Hörbuch 'Der Lilith Code (Lilith 1)'

Vier Arten meinen Vater zu beerdigen

Hörbuch Inhalt

BESCHREIBUNG


Wie beschreibt eine Frau den sexuellen Missbrauch durch den eigenen Vater? Anklagend, mitleiderregend, als Betroffenheitsbericht? Man kann seinem Vater auch ein literarisches Begräbnis graben. Liane Dirks ist das in ihrem Roman "Vier Arten meinen Vater zu beerdigen" ohne Haß oder Schuldzuweisung gelungen. Über ihn zu erzählen, ihn sogar beim Namen zu nennen, das ist eine der vier Arten, diesen Vater endgültig zu beerdigen. Ihr gelingt es, Verständnis für die Tat des Vaters zu wecken, indem sie dessen Lebensgeschichte von Geburt an erzählt. Denn kein Kind käme mit einem Schild auf der Stirn zur Welt, auf dem stünde: "Ich werde Sexualstraftäter". Es sei einfach eine Entwicklung, so die Autorin in einem Interview.

©2002 Kiepenheuer & Witsch (P)2012 Random House Audio



Autor: Liane Dirks
Sprecher: Liane Dirks
Spieldauer: 07 Std. 22 Min. (ungekürzt)
Bewertung:  4.7 (3)
Audioinhalt: Hörbuch
Anbieter: Random House Audio, Deutschland
Veröffentlicht: 2012

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 Geschichte eines Menschen

von raideninc aus Dortmund, Deutschland am 27.01.2013

Nietzsche kannte in seiner Moralphilosophie ein Prinzip, das er u.a. "nachträgliche Vernünftigkeit" nannte. Gemeint ist, dass wir (moralische) Entscheidungen treffen, und uns im Nachhinein dafür eine Begründung zurecht legen - und da diese Begründung nachträglich ist, ist sie immer von der eigentlichen Entscheidung losgelöst, getrennt, fiktional. Unwahr.

Liane Dirks Schilderung des Lebens ihres Vaters kommt (fast) durchgehend ohne Begründungen aus, ohne "nachträgliche Vernünftigkeit", ohne Erklärungsmodelle.
Sie schildert das Leben, ohne es zu begründen. Denn seien wir ehrlich: Jede Begründung wäre nachträglich, fiktional, unwahr.
Was bleibt ist eine Biographie, die den Leser allein lässt. Allein mit Hoffnung, Zweifel, Schock, Abscheu, Mitleid, Trauer, Fragen - aber mit einem nicht: Unglauben.
Und allein gelassen bleibt es jedem selbst überlassen, seine eigenen Antworten zu finden. Und ist das nicht der Effekt eines jeden guten Buches?
Gerechtigkeit, Fairness, Buße - das alles ist nicht Teil von Liane Dirks Geschichte; es war nicht Teil von Günther Dirks Geschichte. Ohne Pathos, ohne emotionale Effekthascherei, aber in seiner Wirkung doch mit einer klaren Wertung.

Die Autorin liest selbst. Sowas kann man eigentlich gar nicht bewerten. Wer, wenn nicht die Autorin, kann schon sagen, wie etwas gelesen werden soll? Eindringlich ist es geworden. Persönlich. Es geht unter die Haut, je weiter die Lesung voran schreitet.

Wer Verteufelung sucht, ließt/hört lieber ein anderes Buch; dieses kommt durchweg ohne sie aus - braucht sie gar nicht - und zeichnet dennoch ein klares Bild: Von manchen Erfahrungen kommt man Zeit seines Lebens nicht los. Aber es hilft, den Missetäter zu beerdigen. Und manchmal, ein Buch darüber zu schreiben.

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