Hörbuch-Rezensionen von Andrea
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Little Bee
Abgesang der Barmherzigkeit
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 21.06.2012
Es ist wie so oft: Der äußere Schein trügt. Was sich hinter Scherenschnitt, sonnengelber Farbe und niedlichem Titel verbirgt, ist erschütternd. „Noch ein paar wenige Atemzüge, dann werde ich traurige Worte zu euch sprechen. ...“ kündigt die Titelfigur an und es geschieht genau so. Little Bee, 16-jährige Nigerianerin sitzt in englischer Abschiebehaft und erzählt ihre Geschichte. Hervorragend vorgetragen von Sarah Alles. Auch Britta Steffenhagen hat mich komplett überzeugt. Sie übernimmt die Rolle der Sarah, die in England lebt und durch ein tragisches Ereignis mit Little Bee verbunden ist. Sicher muss man sich hinterher fragen, was ein Menschenleben wert ist und man selbst bereit ist, dafür zu geben. In einer Zeit, in der wir täglich bombardiert werden mit Nachrichten und Bildern aller Art, die sich zum visuellen Overkill hin gegenseitig neutralisieren, werde ich trotzdem in Zukunft genauer hinhören und hinschauen, wenn es um Nigeria geht.
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Der Wald
Solider Horror
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 14.06.2012
Ein Campingausflug soll’s richten. Scott hat eine neue Freundin und damit seine Kinder sie besser kennenlernen wird gemeinsam gewandert. Mit dabei ist das befreundete Ehepaar Alice und Arnold Gordon und deren Kinder.
Von Alice hört man immer nur ein „AAAARNOLD!“, sobald dieser mit Bemerkungen unter die Gürtellinie schießt. Diese Frau find ich richtig witzig. Alle anderen Protagonisten entsprechen einem Stereotyp: Scott, ausgehungerter Ex-Ehemann, bekommt des Nachts in Karens Zelt ordentlich was geboten. Karen, liebenswerteste Person ever, versucht mit Julie gut auszukommen. Julie (16), anfänglich widerwillige Rotzgöre, verliebt sich in Nick (17). Nick seinerseits ist ein dufter Typ, hadert und zweifelt aber an sich selbst. Arnold Gordon, ein brummiger Ex-Soldat, markiert den Starken, ist aber schwer traumatisiert vom Krieg. Dann wären da noch Benny (13), schwer verliebt in Papas neue Flamme und die Zwillinge Rose und Heather (10), die Benny das Leben während der Wanderung schwer machen. Puh, normaler geht’s kaum. Doch dann wird’s schaurig und brutal. Wer Laymons Bücher hört, sollte wissen worauf er sich einlässt. Mich hatte es nach 2 Stunden dermaßen gepackt, dass ich das HB in einem Rutsch gehört habe. Uve Teschner hatte daran einen großen Anteil. Ich habe ihm sehr gern zugehört.
11 von 12 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
The Stand: Das letzte Gefecht
Zutiefst fesselnd mit megastarkem Nathan
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 30.05.2012
Da ist es also. Das Hörbuch, das seit seiner Ankündigung unbändige Euphorie bei mir auslöst. Noch am Erscheinungstag höre ich den ersten von insgesamt acht Teilen durch. Geduld soll eine Tugend der Erwachsenen sein. In diesem Fall schrumpft meine auf Kleinkindniveau zurück.
In wenigen Wochen rafft die Grippe die amerikanische Bevölkerung dahin. Beschreibungen des Ausbruchs und der verschiedenen Stadien der Erkrankung lassen Großes vermuten. Schon jetzt hat King eine beachtliche Besetzungsliste geschaffen. Trotzdem gerate ich nicht ins Straucheln. Jeder Charakter wird eingängig beschrieben und bleibt im Kopf. Die Überlebenden hadern, durchstreifen die Staaten, kämpfen ums Überleben und finden sich in immer größer werdenden Gruppen zusammen. Die Guten sind auf dem Weg nach Osten, die Bösen wenden sich nach Westen. Warum, das möchte ich hier nicht vorwegnehmen Und King kann das auch viel besser erzählen. Ach, was soll’s. Es brennt mir unter den Nägeln. Eine Situation möchte ich doch als eine von unzähligen anderen Beispielen erwähnen: Um dem toten New York zu entfliehen, muss einer der Protagonisten durch einen kilometerlangen Tunnel. Finster, voller Autos mit Leichen. Hier entfaltet sich Kings ganzes Können. Da stockt mir beim Zuhören der Atem, weil ich mitleide, auf ein gutes Ende hoffe und doch Schlimmes erwarte. Wenn er seine fantastische Geschichte in epischer Breite schildert, dann bin ich begeistert. „Ich schreibe mit dem Herzen“, sagt King. Ja, so ist das wohl. Besser lassen sich atmosphärische Dichte, tiefgründige Charakterstudien und Detailtreue nicht beschreiben. Als das Ende kommt, lausche ich fast wehmütig nach. Soll es das wirklich gewesen sein? Manchmal sind 54 Stunden viel zu kurz.
David Nathan. (Mehr braucht es nicht, um eine Bewertung zur Leseleistung abzugeben.)
Vielen Dank Audible – ich könnt’ euch drücken.
4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Blackout: Morgen ist es zu spät
Filmregisseure hätten ihre Freude daran
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 29.04.2012
Was für ein Szenario! Großartig recherchiert. Die Folgen des Stromausfalls werden im privaten und öffentlichen Leben unglaublich schauerlich beschrieben. Steffen Groth als Sprecher macht eine Einmannshow daraus. Manchmal ist es ein bisschen arg viel an Dialekt und Betonung, aber die guten und hörenswerten Sequenzen überwiegen.
Wenn das mal verfilmt werden sollte, würde ich ins Kino gehen. Falls diese Geschichte mal Realität werden würde ....na dann Gute Nacht.
2 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Die Apostel der Apokalypse (Earlam-Chroniken Staffel 1)
Nichts Neues aus London
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 03.04.2012
Bei den Earlams handelt es sich um zwei Brüder, Paul und Ethan. Paul sitzt im Rollstuhl, hadert mit seinem Schicksal und zieht sich zurück. Erst als ihn sein Ex-Kollege bittet, einen früheren Mordfall noch mal zu untersuchen, blüht er wieder auf. Zusammen mit Bruder Ethan, Butler Hamilton und Sandkasten-Freundin Kate geht es auf Verbrecherjagd.
Laut Beschreibung spielt die Geschichte in den 1930ern. Allein durch den liebenswerten und überaus korrekten Butler kann der Charme dieser Jahre aber nicht vermittelt werden. Die Ausdrucksweise und die Geräusche lassen eher ein Bild aus neuerer Zeit entstehen. Außer Simon Jäger und Engelbert von Nordhausen waren mir alle SprecherInnen nicht bekannt. Aber ich freue mich immer über neue Stimmen. Und wenn sie ihre Sache dann auch noch gutmachen, na bitte. Besonders Diana Radnai als Kate lässt aufhorchen. Da geht noch was.
Die Geschichte als solche ist nicht besonders originell. Schnell ahnt man, worauf es hinauslaufen wird. Dem Verlauf kann man ganz unaufgeregt und nebenbei folgen. Für die Fortsetzungen gibt’s noch jede Menge Luft nach oben.
1 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Der Mahlstrom
Glaubwürdiges und fesselndes Puzzle in rauer Gegend
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 29.03.2012
Die Kurzbeschreibung klang – ich sag mal – harmlos. Autor und Sprecher waren mir nicht bekannt und so machte ich erstmal einen Bogen um das HB. Allein den Handlungsort fand ich interessant. Was Frode Granhus hier abliefert, hat mich dann angenehm überrascht. Die Story ist alles andere als harmlos. Die Kurzbeschreibung teilt in ausreichender Form den Anfang des HB mit. Was man ihr aber nicht entnehmen kann, ist, dass der Autor sehr gekonnt eine spannende Verbrecherjagd beschreibt. Beide Handlungsstränge decken menschliche Abgründe auf, schildern Figuren beim Scheitern in ihrem Leben, beim Haltverlieren. Mit unaufgeregter, kühler Sprache schafft Granhus eine beklemmende Atmosphäre und Mitleid stellt sich ein. Was bei der Geschichte passiert, lässt sich schwer voraussagen. Und je näher man des Rätsels Lösung kommt, desto mehr Opfer säumen den Weg. Bis zum Ende folgen intelligent eingefädelte Wendungen.
Neben der berechtigten Anerkennung für den Autor trägt Achim Buch seinen Teil dazu bei, dass man der Handlung mit der nötigen Faszination folgt. Als Audibler hört man ja mit anderen Ohren, meistens hoch sensibilisiert und oft überaus kritisch. Schon nach den ersten Minuten weiß man, ob’s gut geht oder nicht. Nach dieser bravourösen Leistung werde ich bei Lesungen von Achim Buch ab heute bedenkenlos zugreifen.
Ein Thriller? Nein. Ein Krimi? Ja, und zwar ein richtig guter.
Der Autor arbeitet bereits an einer Fortsetzung. Richtig so.
9 von 10 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Niceville
Umständlich - Ohne Erinnerungswert
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 13.03.2012
Michael Hansonis klingt oft wie Marlon Brando in Der Pate. (Aach, Bonasera, Bonasera, was habe ich Dir bloß getan, dass Du mich so respektlos behandelst?) Kennen wir ja alle. Hätte er die rauchige und heisere Stimme einer Person zugeteilt, wär’s in Ordnung gewesen. Aber oft spricht er die Handlung mit dieser Stimme und damit animiert er mich als Zuhörer des Öfteren zum Räuspern. Und nötig hat er es ganz sicher nicht. Seine (normale) Stimme – wie im Audible Exklusive Interview – kann sich hören lassen. In der zweiten Hälfte des HB wird’s übrigens auch besser.
Der Vergleich mit Stephen King ist soweit in Ordnung als das der Autor eine Stadt und deren Bewohner in mysteriösen, kriminellen, abenteuerlichen und bedrohlichen Situationen zu beschreiben versucht. Die Betonung liegt auf versucht. Während King 10 Hauptcharaktere und viele Nebenfiguren spielend unterbringt ohne zu verwirren, gelingt es diesem Autor nur bedingt. Was man ihm allerdings nicht vorwerfen kann, ist, dass er keine Ideen hätte. Wohlwollend betrachtet setzt sich ein Erzählstrang mit dem Verschwinden des kleinen Rainey und einem mysteriösen schwarzen See auseinander. Ein anderer beschäftigt sich mit einem Banküberfall mit ungeahnten Folgen und dann gibt es noch den ganz üblen, gewalttätigen, rachsüchtigen Bösen. Aber es gibt Anfangsschwierigkeiten. Im Minutentakt werden einem die Namen der Bewohner und ihr Beziehungsgeflecht um die Ohren gehauen. Respekt wer da mitkommt. Hinzu kommt das ausgeprägte Vergnügen des Autors am Rätselmachen. Leider gibt es keine Garantie dafür, dass der Spaß beim Entschlüsseln genauso groß ist.
Nach 14 Stunden ist dann Schluss. Fast. Denn hier handelt es sich um eine Trilogie, die in Buchform wohl erst 2013 fortgesetzt wird. Ob ich sie lesen werde? Aus heutiger Sicht eher nicht.
5 von 5 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Eden
Schnell, hart und unerbittlich
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 11.02.2012
Allein der Anfang! Harris wird nachts wach – und ist von Zombies umzingelt. Monchinski packt für seinen Protagonisten gleich zu Beginn die Horroraxt aus. Gruseliger geht’s kaum noch. Harris lebt mit anderen Überlebenden in einem ummauerten, vermeintlich sichereren Flecken Erde in New York. Die Bewohner nennen ihn Eden. Als Hörer hatte ich nicht das Gefühl mich auf Dauer dort wohlfühlen zu können. Drinnen versuchen sie ein normales Leben zu führen, draußen toben die Zombies herum. Monchinski findet einen nahezu sicheren Weg, wie die Überlebenden an Medikamente und Lebensmittel gelangen und er packt verschiedene Arten von Zombies in die Handlung. Der stolze, pfiffige und letztendlich doch verletzliche Harris, der so gar nicht dem flüchtenden Bürger dieser Zeit entspricht und Situationen meistert, ganz ohne Superkräfte, beeindruckt.
Der Autor hat seine Kapitel in einen großen Topf geworfen, sie anschließend wahllos herausgezogen und aneinander gereiht in das Buch gepackt. Da bekommt man beim Hören schon mal einen etwas rätselhaften Blick. Was in Buchform durch die optische Abgrenzung funktioniert, wird in Hörbuchform zum Verwirrspiel. Hier wären einige Sekunden Pause zwischen den Kapiteln hilfreich gewesen. Jedoch gelingen dem Autor die Charaktere, die Beschreibungen des Ausbruchs und der Folgen so gut, dass ich rein gar nichts gegen eine Fortsetzung hätte.
Das 20-minütige Vorwort ist zwar lang, aber es gibt einen Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses Buches. Und man kann sich zurücklehnen und entspannt zuhören. Genießen Sie es! Danach wird es hart, beunruhigend hart bis hin zu einem rasanten Ende, das ich in dieser Form noch nirgends gelesen bzw. gehört habe.
Martin Kessler liefert hier eine beispielgebende Leseleistung ab. Das Zusammenspiel zwischen dem Klang der Stimme und seinem Gespür für Betonung ist für den Hörer ein absoluter Glücksfall. So etwas nennt man Talent.
12 von 13 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Stadt der goldenen Schatten (Otherland 1)
Zwischen den Welten
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 11.12.2011
Puh, was für eine harte Nuss. Nach dem ersten Anhören irrlichterte ich nach Sinn und Handlung. Der Ideenreichtum in Otherland ist bemerkenswert, wirkt aber verwirrend. Ich konnte einfach keine Zusammenhänge erkennen. Warum ich es mir ein weiteres Mal anhörte? Ein derart aufwendig inszeniertes und mit vielen guten und bekannten Sprechern gespicktes Hörspiel verdiente eine zweite Chance. Außerdem packte mich der Ehrgeiz. So schwierig konnte es doch nicht sein.
Beim zweiten Mal griff ich zur Unterstützung auf die beim Download angehängte pdf-Datei zurück. Und siehe da, es wurde Licht. Jetzt konnte ich den vielen Handlungssträngen folgen und die Unmengen an eigenwilligen Namensgebungen prägten sich ein
Die Sprecherriege ist eine Ohrenweide. Darunter viele Könner, die sehr gut miteinander harmonieren. Manch ein Sprecher kommt hier ganz anders in Wallung als man ihn kennt. Die Musik- und Geräuschkulisse, die wie eine Klangdusche wirkt, sucht tatsächlich ihresgleichen. Da hat ein Regisseur ganze Arbeit geleistet. Applaus und Bravo-Rufe.
Schade, dass keine Einführung aus dem Off angeboten wird, damit auch mitkommt, wer gar keine Vorkenntnisse hat. Vor allem der Anfang ist risikoreich, weil er bedingungslos dem Lärm frönt und damit wohl einigen Hörern vor den Kopf stoßen kann.
Fazit: Erst pdf-Datei lesen und dann genießen.
6 von 8 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.
Schweinskopf al dente
Herrlich skurril – ein echtes Vergnügen
von Andrea aus Lauenau, Deutschland am 03.12.2011
Wenn die Kleiderordnung wichtig wird, wenn statt Jeans und Lederjacke die scheiß grüne (Eberhofers Worte) Uniform den Dresscode bestimmt und der Träger mit stolz geschwellter Brust durch Zeit und Raum schlendert, dann gab’s eine Beförderung. Und zwar eine, die mit einem glitzernden Stern auf der Uniform kennzeichnet ACHTUNG! Ich bin Kommissar. So geschehen am Anfang des dritten HBs von Rita Falk. Derart angetan von seiner Beförderung darf der Eberhofer auch die erste Viertelstunde des HB darüber schwadronieren. Es sei ihm verziehen. Zumal er zunehmend angepisster wird, weil’s kaum jemand gleich bemerkt. Die Autorin lässt sich dieses Mal viel Zeit. Als der eigentliche Fall beginnt und auch der titelgebende Schweinskopf auftaucht verstreichen viele Minuten. Aber auch ihr sei verziehen. Denn bis dahin durchlebt der Eberhofer das Martyrium der Fastenzeit, shoppt mit der Oma bei Praktika und nutzt seinen Dienstgrad beim hiesigen Heizungspfuscher aus. Herrlich komische Situationen, die sie da beschreibt. Der Eberhofer ist ein Unikum. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, sagt wie’s ist. Das ist meistens sehr amüsant. Die Geschichte lässt sich mit einer wunderbaren Leichtigkeit anhören, obwohl es sich um einen Krimi handelt.
Auf Christian Tramitz darf man sich freuen und es liegt ganz offensichtlich auf der Hand: Er ist der heimliche Star. Obwohl der Autorin diese Geschichte, was den Kriminialfall betrifft, nicht ganz so gut gelingt, hebt Tramitz durch seine Inszenierung das HB in den Olymp. Ich höre ihm sehr, sehr gerne zu.
18 von 18 Hörern fanden diese Rezension hilfreich. Zum Abstimmen hier anmelden.










