewöhnlich durchdachte im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Welt.
An einigen wenigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Spannung gewünscht, andererseits bereiten zum Beispiel die philosphischen Diskussionen der Figuren zu Themen wie Pflicht, Verantwortung und Egoismus besonderes Lesevernügen. Auch die Entwicklung der verschiedenen Figuren ist sehr gelungen, ihre Veränderungen glaubwürdig und behutsam gestaltet. Als besonders gelungen empfinde ich, dass hier nicht die Liebesbeziehung zwischen zwei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen im Mittelpunkt steht, sondern Figuren verschiedensten Alters und deren persönliche Entwicklung, sowie ein älteres Paar.
Vom Prolog, in dem der König der Alethi ermordet wird, bis hin zum Ende war ich gefesselt von Sandersons Erzählstil und auch nach knapp 28 Stunden hätte ich gerne weitergehört. Das ist sicherlich auch Detlef Bierstedt zu verdanken, dessen außergewöhnliche Sprecherleistung mich immer wieder begeistert.
4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Shantaram
Faszinierender Einblick in eine fremde Welt
von Buechereule2 aus Deutschland am 01.01.2012
Lange hatte ich gezögert, 45 Stunden eines mir noch unbekannten Autors, gelesen von einem mir noch unbekannten Sprecher - dagegen standen zahlreiche Empfehlungen aus dem Freundeskreis. Gleich vorweg: "Shantaram" bietet weitgehend interessante Unterhaltung und erinnert oft an Werke traditoneller Geschichtenerzähler.
Der Autor Gregory David Roberts schildert Ereignisse aus seinem bewegten Leben in Indien. Dort verbrachte er mit einem gefälschten Pass rund zehn Jahre, auf der Flucht vor den australischen Behörden. Die Hauptfigur in seinem Roman heißt Lin und besitzt einen neuseeländischen Pass, nach eigenen Aussagen von Roberts ist "Shantaram" eine Art Autobiographie. Ungewöhnlich ist nicht nur der Grund für seinen Aufenthalt in Indien, sondern auch sein ganzes Leben dort. Er zieht in eine Slumgegend, mischt sich unters Volk, lernt die lokalen Sprachen und macht schmutzige Deals.
Durch seine Augen bekommen die Leser bzw. Zuhörer einen vielseitigen und tiefen Einblick in das Leben in Bombay, von unten, kritisch, bissig und oft auch humorvoll. Mit viel Leidenschaft und unverholener Zuneigung erzählt Roberts von den Gefahren, den Vor- und Nachteilen des Lebens in Bombay, einer Stadt in der Gewalt zum Alltag gehört, sowie von seinen Freunden, Bekannten und Feinden. So lebendig, dass ich nicht nur die exotischen Gerichte, sondern auch die weniger angenehmen Gerüche wahrzunehmen glaubte, den Lärm und die ruhigeren Töne zu hören glaubte. Mit fast unglaublichem Blick für's Detail in der ihm anfangs völlig fremden Welt fängt Roberts Szenen ein, die man als Leser bzw. Zuhörer dann auf dem Sofa miterleben kann. Seine exzellente Beobachtungsgabe und sein Erzähltalent sind so bemerkenswert wie sein Engagement für die Bevölkerung, denn er eröffnet z.B. eine improvisierte Klinik für die Slumbewohner.
Jürgen Holdorf ist die perfekte Wahl für den oft überschwänglichen und manchmal leicht arrogant wirkenden Ich-Erzähler. Die gelegentlich etwas übertrieben blumige Sprache ist mein einziger Kritikpunkt, sowie dass mir eine echte Autobiographie lieber gewesen wäre. Andererseits habe ich schon lange kein Buch mehr gehört, dass so komplex und vielseitig ist, mit solcher Leidenschaft für Land und Leute verfasst wurde, dass auch diese Schwachpunkte mich die gesamten 45 Stunden hören ließen.
Meine Meinung: Nicht von den 45 Stunden Spielzeit abschrecken lassen, sondern jede Minute davon genießen!
7 von 7 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.










