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Nicolas Rutschmann

Stuttgart

22
Mal mit
„hilfreich“
bewertet
  • 20 Rezensionen
  • 22 Bewertungen
  • 21 Bücher in Bibliothek
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  • Nullnummer

    • ungekürzt (06 Std. 06 Min.)
    • Von Umberto Eco
    • Gesprochen von Felix von Manteuffel
    • Whispersync for Voice verfügbar
    Gesamt
    (103)
    Sprecher
    (93)
    Geschichte
    (95)

    Korruption, Intrigen, Verschwörungstheorien. Eine echte (?) Nullnummer. Mailand, 6. Juni 1992, nachts. Bei dem Journalisten Colonna ist eingebrochen worden...

    Mata Hari sagt: "Der beste Eco seit dem "Foucaultschen Pendel""
    "Weltklasseautor diesmal Local Hero"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    Umberto Eco zu kritisieren kommt für viele einer Majestätsbeleidigung gleich. Zu übermächtig nehmen „Der Name der Rose“ oder „Das Foucaultsche Pendel“ ihren ehrwürdigen Platz in der Literaturgeschichte ein. Trotzdem möchte ich, kleinlaut zwar, aber doch mit Bestimmtheit anmerken, dass die „Nullnummer“ aus meiner Sicht nicht der ganz große Wurf des Autors ist. Bei der Hörfassung störte mich vor allem der leicht betagte Sprecher. Für „Harry Potter“-Romane mag er sehr gut geeignet sein, aber um überzeugend in die Haut des relativ jungen Protagonisten aus der „Nullnummer“ zu schlüpfen, hat er schlichtweg einige Jährchen zu viel auf dem Buckel. So lässt er das Buch und sein Thema antiquierter wirken, als es in Wirklichkeit ist. Eine junge, lebendige Stimme hätte dem ganzen eine viel aktuellere Note und mehr Dringlichkeit verliehen. Auch dem Buch selbst haftet die Schwäche an, dass es nicht das gewohnt „ganz große“ Thema ist, sondern sich zu sehr mit spezifisch italienischen Bedürfnissen und Geschichtsfragmenten befasst, ohne dem internationalen Leser genug Brücken zu bauen, um voll und ganz in die Szenerie eintauchen zu können. Das ist durchaus legitim, man muss selbst als großer Autor nicht immer für ein globales Publikum schreiben. Dann jedoch darf man sich – auch postum – solch eine Kritik gefallen lassen.

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  • Erkenne die Welt: Antike und Mittelalter (Eine Geschichte der Philosophie 1)

    • ungekürzt (18 Std. 39 Min.)
    • Von Richard David Precht
    • Gesprochen von Christian Baumann, Richard David Precht
    • Whispersync for Voice verfügbar
    Gesamt
    (696)
    Sprecher
    (631)
    Geschichte
    (626)

    Im ersten Teil seiner auf drei Bände angelegten Geschichte der Philosophie beschreibt Richard David Precht die Entwicklung des abendländischen Denkens...

    Kliniker sagt: "Was für ein Werk ..."
    "Philosophischer Exkurs mit Blick"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    In der TV-Kritik zu einer Talkshow habe ich einmal gelesen: "Richard David Precht zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er glotzt.“ Kritiker und Neider dieses omnipräsenten Philosophen und Publizisten sind sicherlich geneigt, zu solch abwertenden Worten zu greifen. Ich hingegen bin jedes Mal erfreut, wenn Precht in einer Talkshow als Gast angekündigt wird, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass er zu relevanten Themen der Gegenwart grundsätzlich eine mutige, vor allem aber für jeden verständliche Meinung abzugeben hat. Damit setzt er sich wohltuend von vielen Intellektuellen ab, die in der Öffentlichkeit gerne in Rätseln sprechen, um damit ihre erhabene Rolle klar zu definieren.

    Das vorliegende Hörbuch zur Geschichte der Philosophie startet mit einer sehr lebendigen Einleitung durch den charismatischen Autor. Leider übernimmt nach kurzer Zeit der angekündigte Sprecher das Mikrophon und füllt seine Rolle dann zwar durchaus engagiert aus – aber er bietet für meine Verhältnisse zu wenig sprachliche Lebendigkeit, um in Anbetracht der sehr anspruchsvollen Thematik den Spannungsbogen für jeden Hörer aufrecht erhalten zu können. Ich bin mir sicher, würde der Autor seine Lehren selbst vortragen, man würde es keine Sekunde an Aufmerksamkeit mangeln lassen. Für einen Personenkreis, der es gewohnt ist, langen wissenschaftlichen Texten konzentriert zu folgen, ist dieses Hörbuch sicherlich genau richtig. Alle anderen sollten tatsächlich überprüfen, ob für sie das gedruckte Buch nicht geeigneter ist.

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  • Hart auf hart

    • gekürzt (08 Std. 21 Min.)
    • Von T. C. Boyle
    • Gesprochen von August Diehl
    Gesamt
    (202)
    Sprecher
    (181)
    Geschichte
    (185)

    Adam, der Sohn eines Schuldirektors und Vietnamveterans, kriegt nichts auf die Reihe. Er fliegt von allen Schulen...

    skyline sagt: "Boyle war schon besser"
    "Amerikas Abgründe"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    Zwei bis drei von seinen ersten Romanen, dann vielleicht noch „Die Frauen“ – das ist für jeden Literaturliebhaber Pflicht. Aber dieses Buch hier, das ist wahrscheinlich schon des Guten zu viel. Boyles Schreibstil, welcher einen am Anfang vollkommen gefangen nimmt, läuft sich irgendwann tot, wenn der Autor nicht gerade ein neues, durchschlagendes Thema auf den Tisch bringt. Bei den gedruckten Büchern wünschte ich mir hin und wieder eine nicht ganz so selbstverliebt ausgedehnte Schreibweise; bei diesem gekürzten Hörbuch hingegen hatte ich – trotz des charismatischen Sprechers – manchmal das Gefühl, dass mir wichtige Passagen oder auch eingängigere Szenenbeschreibungen des gedruckten Buches vorenthalten werden, um den Boyle, den ich beim Lesen zu schätzen gelernt habe, auch hier so richtig zu „spüren“. Nichtsdestotrotz packt der Autor ein Thema an, das die amerikanische Wirklichkeit in beunruhigendem Maße bestimmt. Nicht nur unter diesem Gesichtspunkt möchte ich, trotz meiner geäußerten Vorbehalte, vor allem Leute, die T.C. Boyle noch nicht kennen, zum Hören – oder besser noch – zum Lesen des Buches auffordern.

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  • Sofies Welt

    • gekürzt (09 Std. 17 Min.)
    • Von Jostein Gaarder
    • Gesprochen von Katharina Thalbach
    Gesamt
    (37)
    Sprecher
    (21)
    Geschichte
    (20)

    Zwei anonyme Briefe findet die 14-Jährige Sofie in ihrem Briefkasten...

    Patrik-Philipp Huber sagt: "Die Philosophie erklärt wie kein Anderer"
    "Knarzen im Audio-Getriebe"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    Als gedrucktes Buch ist Sofies Welt seit langem zu Recht ein Klassiker, in der gekürzten Hörbuchversion tut sich das Konzept noch schwer damit, sein Publikum zu finden. Ein Grund ist sicherlich, dass viele die ganze Geschichte hören wollen. Ein weiterer könnte – auch bei der Langversion – an der Sprecherin Katharina Thalbach liegen, die man ja als sehr charismatische Schauspielerin und Vorleserin kennt. Ich gebe offen zu, dass mich das Buch brennend interessiert hat, ich mich aber nach der Hörprobe bewusst gegen die ungekürzte Version entschieden habe, weil ich mir nicht vorstellen konnte, der oft knarzenden Stimme von Frau Thalbach fast 20 Stunden zu lauschen. Diesen Umstand hier unumwunden zu äußern fällt mir schwer, da ich Frau Thalbach als Darstellerin und in sonstigen Sprechrollen wirklich schätze. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich bei anderen arrivierten Sprechern wenig Manschetten habe, deutlich anzusprechen, wenn deren Leistung nicht in Ordnung war.

    Das Konzept des Buches an sich jedoch ist grandios. Wo hat man sonst die Möglichkeit, in solch kompakter Form umfassend über die Philosophiegeschichte informiert zu werden. Ob dabei die Rahmenhandlung rund um Sophie eher eine Hilfe oder Störung darstellt, muss jeder Erwachsene für sich selbst entscheiden. Vielleicht hat gerade an diesem Punkt das gedruckte Buch seine Stärken, da man hier leichter weiter blättern kann, wenn man ausschließlich an den harten Fakten interessiert ist. Für ein junges Publikum ist das Konzept aber genial – und vielleicht passt hier auch Frau Thalbach besser als Sprecherin, da die jungen Leute eher auf das narrative Element ansprechen, was in Form dieser Sprachaufnahme absolut gewährleistet ist.

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  • Das Känguru-Manifest: Live und ungekürzt

    • ungekürzt (05 Std. 15 Min.)
    • Von Marc-Uwe Kling
    • Gesprochen von Marc-Uwe Kling
    Gesamt
    (12266)
    Sprecher
    (10532)
    Geschichte
    (10497)

    Sie sind wieder da - das kommunistische Känguru und der stoische Kleinkünstler! Auf der Jagd nach dem höchst verdächtigen Pinguin...

    LiA sagt: "WITZIG ! (Zitat)"
    "Eigenwillig und gleichzeitig treffend"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    Es erübrigt sich fast, an dieser Stelle noch etwas zu schreiben, da das Hörbuch bereits über 10.000 positive Bewertungen verbuchen kann. Aber ich möchte einfach wie viele andere meine Wertschätzung für dieses großartige Gesamtkunstwerk zum Ausdruck bringen. So eigenwillig und gleichzeitig treffend kommt Humor selten daher.

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  • Elefant

    • ungekürzt (07 Std. 47 Min.)
    • Von Martin Suter
    • Gesprochen von Gert Heidenreich
    • Whispersync for Voice verfügbar
    Gesamt
    (1434)
    Sprecher
    (1341)
    Geschichte
    (1337)

    Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdachlosen...

    Udolix sagt: "Schweizer Präzision"
    "Das war nichts"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    Ein Suter geht immer - das habe ich bei „Der Koch" noch proklamiert.
    Aber nach dem Hören von „Elefant" möchte ich diese Aussage gerne relativieren.

    Betulich wirkt das, was hier produziert wurde, brav und ohne Biss. Ich bin erstaunt über die Altersmilde des Autors und mache mir bereits Sorgen, dass seine großartigen Bücher nun der Vergangenheit angehören werden.

    Es gab zwar schon immer schwächere Werke von Suter, aber das hier lässt die Alarmglocken läuten, da er sich mit der „Gentechnik“ an ein Thema heranwagt, das doch eine große Erwartungshaltung mit sich bringt. Aber die wird eigentlich von Anfang bis Ende enttäuscht, auch wenn man dem Autor eine sehr penible Recherche zugute halten kann - doch, wer will denn sooooo viel über Elefantenpflege und -aufzucht wirklich im Detail erfahren? Lieber hätte man sich den einen oder anderen genialen Twist gewünscht, mit denen uns der Autor ja über die Jahre auch in verlässlichem Maße verwöhnt hat.

    Kann sein, dass den Großteil der Schuld den Sprecher trifft und ich Suter selbst zu Unrecht anklage. Aber was Gert Heidenreich bei Szenenbeschreibungen macht, fällt ganz klar unters Betäubungsmittelgesetz. Wenn Heikko Deutschmann in „Der Koch“ bei 120% liegt, so kreucht Gert Heidenreich im vorliegenden Werk bei mageren 20% herum.

    Vielleicht ist das Buch etwas für Tierhalter ganz jungen und älteren Semesters – kann sein, dass Suter hier bewusst eine ganz eigene Leserschaft anspricht. Nur, die Warnung gegenüber seinem Stammpublikum sollte dann doch bitte ganz deutlich ausgesprochen werden.

    1 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich.
  • Hunger

    • ungekürzt (06 Std. 24 Min.)
    • Von Knut Hamsun
    • Gesprochen von Uwe Friedrichsen
    Gesamt
    (62)
    Sprecher
    (60)
    Geschichte
    (61)

    In Kristiania, dem heutigen Oslo, kämpft ein junger Schriftsteller Ende des 19. Jahrhunderts um Anerkennung für seine Werke...

    Nicolas Rutschmann sagt: "Lohnende Zeitreise"
    "Lohnende Zeitreise"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    Ich bin ein ausgewiesener Fan von Gegenwartsliteratur, aber dieses Hörbuch - und ich spreche bewusst von der Hörfassung des Buches - ist ein überwältigendes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, auch mal bei den Klassikern zu stöbern. Das Manuskript selbst hat es bereits in sich, es ist Existentialismus auf schriftstellerisch allerhöchstem Niveau, und damit ist nicht nur die nüchterne und schonungslose Betrachtung eines ums nackte Überleben und Akzeptanz kämpfenden Individuums gemeint, sondern auch der Entwurf aberwitziger Situationen, die einen trotz der ernsten Ausgangslage oft auch schmunzeln lassen.
    Der Sprecher liest das Ganze mit einer unfassbar temperamentvollen Vehemenz, die einem an vielen Stellen den Atem raubt. Ich habe oft versucht, mir das Gehörte in reiner Textform vorzustellen und bin zu dem Schluss gekommen, dass das gedruckte Buch unter Umständen sehr viel nüchterner rüber kommt. Über 40 Jahre ist diese Sprachaufnahme alt - phantastisch, was damals produziert wurde. Es lohnt sich auf jeden Fall, weiter in dieser Zeit auf Entdeckungsreise zu gehen.

    13 von 13 Hörern fanden diese Rezension hilfreich.
  • Helix: Sie werden uns ersetzen

    • ungekürzt (15 Std. 21 Min.)
    • Von Marc Elsberg
    • Gesprochen von Simon Jäger
    • Whispersync for Voice verfügbar
    Gesamt
    (3981)
    Sprecher
    (3753)
    Geschichte
    (3755)

    Wer den perfekten Menschen will, verliert irgendwann die Kontrolle über Gut und Böse... Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch...

    Annette sagt: "Wunderwaffe CRISPR-CAS9"
    "Interessante Geschichte, sehr gut recherchiert"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    Der Spannungsfunke, der für alle deutlich sicht- und hörbar permanent versprüht wird, sprang bei mir aber nicht so recht über.
    Wer „Blackout“ mochte, weil da der Zusammenbruch des Europäischen Stromnetzes sehr vorstellbar beschrieben wird und man die Protagonisten auf ihrer atemlosen Suche nach der Ursache begleitet, während von Stunde zu Stunde die Welt zunehmend im Chaos versinkt – der wird bei „Helix“ erst mal enttäuscht sein.
    Das Thema Genmanipulation ist zwar hochbrisant, entfaltet seine Explosivkraft aber eher im Detail. Unter dieser Voraussetzung muss man dem Autor zugutehalten, dass er alles dramaturgisch Machbare ausprobiert und sich gleichzeitig auf einer wissenschaftlich fundierten Ebene bewegt. An manchen Stellen wirkt das etwas zu dick aufgetragen, und auch dem herausragenden Sprecher könnte man vorwerfen, sich etwas zu viel ins Zeug gelegt zu haben; vor allem seine Imitation von Kinderstimmen ist sicher nicht nach Jedermanns Geschmack. Aber das sind Spitzfindigkeiten.
    "Helix“ ist ein Unterhaltungsroman, kein Aufklärungsbuch. Deshalb erfüllen alle von mir kritisierten Details für einen Großteil der Hörer sicher ihren Zweck.
    In ihrem Sinne möchte ich sagen: empfehlenswert.

    0 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich.
  • Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet

    • ungekürzt (05 Std. 51 Min.)
    • Von Michael Lüders
    • Gesprochen von Steffen Groth
    • Whispersync for Voice verfügbar
    Gesamt
    (741)
    Sprecher
    (683)
    Geschichte
    (684)

    Wer den Wind sät, wird Sturm ernten. Michael Lüders beschreibt die westlichen Interventionen im Nahen und Mittleren Osten seit der Kolonialzeit...

    A. Leonhardt sagt: "Das müssen Sie hören!"
    "Aufklärung durch die rotgetönte Brille"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    Aufgeklärte Wochenzeitungsleser werden sich in vielen Punkten bestätigt fühlen, wenn sie dieses Buch lesen oder hören, in den grundlegenden Sachverhalten aber relativ wenig Neues erfahren, außer einer Unzahl von vertiefenden Detailinformationen, die man in dieser Ausgiebigkeit sonst nur schwer beschaffen kann. Der Autor zeichnet sich wirklich als ausgezeichneter Kenner und Analyst der Materie aus.

    Ob einem das Buch gefällt, hängt sicher von der politischen Haltung ab. Wer den westlichen Staaten, im Speziellen den USA und Israel einigermaßen wohlwollend gegenüber steht, wird nach wenigen Minuten des Hörens Schaum vor dem Mund haben. Natürlich ist der geneigte Leser/Hörer bereits durch Titel und Inhaltsangabe auf diesen Sachverhalt vorbereitet – ich habe mich aber immer wieder gefragt, ob der Westen tatsächlich so extrem rücksichtslos und auf eigene Interessen versessen ist, wie vom Autor dargestellt. Eigentlich bestätigt das Buch sämtliche Vorurteile, die man seit der Schulzeit (in meinem Fall Jahrgang 1962) mit allen eher links positionierten Diskussionspartnern führte, und das beunruhigt einen beim Hören des Buches permanent.

    Ich für meinen Teil habe mir neben den ganzen Anklagepunkten auch ein paar, im „positiven Sinne" nachvollziehbare Beweggründe des Westens erhofft, wenn es darum geht, arabischen oder muslimisch geprägten Ländern unser Demokratieverständnis zu vermitteln. Aber offenbar gibt es die nicht und kann es sie auch nicht geben - wenn man dem Autor wirklich glauben darf.

    Meines Wissens liegen die Wurzeln für den vom Autor beschriebenen Konflikt auch nicht nur in der jüngeren Geschichte, sondern bereits in den Kreuzzügen und dem Kolonialzeitalter. Hiervon ist im Buch nur in zwei Nebensätzen die Rede, was ich ziemlich bedenklich finde. Ich hätte es schon sehr wichtig gefunden, in der Gesamtbetrachtung noch ein paar Jahrhunderte zurück zu springen, anstatt im letzten Teil langatmig den doch jedermann sehr geläufigen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu schildern.

    Trotzdem möchte ich für dieses Buch eine Empfehlung aussprechen. Die zusammengetragenen Fakten sind, trotz ihrer tendenziellen Ausrichtung, wirklich beeindruckend. Und der Sprecher ist hervorragend, da er es schafft, einen durch seine lebendige Sprechweise hellwach zu halten.

    2 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich.
  • Faserland (Triptychon)

    • gekürzt (04 Std. 24 Min.)
    • Von Christian Kracht
    • Gesprochen von Dirk von Lowtzow
    Gesamt
    (124)
    Sprecher
    (104)
    Geschichte
    (103)

    "Faserland" beschreibt die Reise eines unbekannten Ich-Erzählers durch Deutschland...

    Christian sagt: "Fast schon ein Klassiker"
    "Macht Laune"
    Gesamt
    Sprecher
    Geschichte

    Zwischen diversen Wälzern der Weltliteratur macht dieses Buch richtig Laune und bietet eine kurzweilige und gelungene Abwechslung zur sonst meist recht prätentiösen Schriftstellerei.

    Das Buch wird zu Recht der Popliteratur zugerechnet, und man muss sicher in der Stimmung sein, es hören zu wollen, denn es hat eigentlich keine richtige Handlung, fängt vielmehr Stimmungen und Lebenshaltungen auf einer kurzen, intensiven Reise, vor allem durch Kneipen und Partyszenerien quer durch Deutschland Mitte der 1990er Jahre ein. Ich bin etwa im Alter des Autors und musste bei vielen Szenen zustimmend nicken oder schallend lachen, wenn sie die längst verdrängte Zeit genau beobachtet auf pointierte Art wieder ins Gedächtnis rufen.

    Der Sprecher ist eine Idealbesetzung. Man merkt zwar, dass er nicht der aalglatte Profi ist, aber er trägt die Geschichte so überzeugend und mit unterschwelliger Ironie vor, als würde er sie selbst erleben. Klasse.

    Die oft geäußerten Parallelen zum Werk von Bret Easton Ellis sind dem Buch durchaus anzumerken, gehen für mich aber voll in Ordnung, da Kracht genug eigenständige Elemente in seine Erzählung mit einbringt. Viel mehr hat mich allerdings erstaunt, wie sehr vieles vom Tonfall und der Art der Szenenbeschreibung in meinem Lieblingsbuch des Jahres 2016, „Panikherz“ von Benjamin von Stuckrad-Barre wiederzufinden ist. Da dieser sich wiederum aber gerne der Bekanntschaft mit Easton Ellis rühmt, kann ich nur sagen: „Eine schöne Zeit habt ihr offenbar alle zusammen gehabt, freut mich für euch.“

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