Hörbuch-Rezensionen von parden
Hier finden Sie alle Hörbuch-Rezensionen von parden
Die Marionette
Bedrückend...
von parden aus Deutschland am 23.12.2012
Die Anwältin Valerie Weymann soll einen deutschen Rüstungskonzern, der des illegalen Waffenhandels beschuldigt wird, aus den Schlagzeilen bringen. Kein Geringerer als BND-Agent Eric Mayer führt die offiziellen Untersuchungen von Regierungsseite. Auf ein Wiedersehen mit dem Agenten, der Valerie einst verhaften ließ, ist die toughe Anwältin nicht vorbereitet.
Zur selben Zeit kehrt die junge Soldatin Katja Rittmer schwer traumatisiert von ihrem Einsatz in Afghanistan zurück. Ihr Konvoi war in einen Hinterhalt geraten, und ihre Kameraden wurden mit deutscher Munition erschossen. Wie konnte das passieren? Doch in der Heimat will niemand ihre brisanten Fragen beantworten. Ein unerträglicher Zustand, der Katja Rittmer in eine tickende Zeitbombe verwandelt und weitere Menschenleben kostet...
Auch in ihren zweiten Thriller greift Alex Berg ein politisches Tabuthema auf und verarbeitet es zu einem spannenden Sachverhalt. Die Traumatisierung von Soldaten durch Kriegserlebnisse bzw. Einsätze in Krisenherden ist ein trauriges, hierzulande totgeschwiegenes Thema. Als Aufhänger für den Thriller macht es diesen recht anspruchsvoll, doch wird einem die politische Botschaft dankenswerterweise nicht ständig eingebläut, sondern ergibt sich einfach aus der Handlung selbst. Das allein ist schon bedrückend genug...
Ohne dirket anzuprangern oder sich in Klischees zu verwickeln, erzählt Alex Berg geschickt von Interessen, die gewahrt werden wollen, egal ob es sich nun um hochrangige Regierungsmitglieder handelt oder um mächtige Großkonzerne, die mit ihren Kontakten und Geschäften ein nicht ungefährliches Spiel inszenieren. Dabei kennen politische Interessen einzelner Länder nur wenig bis gar keine Grenzen, und so spielen auch die Geheimdienste eine ernstzunehmende und wesentliche Rolle in dem vorliegenden Roman.
Darüber hinaus gibt es ein Wiedersehen mit Valerie Weymann und Eric Mayer, die sich hier zwar näher kommen, dabei aber zu keiner Zeit ihre Rolle(n) aus den Augen verlieren. Beide sind sehr glaubhaft dargestellt, und der Zwiespalt, in dem mal der eine, mal der andere steckt, ist fast körperlich spürbar.
Doch auch die Autorin selbst verriet in einem Interview, dass sie in einem solchen Zwiespalt steckt: "Mich mit den brisanten und aktuellen Themen des Weltgeschehens auseinanderzusetzen und sie in Form eines Thrillers spannend literarisch zu verpacken, macht einen großen Teil meines Lebens aus, auf den ich nicht verzichten möchte. Ich liebe meinen Beruf. Dennoch wünsche ich mir, dass Romane zu diesen Themen nicht nötig wären."
Gelesen wird dieses vollständig Hörbuch wieder von Detlef Bierstedt, der das Ganze professionell vorträgt, für mich allerdings sehr bemüht wirkt, wenn es um die Variation unterschiedlicher Stimmen geht.
Insgesamt jedoch gut zu hören...
Ein topaktueller Thriller, der zweite aus der Feder der Autorin, und sicherlich nicht mein letzter!
Empfehlenswert...
2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Im Reich der Königin (Alterra 2)
Alterra (2) - die (Hör-)Reise geht weiter...
von parden aus Deutschland am 31.10.2012
Nach den Abenteuern im ersten Band macht sich die Gemeinschaft der Drei auf den Weg in den Süden, um nach Antworten auf brennende Fragen zu suchen. Skurrile Landschaften und Begegnungen warten auf Matt, Tobias und Ambre, und nicht immer ist klar, wem sie vertrauen können.
Mit dem unheimlichen Torvaderron dicht auf den Fersen, fliehen die drei schließlich in den Blinden Wald, der undurchdringlich scheint und unermessliche Gefahren birgt. Werden ihre neu entwickelten Fähigkeiten ausreichen, um erneut zu entkommen? Helfen kann eigentlich nur noch ein Wunder...
Das erste Drittel des Buches hat mich diesmal nicht ganz so überzeugt wie beim ersten Band. Die Geschichte plätscherte etwas vor sich hin, dann wiederum gab es recht abrupte Wendungen, die nicht so recht zum Lesefluss passten.
Die letzten zwei Drittel jedoch waren wieder fesselnd und trotz zahlreicher Phantasie-Geschöpfe recht authentisch und glaubwürdig. Chattam sprüht vor Einfallsreichtum und lässt einen auch über so manche technische Erfindung staunen. Natur und Technik scheinen in der Welt nach dem großen Sturm eine mühelose Verbindung eingehen zu können...
Das Thema "verantwortlicher Umgang mit der Natur" setzt sich auch in Band 2 fort, und die Präsentation verschiedenster Gesellschaftsformen und -strukturen bringt den Leser zwangsläufig ins Grübeln.
Neben der kritischen Auseinandersetzung mit den genannten Themen beschäftig sich die Geschichte auch sehr mit dem allmählichen Erwachsenwerden und den damit verbundenen Veränderungen und Verunsicherungen. In einer Welt, in der nichts mehr ist wie früher, gibt es hierzu nicht nur angenehme Erkenntnisse...
Nachdem ich im zu Beginn diesen Jahres das Buch gelesen habe, habe ich das Vergnügen nun mit dem Hörbuch wiederholt.
Gehört habe ich die ungekürzte Version von audible.de, gelesen von Timmo Niesner, der seine Sache recht gut macht, auch wenn er für mich z.T. etwas monoton vorträgt. Insgesamt jedoch ein Hörvergnügen!
Insgesamt eine schöne Fortsetzung und ein tolles Fantasy-Buch auch für Jugendliche, das einen am Ende sehr neugierig zurücklässt...
Ich freue mich schon auf Band 3!
0 von 0 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Der Todeszauberer (Julius Kern 2)
Magische Morde...
von parden aus Deutschland am 07.06.2012
Eine verstümmelte Frauenleiche wird ans Havelufer geschwemmt, und Hauptkommissar Julius Kern steht vor einer neuen Herausforderung: Siebzehn Frauen hat der so genannte Schläfenmörder bereits getötet, und die Opfer haben nur eines gemeinsam – eine Schlagwunde an der rechten Schläfe.
Inmitten der schwierigen Ermittlungen erhält Kern einen anonymen Brief von einem alten Bekannten: Tassilo Michaelis, freigesprochener Massenmörder und Kerns Erzfeind, scheint Informationen zu besitzen, die Kern auf die Fährte des Schläfenmörders führen könnten. Doch er verlangt dafür einen hohen Preis…
Drei Jahre sind nun seit den Ereignissen um den "Putzteufel" vergangen (Band 1 "Die Reinheit des Todes" ), und es ist Ruhe in Kerns Arbeits- und Privatleben eingekehrt. Er hat sich dauerhaft zurück nach Berlin versetzen lassen und auch in seiner Ehe scheint alles wieder beim Alten.
Doch mit dem Schläfenmörder tritt auch sein persönlicher Alptraum Tassilo wieder in sein Leben und kommt ihm zeitweise näher als ihm lieb sein kann. Das mentale Kräftemessen der beiden Gegenspieler macht für mich den ganz besonderen Reiz dieses Thrillers aus und ist auch in diesem Teil wieder spannend umgesetzt.
Schon im Prolog erfährt der Leser, dass der Mörder auch diesmal mit seinen Opfern ein grausames Speil treibt. Er schickt sie auf eine Gedankenreise, in deren Verlauf sie selbst entscheiden, ob sie dem Mörder entkommen oder nicht. Das ist so spannend geschrieben, dass ich von Anfang an gebannt war beim Hören.
Wie in Band 1 erfährt der Leser recht bald, wer hinter den Taten steckt - doch dies tut der Spannung in meinen Augen keinen Abbruch. Vincent Kliesch gelingt es meiner Meinung nach, den Spannungsbogen aufrecht zu halten und gegen Ende in einem fulminanten Showdown münden zu lassen. Die Charktere der Protagonisten gewinnen hier im Vergleich zum ersten Band ein wenig an Tiefe.
Wieder wird das ungekürzte Hörbuch von audible.de von Uwe Teschner gelesen, der seine Sache im Großen und Ganzen gut gemeistert hat.
Allerdings sorgte er bei mir einige Male für wohl eher ungewollte Schmunzeleinlagen, denn der bayrische Dialekt ist wohl nicht jedermanns Sache... Die Vertonung der hübschen bayrischen Psychologin, die den Schläfenmörder schon seit Jahren jagt und zur Unterstützung der Polizei nach Berlin beordert wurde, ist jedenfalls nicht immer gelungen. Die Gesamtleistung der Lesung schmälert es jedoch nicht.
Ein wendungsreicher und intelligent konstruierter Thriller, der nahtlos an seinen Vorgänger anschließt und fesselnd zu unterhalten weiß.
Ich freue mich schon auf Band 3 , der die Trilogie damit abschließen wird...
3 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Die Reinheit des Todes (Julius Kern 1)
Ein sauberes Debüt...
von parden aus Deutschland am 28.05.2012
Julius Kern, einst ein erfolgreicher Ermittler, ist seit einger Zeit ein psychisches Wrack. Nach den nervenaufreibenden Ermittlungen im Falle eines spektakulären Massenmordes gelang es ihm vor einigen Jahren zwar, den Mörder zu fassen - doch die Beweise reichten nicht aus für eine Verurteilung. Ein herber Rückschlag, der Kern nachhaltig zu schaffen macht: Alpträume, viel Alkohol, eine zerbrochene Familie und die berufliche Versetzung von Berlin nach Potsdam waren die Folge...
Solcherart ein Schatten seiner selbst, wird Kern dennoch von einem ehemaligen Kollegen zurück nach Berlin beordert. Ein Serienkiller gibt scheinbar unlösbare Rätsel auf - und wenn überhaupt, verspricht allein Kerns unorthodoxe Herangehensweise einen Fortschritt in den Ermittlungen. Bereits das 3. Opfer geht auf das Konto des Killers - ordentlich aufgebahrt auf einem Tisch in der eigenen Wohnung, frisch gewaschen und gekleidet, und das gesamte Zimmer mit einem jedem Material gewachsenen Putzmittelarsenal auf Hochglanz poliert. Derart spurenlos, tappt die Polizei vollkommen im Dunkeln...
Der Thriller wird in zwei Haupthandlungssträngen erzählt, wobei eine Geschichte in der Gegenwart spielt und die andere drei Jahre zurückliegt. Beide Erzählstränge verknüpfen sich auf interessante Weise miteinander und gipfeln schließlich in einem Showdown. Die Täter der beiden Geschichten werden schnell offenbar, und so gibt es hier kein Rätselraten um die Täter, sondern man begleitet sie und ihre Psychosen vielmehr genauso wie die Opfer und die Ermittler.
Für mich hätten die Charaktere mehr ausgestaltet werden können. V.a. Julius Kern bleibt noch relativ farblos und oberflächlich, was sich in den Folgebänden hoffentlich noch ändern wird. Auch über die Hintergründe der Täter hätte ich gerne noch mehr erfahren. Der ständige Perspektivenwechsel dagegen stört gar nicht, sondern erhöhte für mich die Spannung.
Die Lesung von Uwe Teschner war gelungen, der Tonfall angemessen und nicht zu dramatisch, die Stimme angenehm.
Insgesamt ein gelungenes, sauberes Debüt von Vincent Kliesch, das auf spannende Fortsetzungen hoffen lässt...
4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Roadmovies für Oldies...
von parden aus Deutschland am 28.05.2012
An seinem 100. Geburtstag beschließt Allan Karlsson, den Feierlichkeiten um sein Jubiläum zu entfliehen, klettert aus dem Fenster des Altersheims und verschwindet. Mit seinen müden Gelenken und Pantoffeln an den Füßen, kommt er nicht weiter als bis zum nächstgelegenen Bahnhof. Dort wartet er auf den Bus, um mit diesem so weit zu fahren, wie man eben mit 50 schwedischen Kronen kommt. Den Koffer, den ihm ein junger Mann am Bahnhof zu einer kurzen Aufbewahrung anvertraut hatte, nimmt Allan fürsorglich mit in den Bus, denn schließlich will er ihn nicht einfach unbeaufsichtigt stehen lassen. Wie hätte er auch ahnen können, dass dieser junge Mann einer Gangsterbande angehört und der Koffer bis oben hin voller Geld ist…
Und so beginnt eine Verfolgungsjagd quer durch Schweden, wobei die Reisegruppe stetig anwächst. Gangster, Polizei und Medien bemühen sich zu verstehen, was geschehen ist, und Allan nutzt die gesamte Lebenserfahrung seiner 100 Jahre, um dem Schicksal einmal mehr ein Schnippchen zu schlagen.
Neben der Flucht quer durch Schweden springt der Roman immer wieder auch in die Vergangenheit und schildert chronologisch Allans bisheriges Leben. Eigentlich ein geborener Loser – nahezu ohne Schulbildung und mit einem unheilvollen Hang zu Sprengstoff, was ihn bereits in jungen Jahren in die Psychiatrie bringt – laviert sich Allan im Laufe der Jahre à la Forest Gump durch die Weltgeschichte und trinkt Berühmtheiten wie General Franco, Präsident Truman, Stalin und Mao Tse Tung unter den Tisch. Dabei ist Allan zwar gutmütig, aber alles andere als naiv und deckt auf seine politisch uninteressierte und pragmatische Weise so manche Absurdität der Weltgeschichte der vergangenen 100 Jahre auf.
Mit Allan hat der schwedische Autor einen liebenswürdigen Protagonisten geschaffen, der immer für einen Schnaps zu haben ist und mit seiner Devise "Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt" herrlich unaufgeregt durchs Leben geht. Wahnwitzige, wunderbar gezeichnete Nebenfiguren runden diese moderne Monty Python Geschichte ab. Eine erfrischend andere Geschichte. Dabei hat mich v.a. auch der trockene, oft schwarze Humor und die leise Ironie angesprochen – oftmals musste ich laut auflachen beim Hören.
Ein unterhaltsames, lustiges und gleichzeitig weises, herzwärmendes (Hör-)Buch, das in der bei audible.de erhältichen ungekürzten Form von Otto Sanders durchaus passend vorgetragen wurde.
Ein Highlight des Jahres!
1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Der letzte Weynfeldt
Ästhetisch, präzise, solide, gediegen...
von parden aus Deutschland am 20.02.2012
Der Mittfünfziger Adrian Weynfeldt, Kunstexperte und Designsammler, steht zwischen zwei Welten. Freunde seines Alters hat er keine: nur viel jüngere, die ihn nicht zuletzt wegen seines Reichtums umgaren, und ältere, die noch seine Eltern kannten. Mit ersteren besucht Weynfeldt Clubs und Lounges, "für die er sich allein zu alt gefühlt hätte". Mit letzteren geht er in gutbürgerliche Restaurants und verbringt angestrengt lustige Abende.
Dazwischen hat Weynfeldt nichts dagegen, allein zu sein. Im Gegenteil: Er genießt die Einsamkeit. Sex spielt in seinem Leben eigentlich keine Rolle mehr.
Mit seinen älteren Freunden ist Weynfeldt auch unterwegs gewesen, als sich sein Leben schlagartig ändert. In einer Bar wird er von einer jüngeren Frau angesprochen, die ihm wie eine Wiedergängerin einer verflossenen Liebe erscheint. Weynfeldt lässt sich mit ihr ein, nach zahlreichen Martini und Gin-Fizz findet man sich, reichlich angetrunken, im Bett des Junggesellen wieder. Zum Äußersten kommt es dabei nicht.
Am nächsten Morgen aber droht die Frau, sich vom Balkon seiner Wohnung zu stürzen. Als er sie rettet, legt sie ihr Schicksal in seine Hand. Weynfeldt soll ihre Schwierigkeiten aus der Welt schaffen. Und dann entwickelt sich die Geschichte doch noch ganz anders, als es der Junggeselle erwartet hat...
Hauptthema des Buches ist die Kunst. Daneben handelt es aber auch von Liebe und Einsamkeit, Erfolg und Versagen, Freundschaft und Verrat.
Dabei entwickelt sich die Geschichte überaus langsam. In aller Ruhe werden beispielsweise zunächst alle Personen aus Weynfeldts Bekanntenkreis ausführlich vorgestellt, ob sie für den Verlauf der Erzählung nun bedeutsam sind oder nicht. Zusammen mit der minutiösen, detailverliebten, penibel präzisen Beschreibung von diversen Kunstwerken, Designermöbeln, edler Mode, erlesenen Mahlzeiten und Örtlichkeiten bildet Suter damit zwar einen überaus bildhaften Hintergrund, doch gestaltet er die Entwicklung der eigentlichen Erzählung damit für meinen Geschmack eher zäh.
Personen und Handlung bleiben eher oberflächlich und klischeehaft, nicht zu leugnen allerdings ist, dass Suter weiß, mit Sprache umzugehen.
Sachlichkeit, Klarheit, Unaufgeregtheit und Präzison prägen seinen Stil - es fehlt für mich allein "das Salz in der Suppe"...
Dank audible.de kam ich in den Genuss der ungekürzten Hörbuchfassung, gelesen von Gert Heidenreich. Die getragene, tiefe Stimmlage des bekannten Sprechers passt für mich hervorragend zur Hauptfigur des Adrian Weynfeldt, ebenso wie zu der unaufgeregten Entwicklung der Erzählung.
Insgesamt ein etwas langatmiges Hörerlebnis, das mich aber neugierig auf andere Werke von Martin Suter gemacht hat.
0 von 0 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Vergebung
Eine tolle Reihe geht zu Ende...
von parden aus Deutschland am 24.01.2012
Nachdem Lisbeth Salander am Ende des zweiten Teils schwer verletzt worden war, kämpft sie zu Beginnn dieses Bandes um ihr Überleben. Nach einer schweren Operation erholt sich Lisbeth nur allmählich und sieht sich dabei abermals von staatlicher Seite her nicht nur angefeindet und verdächtigt, sondern soll einmal mehr zu einem Bauernopfer gemacht werden.
Mikael Blomkvist, Journalist bei Millenium und Freund von Lisbeth Salander, macht es sich zur Aufgabe, ihre Unschuld zu beweisen und dabei das durchtriebene Komplott gegen sie aufzudecken. Doch immer mehr Hindernisse werden ihm auch von höchster Stelle in den Weg gelegt, so dass die Lage hoffnungslos scheint. Schließlich beschreitet Blomkvist ungewöhnliche Wege...
Gleich zu Beginn spannend, verliert die Erzählung dann etwas an Fahrt, um Sachverhalte zu erläutern, die für das Verständnis der weiteren Vorgänge wesentlich sind. In diesem Fall fand ich die kleinen Kürzungen der Hörbuchversion sehr angenehm, weil diese erläuternden Textstellen hier weniger ausschweifend sind als in der Buchvorlage, trotzdem aber ausreichen.
Es hat mich begeistert, wie es Stieg Larsson gelang, so viele Fäden gleichzeitig zu spinnen, sich dabei nicht zu verheddern und sie schießlich zu einem Handlungsstrang zu bündeln, der nichts an Spannung und Logik missen ließ.
Dietmar Bär liest auch den 3. Band der Trilogie um Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist gewohnt souverän und angenehm, und v.a. die Gerichtsverhandlung im letzten Viertel hat mir einige Male eine befriedigende Gänsehaut beschert.
Die Geschichte selbst wie auch die Lesung sind glaubwürdig und für alle Thrillerfans nur zu empfehlen...
Insgesamt lässt sich dieser Thriller gar keiner Schublade zuordnen. Er ist ebenso Psychothriller wie auch Politthriller als auch Agententrhiller - und bedient alle Genres genial. Jedenfalls ist dieser Band wieder einmal ein genial gestrickter, verschachtelter, vielschichtiger Thriller, der mit zu den besten gehört, die ich jemals gelesen oder gehört habe. Da fallen auch ein oder zwei Ungereimtheiten nicht weiter ins Gewicht, wie z.B. die Tatsache, dass Lisbeth und Zalatschenko quasi Tür an Tür auf der Intensivstation liegen und zumindest in der ersten Zeit nicht bewacht werden. Jeder, der das Buch kennt, wird verstehen, was ich meine...
Im Grunde gibt es nur einen einzigen wirklichen Wermutstropfen, nämlich die Tatsache, dass Stieg Larsson verstorben ist und es wohl keine weiteren Thriller mehr geben wird um Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist. Wirklich ausgesprochen schade!
1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Die Känguru-Chroniken
Die WG mit dem kommunistischen Känguru...
von parden aus Deutschland am 24.01.2012
Marc-Uwe Kling lebt mit einem Känguru zusammen. Das Känguru ist Kommunist und steht total auf Nirvana.
Die Känguru-Chroniken berichten von den Abenteuern und Wortgefechten des Duos. Und so bekommen wir endlich Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit: War das Känguru wirklich beim Vietcong? Und wieso ist es schnapspralinensüchtig? Könnte man die Essenz des Hegelschen Gesamtwerkes in eine SMS packen? Und wer ist besser: Bud Spencer oder Terence Hill?
Ein Känguru als Mitbewohner klingt etwas bekloppt, und das ist es wohl auch. Doch die Dialoge zwischen Kling und dem ziemlich dreisten Beuteltier, das sich innerhalb weniger Tage in seinem Leben breit macht, sind einfach grandios. Albern, aber durchaus gesellschaftskritisch, vollkommen durchgeknallt, aber zum Schreien komisch.
Marc-Uwe Kling spielt mit einem kommunistischen Känguru Monopoly, schaut einen Blockbuster, nascht Schnapspralinen, philosophiert, besucht schwindsüchtige Psychiater oder eine Yuppie-Party - da kommt schon mancher Lacher zustande. Skurril auch die Geschichte, als die beiden einen Flug von Berlin Schönefeld nach Berlin Tempelhof nehmen, weil der 1 Euro billiger als die S-Bahn ist...
Gerade weil es sich hier um eine Live-Lesung handelt, kommt der Humor der Story, der Witz des Autors und Vortragenden perfekt rüber. Die Zuhörer, Geräusche und Lachen sind zwar zu hören, übertönen aber nie Klings Vortrag. Vielmehr wird man mitgerissen vom Gelächter und hat mehr Spaß als bei einer Studioaufnahme.
Wer Kabarett und den dementsprechenden Humor mag, liegt hier genau richtig. Und das Hören stelle ich mir in dem Fall durchaus amüsanter vor als das reine Lesen...
Bitte mehr davon!
0 von 0 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Reise zwischen Nacht und Morgen
Nicht nur bezaubernd...
von parden aus Deutschland am 08.10.2011
Valentin ist der Direktor eines Zirkus, der hochverschuldet ums Ãberleben kämpft. Da erhält er eine Einladung seines alten sterbenskranken Freundes Nabil, mit seinem Zirkus in den Orient nach Ulania zu reisen und dort bis zu Nabils Tod auf dessen Kosten zu leben und aufzutreten.
Obwohl gerade frisch verliebt, nimmt Valentin diese Wendung in seinem Leben an, zumal er auf der Suche nach den eigenen Wurzeln ist, die ebenfalls in den Orient führen...
Rafik Schami ist ein begnadeter Geschichtenerzähler in bester orientalischer Tradition - doch nicht im Sinne von 1001 Nacht, denn Schamis Geschichten sind auch in der Realität verankert. Aber er beherrscht die groÃe Kunst, Geschichten in der Geschichte zu verweben und zu einem groÃartigen Gesamtwerk erblühen zu lassen.
Neben der oft fast naiv wirkenden Art des Erzählens wirken die zeitweise auch harten Themen wie ein krasser Gegensatz. Aber Schami wäre nicht Schami, wenn es ihm nicht gelingen würde deutlich zu machen, dass das Leben aus vielen Facetten besteht. Und die Geschichte wäre keine gute, wenn sie nicht ein offenes Ende hätte...
Gelesen wird die knapp 8stündige Hörbuchversion von Markus Hoffmann. Dessen ruhige und beschauliche Erzählweise passt gut zur meist behäbigen Entwicklung der Geschichte. Dabei gelingt es dem Sprecher, den einzelnen Figuren auch durch Stimmvariationen einen jeweils eigenen Charakter zu geben.
Das Vorwort wird von Rafik Schami selbst gelesen, was der Geschichte nicht zuletzt auch durch den orientalsichen Akzent einen glaubwürdigen Anstrich verleiht.
Allen, die gerne Geschichten lauschen, in denen auch unangenehme Wahrheiten auf angenehme Art verpackt sind, sei dieses Höbuch empfohlen.
2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Der Vorleser
Der vorgelesene Vorleser - anspruchsvolles Hörbuch...
von parden aus Deutschland am 05.08.2011
Der zu Beginn fünfzehnjährige Ich-Erzähler, Michael Berg, beschreibt im ersten Teil des Buches sein leidenschaftliches Verhältnis zu der um einiges älteren Hanna, von deren Vergangenheit er fast nichts kennt und über die er auch nichts fragen darf. Nach dem ungeklärten Verschwinden Hannas überspringt der Text einige Jahre und Michael, der jetzt Jurastudent ist, wird durch einen von seiner Studiengruppe beobachteten Naziprozess gezwungen, auf die Ereignisse seiner Kindheit und auf deren Bedeutung für sein zukünftiges Leben, zurückzuschauen.
Was hätten Sie denn gemacht?", fragt die angeklagte KZ-Aufseherin den Richter. Eine Frage, die von jedem Leser von Bernhard Schlinks "Der Vorleser" eine Antwort fordert. Jedoch ist es Schlink gelungen, diese Frage nicht nur auf das immer wieder bearbeitete Thema der Vergangenheitsbewältigung, sondern auch auf die psychologische Charakterisierung der Figuren zu beziehen.
Die Originalität dieses Buchs liegt in der neuen Methode Schlinks, das Vergangenheitsbewältigungsthema zu bearbeiten. Der Naziprozess stellt die traditionellen Schuld- und Verantwortungsfragen, aber die Entwicklung Michaels nach dem Prozess und die Art und Weise, auf die er sich mit der Vergangenheit beschäftigt, führt die Vergangheitsbewältigung auf ein neues persönlicheres Niveau. Die Frage Was hätten Sie denn gemacht?" gilt somit nicht nur allgemein der Nazivergangenheit Deutschlands, sondern auch den persönlichen Ereignissen und Entscheidungen eines Individuums.
Hans Korte liest die ungekürzte Fassung des Buches getragen und gut betont. Auch wenn der Protagonist zu Beginn der Geschichte erst 15 Jahre alt ist, wirkte die Stimme nicht verfehlt, da das Geschehen in Rückblenden erzählt wird - chronologisch zwar, aber eben aus Sicht eines deutlich gealterten Michael Berg.
2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.










