Hörbuch-Rezensionen von Matthias
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Die Augen des Drachen
Der Herr der Servietten
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 08.01.2013
Eine Geschichte ohne viel Horror - eher ein kinderbuch, und die Ansprechhaltung des Erzählers ist auch eher gemütlich-verbildlich. Auch die Fantasy-Welt ist sehr einfach gestrickt und unterscheidet sich kaum vom typischen Märchenkönigreich der Grimms, gegen diese Welt ist die aus dem "Wizard of Oz" gradezu komplex.
Auch sonst bleibt alles in behaglichen Bahnen, Sturz und Befreiung eines Königssohns wird sehr detailliert und gemächlich erzählt. Witzig die Idee, so etwas Absurdes wie Servietten zum Leitmotiv des Romans zu machen - das ist typisch Kingscher Humor.
Ich habs gern gehört, aber es hat mich nicht so umgehauen wie "Es" und "Fluch". Klang wie eine Fingerübung zum Entspannen.
Dennoch werden Horror-Fans einige dunkle Anspielungen auf den von King so verehrten H.P. Lovecraft finden (den Nathan ja auch ausgiebig vorgelesen hat -kenner dieser Hörbücher werden schmunzeln) - da ist das Zauberbuch des irren Arabers und da sind die Tempel der Alten Götter... Aber das ist wie ein fernes Echo vergangenen Grauens und eher ein Anstubser für Insider.
David Nathan liest auch diesmal wieder ohne Fehl und Tadel.
2 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Komm, spiel mit mir
Tanja Geke
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 06.01.2013
Der roman hat so seine Längen und Schwächen, erinnert mich ein bißchen an "Klassentreffen", aber er ist ein guter Krimi von der Stange. Nett anzuhören.
Mal was zu Frau Geke - ich habe mich an andrer Stelle sehr über die Hörermeinung geärgert, sie sei "semiprofessionell" - also ich komme aus einer Branche, wo ich viel mit Sprechern zu tun habe, und kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Ihr Stil, sich sehr distanzlos in die wörtliche Rede zu stürzen, mag nicht jedem gefallen, auch mir nicht immer, aber das ist eine neue, mutige Art des Vortrags, der sich vom gewohnten distanzierten Lesen der alten Schule (die ich nicht missen möchte) unterscheidet. Ansonsten kenne ich kaum eine Frau, die so schwerelos und doch so treffsicher in den Betonungen erzählt wie Tanja Geke - da sieht man nie Buchstaben, es ist, als hole sie das aus sich selbst heraus. Man höre sich die Hörprobe an, was sie - fast wie aus dem Ärmel geschüttelt - aus dieser kleinen See-Schulausflug-Beschreibung rausholt. Für mich eine echte Könnerin, die noch an ihren schlechtesten Tagen besser liest als manch andre an ihren besten. Klingt wie Schwärmerei? Nee -ist eiskalte Analyse ;-)
Jedenfalls lohnt es sich auch hier, ihr zuzuhören.
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Beute (Prey)
Grandiose Einfälle
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 23.12.2012
King sagte mal singemäß über Stokers Dracula - die ersten 100 Seiten sind genial - der rest eher zu vernachlässigen.
Das trifft - vielleicht nicht gaz so radikal auch auf Beute zu - das erste Drittel ist ein Meisterwerk der Schauerliteratur, ein großer Wurf. Schade nur, dass Crichton ein Vorwort davorsetzt, das nicht nur zäh und zeigefingermäßig daherkommt, das ginge ja noch, aber das Vorwort ist im Grunde ein einizger spoiler und nimmt viel von der Eröffungsspannung raus.
Die zweite hälfte ist merkwürdig. Zum einen schildert Crichton die Ereignisse im Wüstenlaboratorium mit atemberaubender Phantasie und großen grausig-schönen Bildern - das ist kein Autor, dem nichts einfällt! Trotzdem hatte ich hier zuweilen das Gefühl, dass die schrecklichen dinge wie nebenbei, mit allzulässiger Sachlichkeit erzählt würden. (Ähnlich wie in Lost world) Einen Moment lang dachte ich, es liegt vielleicht an Rohrbeck - ich hab dann ganze Passagen nochmal gehört - nee, Rohrbeck ist auf Zack, wie immer. Es ist der sonderbar kühle Ton des romans, nicht des Sprechers, der mich manchmal genervt hat.
Trotzdem insgesamt 5 punkte für einen der einfallsreichsten Schauerromane, die ich seit langem gelesen hab.
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Der Cop
Brutal
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 23.12.2012
Zunächst erwartet man das nicht, in den ersten Stunden - dass dies hier nämlich eindeutig in die Rubrik Splatter-Horror gehört. Na gut, dachte ich nach kurzem Schock - nicht das, was du erwartet hast, aber warum nicht...Kann ja auch mal spannend sein. Und lässt man sich auf diesen knallharten Schocker ein, der einem nichts erspart und der in manchen Zügen an Kings "Sie" erinnert, ist das Buch stimmig und gut anzuhören. Auch wenn manchmal die Glaubwürdigkeit recht arg strapaziert wird. Das Ganze von Nathan gelesen - was will man mehr - ein solider Horrortrip für zwischendurch...
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Eine Studie in Scharlachrot (Sherlock Holmes 1)
Ein Muss für Holmianer!
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 23.12.2012
Für mich ist das Erscheinen des kleinen Romans ein Glücksfall. Aus mehreren Gründen: Erstens - als Signal. Nach langer Pause macht Audible mal wieder einen Klassiker! Das ist für mich der beruhigende Beweis, dass der Sinn für schöne Bücher bei audible nicht verlorengegangen ist im Bestsellerrausch - toll, dass ihr auch an die fans denkt, die gern in alten Sachen schmökern, danke!!!
Zum zweiten - man könnte sich fragen - wieso schon wieder holmes - gibts doch schon ohne Ende als HB! Klar - aber viele Hör-Bücher haben einen Knacks weg. Entweder dröge gelesen, oder gekürzt, oder in einer alten lizenzfreien, aber sonst eher staubigen Übersetzung.
Hier sind alle diese Probleme beseitigt -ungekürzt ist sowieso klar, und benutzt wird die derzeit beste und genaueste Übersetzung des Haffmann-Verlags, die später "Kein und Aber" und "Insel" übernommen haben - für Holmianer das non plus ultra, weil sie sehr genau ist und trotzdem ein bißchen den Charme der alten Sprache beibehält, ohne betulich zu werden.
Und es liest Erich Räuker - eh eine ideale Besetzung bei Klassiker-Texten- hab schon die Poe-Geschichten sehr genossen - hier passt aber seine leicht vornehm-distanzierte Manier besonders gut zu den Texten.
Alles schön - mit kleiner Einschränkung - der erste Roman ist noch etwas wacklig auf den Beinen. Holmes ist zwar schon ganz auf der höhe, und hier wird erzählt, wie Watson ihn kennenlernt. Doch das letzte Drittel rinnert mich dann doch zu sehr an die (schlechteren) Geschichten von Karl May.
Trotzdem - schön, dass das buch da ist!!! Hoffentlich gehts bald weiter.
11 von 11 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit
Paris-Biographie
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 04.12.2012
Eigentlich habe ich das Buch geladen als Offenbach-Fan - und hätte stutzig werden sollen: Das Werk wurde von keinem Musikspezialisten verfasst, sondern von einem der faszinierendsten Soziologen der Vorkriegszeit und stammt von 1937.
Und dementsprechend erfährt man nicht so viel über Musik - der eigentliche Held ist das Paris 1830-80, und hier erzählt Kracauer so amüsant, anekdotenreich und wortgewandt, dass nichts angestaubt wirkt und auch Opernmuffel auf ihre Kosten kommen. Endlich weiss ich, wie sich eine Kurtisane von einer Prostituierten unterscheidet, was eine Grisette ist und wie die Boulevardpresse erfunden wurde.
Einzig der Versuch, mitunter subtil Parallelen zwischen 2. Kaisereich und Nazizeit zu ziehen, muten heute verharmlosend an -1937 war so ein Vergleich noch möglich,
aus heutiger Sicht wirkt Napoleon III neben Hitler wie Gandhi persönlich.
Der Sprecher macht seine Sache gut, eine enthusiastische, jugendliche Stimme, die absolut die Begeisterung Kracuaers für sein Thema transportiert und nix Belehrendes oder Blasiertes hat - einfach toll. Einziges Manko - dass manche Namen schaurig falsch ausgesprochen werden. Cimarosa ist hier Kimarosa - naja, manche sagen ja auch Kina statt China, geschenkt. Aber der französische Stadtplaner Haussmann wird meines Wissens 'Ausmann gesprochen, wie der Komponist Thomas hinten sein s verliert. Und es ist wohl kein schnöseliges Bildungsbürgertumgebaren, wenn man erwartet, dass Eurydike so ausgesprochen wird, dass man sie als Frau vom Orpheus wiedererkennt. Oder? ;-) Naja, vielleicht doch im 21. Jahrhundert, wo man sich entschuldigen muss, dass man überhaupt so was weltfremdes wie griechische Sagen kennt. Aber, beim Zeus, es gibt doch Ausspracheduden...
Sonst - für 5 Euro wirklich viel gelernt, ohne mich zu langweilen!
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Ich kenne Dein Geheimnis: Enthüllungen eines Wundermachers
Enthüllung einer Zwiebel
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 03.12.2012
Also enthüllt wird hier erstmal so gut wie nichts. Oder doch nur scheinbar. Denn hinter dem Enthüllten kommt ein neues Geheimnis zum Vorschein, das auch mysteriös bleibt.
Wär ja auch berufllicher Selbstmord, wenn ein Magier seine Tricks aufdeckte...
Bei einem engstirnigen Zauberer könnte diese Technik der Scheinenthüllung schnell zum Geschwätz ausarten. Hier erlebt man eine (positive) Überrschung - statt handfesten Tipps zum Zaubern erfährt man viel Kluges über Lebensführung und Empathie, und zwar so unaufdringlich und gewitzt, dass es nie überheblich oder besserwisserisch klingt. Zwischendurch gibts spannende Erlebnisse aus Beckers Berufsleben.
Ich hab gern zugehört.
Nicht zuletzt Oliver Siebeck wegen. Sein Sachbuch-Vortragsstil ist toll. Er findet sich immer öfter auf meinem Merkzettel. Wohl auch deswegen, weil die Titel, die er liest, vielseitiger werden: Fantasy, Krimi, Bond... Danke an audible.
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Der Architekt
Sooo schlecht nun auch wieder nicht
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 29.11.2012
Freilich - wir sind inzwischen auch in Deutschland verwöhnt durch gute Thriller. Man spürt, dass Jonas Winner das weiß. Er bemüht sich um eine intelligente Konstruktion.
Und schießt übers Ziel hinaus, das hier ist ZU ausgeklügelt, genau die Spur ZU intellektuell für einen flüssigen Thriller, Winner tut alles, um aus einem potenziell gewitzten Krimi eine langweilige Spielwiese für Experimente zu machen. Zwei Handlungsstränge, die ihrerseits dann auch noch wieder in eine Rahmenhandlung einbettet werden, Handlung 1+2 und Rahmenhandlung sollen alle gleichermaßen verstören - da hat einer alles gewollt und alles verspielt.
Oder doch nicht alles? Streckenweise ist das Buch beklemmend und eindringlich geschrieben. Besonders die Gespräche zwischen Architekt und Journalist sind gelungen und knistern vor Spannung.
Und Uve Teschner anhören lohnt sich fast immer - auch hier! Wie schon öfter hat er ein im Grunde zweitklassiges Buch durch seine Kunst geadelt. Es wird Zeit, dass ihm so langsam auch die Creme angeboten wird. Die vielen Kritiken sprechen für sich - Jaaaah, audible, wir sind jetzt alle überzeugt von Uve Teschner, also genug der B-Movies, jetzt wolln wir die A-movies mit ihm!!! ;-)
Ich freu mich schon auf "Das Schweigen der Lämmer."
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Leben und sterben lassen (James Bond 2)
merkwürdiger bond
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 16.11.2012
Ein kommunistisch gesinnter voodoo-Priester, den manche für einen Zombie halten und der Piratengold schmuggelt??? Alter Schwede - also besonders glaubwürdig ist dieser Plot nicht, aber das trifft ja auch auf die meisten Filme zu. Auch sonst hat dieser Bond nicht die Dichte und Geschlossenheit des ersten Teils - ein Schauplatz jagt den nächsten und von elegsnter Konstruktion kann keine Rede sein - es klingt, als hätte Fleming aus seinen Notitzbüchern einen Haufen Einfälle verbraten, die sich sonst in keinem andern Buch unterbringen ließen.
Trotzdem - schöne Sprache, schrille Einfälle, grade am Ende sehr spannend und exotisch . manch einer wird so bald nicht wieder im Meer baden.
Ich weiß, die Grippe hatte fast ganz Berlin vor einigen Wochen im Würgegriff - deswegen hab mich mit O.Siebecks diesmal sehr brüchiger Stimme arrangiert. Gegen Schluß wirds besser.
2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Der Fluch
Jaaahhhh!!!!
von Matthias aus Berlin, Deutschland am 14.11.2012
Ich habe die King-Nathan-Reihe von Anfang an verfolgt - und ihre Höhen und Tiefen miterlebt. das heißt, als Tiefpunkt habe ich eigentlich nur "Talisman" empfunden. Nun ist ein Werk aufgetaucht, das ich noch nicht kannte - und jezt gesellt sich zu meinen Audible-Lieblingsbüchern "Es" und "Der Anschlag" auch dieser kleine, aber feine Roman.
Er hat die Gelassenheit und den schwarzen Humor anderer King-Werke, ist sozialkritisch und voller böser Überraschungen, die man bei einem so einfachen Thema nicht erwarten würde. Aber das Beste ist das Erzähltempo, die Spannung, die von Kapitel zu Kapitel anzieht. Vorhersehbares Ende? Keineswegs!
Wunderbare Figuren gibt es hier - den koksenden Arzt liebe ich sehr, aber vor allem den Humphrey-Bogart-Verschnitt Ginelli, der den Laden genau in dem Moment so richtig aufmischt, als dem Roman die Puste auszugehen scheint, herrlich gelesen von David Nathan! Ich hoffe, ich werde in den nächsten Jahren so senil, dass ich die Schlusspointe vergesse - denn ich würde das buch zu gern noch mal genießen. Und das kommt gar nicht so häufig vor.
12 von 12 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.










