Highlander meets Final Destination (1)
von
Wolfgang
aus
Schladming, Österreich
am
25.01.2013
Konstantin Korff, Bestattungsunternehmer ist darauf spezialisiert, die aus dem Leben Geschiedenen für eine offene Aufbahrung würdevoll zu präparieren. Doch seine Beziehung zum Ende ist eine weitaus vielschichtigere. Als Todesschläfer gehört er zu jener kleinen Gruppe von Menschen, die für den Tod unsichtbar sind. Wann immer sie in Schlaf verfallen, beginnt er sein Wirken in ihrer unmittelbaren Umgebung, ohne sie jedoch jedoch selbst mit sich reißen zu können. Von einem befreundeten Geheimagenten erfährt Korff von einem weiteren Verfluchten, der unter unkontrollierbaren Schlafattacken leidet und so bereits tausende Menschen in den Tod gerissen hat. In den falschen Händen kann dieser Mann zu einer gefährlichen Massenvernichtungswaffe werden, und so beginnt ein atemloses Spiel, in dem die unterschiedlichsten Interessen aufeinanderprallen.
Mit "Oneiros" bearbeitet der renommierte deutsche Fantasy-Autor Markus Heitz den Mythos der Unsterblichkeit und läßt seine Geschichte ganz bewußt als eine Mischung aus "Highlander" und "Final Destination" erscheinen. Allerdings fehlt der mit bombastischem Soundtrack untermalte heroische Beigeschmack ersteren Films. Vielmehr hält sich Heitz an seinen Untertitel und läßt die Unsichtbarkeit für den Tod als einen traurigen Fluch erscheinen, der für Betroffene die Unfähigkeit zu engen sozialen Bindungen und für die Gesellschaft ein unkalkulierbares Risiko bedeutet. Wie im zweiten Film tritt der Tod nicht als wertfrei entretendes Lebensende, sondern als wütendes Bewußtsein auf. Damit reiht der Autor sich - gewiß nicht als letzter - in eine jahrhundertealte Tradition in der Kunst ein. Ringt man sich zu dem Ansatz durch, den Tod als seine Opfer bewußt wählend darzustellen, stößt man auf die mittelalterliche Form des Totentanzes oder auch konkrete Werke wie Johannes von Tepls "Ackermann von Böhmen" und Hugo von Hofmannsthals "Jedermann". All diesen Werken ist jedoch gemein, daß der oft "Sensenmann" Genannte als anthropomorphe Figur erscheint, bei Heitz entfällt diese Konkretheit zugunsten einer diffusen, jedoch nicht minder zielgerichtet agierenden Form.
Mit der Figur des Konstantin Korff spielt der Autor auch auf den Topos von Eros und Thanathos an. In diesem auch von Schubert vertonten Motiv aus der Renaissance wird die Schönheit eines jungen Mädchens mit deren Vergänglichkeit kontrastiert. Im Zuge des Abenteuers hadert Korff immer wieder mit seiner Unfähigkeit, sich einer amourösen Beziehung hinzugeben, da eine Frau an seiner Seit unweigerlich dem Tode geweiht wäre.
Als heimlicher Sympathieträger entabliert sich auch der Charakter Thielke, der als gesetzloses Rauhbein eingeführt sukzessive seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn offenbart und erscheint, als hätte sich Josef Matula zu einer Karriere als Kopfgeldjäger entschlossen.
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